Glücksforscher Manfred Rauchensteiner

Brief an Lehrerinnen und Lehrer

Der österreichische Glücksforscher, Emotionstrainer und Autor Manfred Rauchensteiner hat im Winter 2015 bei sieben VERITAS-Veranstaltungen zum Thema „Stück für Stück – z’rück zum Glück“ referiert. In diesem offenen Brief an österreichische Lehrerinnen und Lehrer gibt er Anregungen zu einem erfüllten, selbstbestimmten, glücklichen Leben.
 Manfred Rauchensteiner
Wir gehen davon aus, dass das, was wir gelehrt bekommen haben, „normal“ ist, und dass das Leben eben so ist. Doch stimmt das?

Liebe Lehrerin, lieber Lehrer!

Du hast einen ganz wunderbaren und wertvollen Beruf gewählt. Du hast dich dazu entschieden, Kinder und Jugendliche auf ihrem Weg in das Leben zu begleiten. Es ist die Phase, in der alle Prägungen geschehen, wo Kinder Informationen meist ungefiltert aufnehmen, als würden sie einer Wahrheit entsprechen.

Seit der Geburt sind Kinder ihrer Umgebung „ausgeliefert“. Sie beobachten uns Erwachsene, wie wir uns verhalten, sie hören zu, was wir sprechen, sie nehmen alles auf wie ein Schwamm und können sich dem nicht entziehen. In den allerersten Jahren der Kindheit wird nicht in Frage gestellt, wie Menschen leben. Erst wenn Unterschiede festgestellt werden (Oma ist anders als Mama, Mama ist anders als Tante ... ), beginnt ein leichtes Differenzieren.

Je mehr Ähnlichkeiten im Verhalten der Erwachsenen wahrgenommen werden, desto fester wird der Glaube, dass die Welt – das Leben - eben so ist, dass man eben hier so lebt.

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Öffne dich dafür, dass du ein uneingeschränkt mächtiges Wesen bist, dass du es in Wahrheit jederzeit selbst in der Hand hast, wie du dich fühlst!

So entstehen in jedem Menschen Glaubenssätze und Denkmuster, vor allem auch Verhaltens– und Reaktionsmuster. Es wird uns vorgelebt wie man reagiert, wenn dies oder das in unserem Leben passiert. Man lernt, wann man sich ärgert, wann man traurig ist, und ständig hört man, wie man sein soll und wie man nicht sein soll.

Der Weg durch diese Kindheit ist die absolut härteste Zeit des Lebens, auch wenn unser Kopf das oft nicht glauben will. Ständig bekommst du erzählt, dass du irgendwie anders sein sollst als du bist: Nicht so laut, nicht so übermütig, ruhiger, ordentlicher, fleißiger ... du sollst dich mehr anstrengen, nicht einfach rumhängen ... Spaß und Freude haben erst Platz nach getaner Arbeit ... und es gibt immer etwas „zu tun“ ... du hast zu funktionieren und die Bedürfnisse deiner Umgebung zu erfüllen ... NUR DANN wirst du weiterhin geliebt, bekommst Anerkennung und Lob, endlich ein wenig Zuneigung und Liebe ... sonst nicht.

Diese „harte Schule“ dauert bei fast allen Menschen so um die 16 bis 20 Jahre, eine wahrhaft unfreie Zeit, denn du kannst dir deine Umgebung kaum aussuchen und schon gar nicht, WAS dir diese Umgebung vorlebt und was sie dich lehrt.

Du hörtest oft Sätze wie: „Du brauchst keine Angst haben!“, „Du brauchst nicht traurig sein!“, „Du sollst nicht laut oder wütend sein!“, „Du musst dich anstrengen!“ etc. Wahrscheinlich viele davon täglich, über Jahre hinweg. Jedoch: WIE du das machst, dass du nicht traurig bist, WIE du das machst, dass du nicht wütend bist, WIE du das machst, dass du keine Angst hast, DAS hat dich kaum jemand gelehrt! Schon gar nicht, dass du eine eigene Wahl hast, wie du dich fühlen willst. Oder wie du dir deine Gefühle erschaffst, wie du sie verändern kannst. Das wissen nicht einmal die meisten Erwachsenen, da sie es kaum in ihrem Leben jemals hinterfragt haben. Wir gehen davon aus, dass das, was wir gelehrt bekommen haben, „normal“ ist, und dass das Leben eben so ist. Doch stimmt das?

