Ständige Begleiter

Jugendliche und Smartphones

Wenn es blinkt oder piept, ist der Griff zum Smartphone für Schülerinnen und Schüler mittlerweile als Reaktion ebenso selbstverständlich wie der Griff zum Taschentuch, wenn die Nase rinnt.
 MEV125023
Jugendliche und ihre ständigen Begleiter

„Mit wem schreibst du denn da immer?“, fragte der Vater forsch.
„Mit Freunden vielleicht?!“, sagte Johanna und schaute genervt hoch.
„Triff dich doch lieber mit ihnen“, sagt der Vater. „Du bist ja noch schlimmer als ich.“
„Diese Handys sind echt eine Seuche“, sagte die Mutter.
„Mama, du redest wie Oma.“
„Johanna“, sagte die Mutter. „Ich würde mich gern mal mit meiner Tochter unterhalten, ohne dass sie ständig dieses bescheuerte Ding vor der Nase hat.“
Johanna legte das Handy auf den Tisch.
„Also gut, worüber wollen wir reden?“
Auf dem Tisch vibrierte es.
„Das ist jetzt wichtig“, sagte Johanna und griff nach dem Handy 

aus: Florian Buschendorff: Ohne Handy – voll am Arsch. K.L.A.R.-Taschenbuch, Verlag an der Ruhr, 2015

Wenn es blinkt oder piept, ist der Griff zum Smartphone für Schülerinnen und Schüler mittlerweile als Reaktion ebenso selbstverständlich wie der Griff zum Taschentuch, wenn die Nase rinnt. Tatsächlich ist es inzwischen so, dass man hierzulande eher auf einen Jugendlichen ohne Taschentuch trifft als auf einen ohne Smartphone: Laut der 4. Oberösterreichischen Jugend-Medien-Studie besitzen im Jahr 2015 bereits 83 Prozent der 11- bis 14-Jährigen ein eigenes Smartphone, bei den 15- bis 18-Jährigen sind es 98 Prozent. Telefoniert wird damit natürlich auch – aber die mit Abstand am häufigsten genutzte Funktion bei den Jugendlichen ist der Nachrichtendienst WhatsApp. 60 Prozent der jugendlichen Smartphone-Besitzer verschicken oder empfangen damit Nachrichten. Und das, je nach Betrachter, „eh nicht so oft“ bis „gefühlt tausend Mal pro Tag“.

Sind wir nicht alle ein bisschen Johanna?

Erwachsene sind in Sachen Smartphone und Handy den jugendlichen „Scheibenwischern“ nicht immer ein leuchtendes Vorbild; Stichwort: „Ich-bin-im-Theater- kann-grad-nicht -reden-wir-später“ oder „Hallo-ja-ich-hör-dich-hörst-du-mich-jetzt“ unter einem Handy-Verbotsschild im Zug. Warum sollten die Kleinen im Umgang mit dem kleinen Gerät die Großen ernst nehmen?
Der Drang, permanent mit der digitalen Welt verbunden sein zu müssen aus Angst irgendetwas zu verpassen, hat bereits einen eigenen Namen: FOMO, ein Akronym aus den Anfangsbuchstaben von „fear of missing out“. Diese Angst, dass alle anderen gerade etwas Besseres, Schöneres, Wichtigeres erleben als man selbst, gab es natürlich schon vor WhatsApp, Facebook & Co. Sie erhält durch die sozialen Netzwerke allerdings einen äußerst fruchtbaren Nährboden.
Im eingangs erwähnten neuen Buch der K.L.A.R.-Reihe wagt ein Lehrer angesichts der Handy-Manie mit seiner Klasse ein Experiment: Die Hälfte der Klasse soll für zwei Wochen ihre Handys abgeben. Solche „Handyfasttage“ können durchaus sinnvoll sein, wenn man Jugendlichen vor Augen führen will, dass zwischenmenschliche Kommunikation auch ohne digitale Medien funktioniert. In der österreichischen Tageszeitung „Der Standard“ findet sich die Beschreibung des Selbstversuchs „Sieben Tage Handyfasten“.

Die Initiative saferinternet.at des Österreichischen Instituts für angewandte Telekommunikation bietet zum Thema "Handy in der Schule" Unterrichtsmaterial und Erklärvideos.

Ganz reibungslos lassen sich die Konflikte zum Thema Handy-Nutzung nicht lösen. Doch sogar Johanna aus der K.L.A.R.-Geschichte entpuppt sich schlussendlich als engagierte Schülerin …

  • eingestellt am 07.06.2016

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