Als Kinder haben wir es kaum verstanden, warum fast immer alles anders sein sollte, als wir es gemacht haben, warum wir immer anders sein sollten, als wir gerade waren. Es gehört heute im Erwachsenenleben immer noch zu den schlimmsten Botschaften, die wir erhalten können, wenn uns jemand sagt, dass wir anders sein sollten, als wir gerade sind! Wenn uns jemand sagt, dass wir nicht so, sondern anders sein sollen. Jedes Mal, wenn wir so eine Aussage vernehmen, fühlen wir uns schlecht und wieder nicht gut genug!

Wenn wir Erwachsene unseren Kindern nicht vorleben, wie genial es hier auf dieser Welt ist, wie unglaublich faszinierend und spannend so ein Leben ist, woher sollten sie es dann wissen? Wenn wir keine Begeisterung in uns tragen, woher sollen Kinder sie lernen? Wenn wir immer über Probleme und Dramen reden, woher sollen sie wissen, dass man stattdessen auch etwas anderes tun kann? Wenn wir permanent beteuern, dass uns Systeme und Gesellschaft gefangen halten,  woher sollen Kinder ahnen, dass man Freiheit wählen kann?

Wenn ihnen niemand erklärt, wie Gefühle entstehen und wodurch, wie sollen sie dann die Möglichkeit haben, diese zu verändern?

Fast alle Menschen bevorzugen gute Gefühle, doch die meisten erzeugen sich permanent schlechte! Unbewusst …  ja, natürlich. Sie verurteilen alles und jeden und wundern sich, dass es ihnen nicht gut geht. Sie sehen überall hin, wo etwas scheinbar nicht in Ordnung ist und fühlen sich mies dabei. Sie tun eine Menge Dinge, die sie nicht tun wollen, und wundern sich, dass dies keine guten Gefühle erzeugt!

Tatsächlich haben wir immer eine Wahl! Wir können als Opfer durch die Welt gehen oder als Schöpfer unserer Welt. Wir können leben, als würde uns immer jemand oder etwas zum Handeln oder Sprechen zwingen, oder wir können leben, als könnten wir frei entscheiden.

Die „echten Wahrheiten“ in unserem Leben können wir lediglich über das Fühlen wahrnehmen! Je angenehmer das Körpergefühl, desto willkommener und wahrer das Leben.

Alles, was du in deinem Leben haben, besitzen, erreichen, erleben möchtest, willst du aus einem einzigen Grund: Du hast die Vorstellung, dass es sich dann gut ANFÜHLT! Schon der Gedanke daran, macht dir JETZT ein gutes Gefühl, ohne diese Vorstellung machst du in Wirklichkeit gar nichts in deinem Leben!

Deine tägliche Gefühlswelt entsteht nämlich nicht durch das, was gerade in deinem Leben passiert (im Hier und Jetzt), sondern hauptsächlich durch deine Vorstellung, deine Gedanken, die gerade in dir ablaufen! Wenn du an ein vergangenes Geschehen denkst, bekommst du das passende Gefühl dazu sofort in deinem Körper präsentiert. Wenn du an etwas Zukünftiges denkst, ebenso! Je nach deiner Vorstellung. Hast du die Vorstellung als schlimm beurteilt, geht es dir schlecht – jetzt!

Öffne dich dafür, dass du ein uneingeschränkt mächtiges Wesen bist, dass du es in Wahrheit jederzeit selbst in der Hand hast, wie du dich fühlst! Du kannst bewusst entscheiden was und wie du denkst, auch wie du reagieren oder sein möchtest, wie du dich oder andere Menschen behandeln möchtest, was du leben würdest, wenn du keine Angst hättest.

Das zeichnet einen bewussten Menschen aus! Ich möchte dich dazu herzlichst einladen, denn dann bist du das Licht der Welt! Ein echter Lehrmeister!

Manfred Rauchensteiner

Emotionstrainer - Wissensentwickler - Glücksforscher -

Einzelcoach nach Ella Kensington®

  • eingestellt am 07.06.2016