Prüfungstipps und -tricks - Teil l

Bestens vorbereitet: die mündliche Abiprüfung

Du würdest lieber mit Haien schwimmen, Taranteln knutschen oder aus einem Flugzeug springen als zur mündlichen Prüfung zu gehen? Entweder liebst du den Nervenkitzel oder du hast Prüfungsangst. So oder so: Weiterlesen lohnt sich. Denn hier kommen unsere Tipps für eine erfolgreiche mündliche Prüfung!
 Ein junger Mensch springt aus einem Flugzeug.
Du würdest lieber aus einem Flugzeug springen als zur mündlichen Prüfung zu gehen?

Die mündliche Abschlussprüfung: ungewohnt – unberechenbar – unmöglich zu meistern?

Auch wenn manche Mitschüler so cool scheinen, dass selbst Poker-Profis neidisch wären: Die wenigsten nehmen eine mündliche Prüfung völlig locker. Für die meisten ist sie sogar ganz schön furchteinflößend – denn die Situation ist zuerst mal ungewohnt und scheint dann auch noch komplett unvorhersehbar zu sein.

Nervös zu sein ist also durchaus logisch. Denn während du im Klausurschreiben längst ein alter Hase bist, hast du eine mündliche Prüfung entweder noch gar nicht oder zumindest noch nicht oft erlebt. Außerdem hast du keine Ahnung, welche Fragen dich erwarten – und keine Zeit, die Antworten erst mal schriftlich auszuformulieren. Eine peinliche Antwort einfach durchstreichen, lieber noch mal von vorne anfangen oder erst mal alle Fragen in Ruhe durchlesen? Leider so nicht möglich. Das ist aber auch halb so wild. Denn mit der richtigen Vorbereitung machst du richtig Eindruck!

Das Wasser ist eher lauwarm als kalt.

Die gute Nachricht ist ja: Der Frage-Antwort-Teil ist wirklich nur ein Teil. Bevor du dich den Fragen stellst, hast du nämlich erst noch die Chance, ordentlich zu glänzen. Du bekommst eine Aufgabe und hast dann 30 Minuten Zeit, dich auf die Präsentation deiner Ergebnisse vorzubereiten.

Der "Angstfaktor", dass du unvorbereitet vor die Prüfer treten musst, und überraschende Fragen auf dich einprasseln, entfällt also erst mal völlig. Stattdessen kannst du deine Gedanken in Ruhe ordnen und dir die nötigen Stichpunkte machen. Du siehst: Niemand wirft dich ins kalte Wasser. Der Einstieg ist erst einmal seicht.

Alles eine Frage der Einstellung.

Die meisten stellen sich so eine Prüfung als eine Art Stresstest vor: Diverse kritische Augen beobachten jede Geste, jedes Wort wird auf die Goldwaage gelegt und die Fragen zielen nur darauf ab, Wissenslücken aufzudecken. Die Realität sieht aber ganz anders aus. Auch für Lehrer ist die mündliche Prüfung eine ungewohnte Situation. Während sie dir sonst die Welt oder zumindest den Stoff erklären, stehst du jetzt vorn und sie hören zu. Mit gezielten Fragen sollen sie dir Wissen entlocken, ohne dich zu sehr zu "steuern". Das kann auch für Lehrer ziemlich knifflig sein. Mach dir also klar: Niemand will dir etwas Böses – und für deine Prüfer ist es ebenfalls eine besondere Situation.

Praktisch ist außerdem: Wenn du halbwegs ruhig und zuversichtlich an die Sache rangehst, strahlst du das auch aus. Mit einer souveränen Ausstrahlung und einem positiven Auftreten kannst du dann direkt punkten. Denn selbst wenn du dich bei der dritten Frage leicht ratlos an der Schläfe kratzen musst: Wer Interesse am Stoff und Begeisterung für das Fach zeigt, hat schon mal einen Stein im Brett. Das ist dann auch das Schöne an einer mündlichen Prüfung. Die Atmosphäre ist hier auch ein Faktor; kleine Schwächen werden durchaus mal verziehen – und das ist ein klarer Vorteil gegenüber den Abiklausuren.

"Ich hab’ da mal was vorbereitet ..."

Schon klar: Du bist weder ein Hellseher noch ein Supercomputer, der für alle nur möglichen Fragen im Bruchteil einer Sekunde die passende Antwort aus seiner Datenbank parat hat. Mit der richtigen Vorbereitung sorgst du aber zumindest für ideale Bedingungen. Versuch vorab herauszufinden, welche Vorgaben, Ansprüche und Präferenzen deine Lehrer stellen bzw. haben. Vielleicht wissen Mitschüler oder Ehemalige, dass Lehrer XY möchte, dass du so schnell wie möglich auf den Punkt kommst, während Lehrer YZ es etwas ausführlicher mag. Vielleicht kannst du deinen "Chefprüfer" auch einfach nach ein paar Tipps fragen – oder es gibt sogar die Möglichkeit, einmal eine Prüfung zu simulieren.

"Simulieren" ist auch gleich das passende Stichwort, denn mögliche Fragen und Antworten solltest du unbedingt vorab mehrfach durchspielen. Im Idealfall übst du mit ein paar Mitschülern und bittest sie, auch mal richtig gemeine Fragen zu stellen und ordentlich nachzubohren. Je mehr Routine du entwickelst, desto besser. Bei deinen Antworten merkst du auch gleich, ob du alles richtig verstanden hast – und ob du es tatsächlich gut und "auf den Punkt" erklären kannst. Unterm Strich gilt schließlich: Je mehr du weißt, desto sicherer fühlst du dich. Und desto entspannter gehst du in die Prüfung.

Freies Sprechen ist vor allem Übungssache.

Bei Referaten und Präsentationen neigen wir dazu, das, was wir sagen wollen, so weit wie möglich auszuformulieren. Dann wissen wir schließlich genau, was wir sagen werden – und müssen uns keine Gedanken mehr machen. Genau da liegt aber das Problem. Denn wer nie gelernt hat, seine Gedanken "live" auszuformulieren, der gerät bei spontanen Frage-Antwort-Runden mächtig unter Stress.

Fang also rechtzeitig an, dich ans freie Sprechen zu gewöhnen. Verzichte auf vorformulierte ganze Sätze und halte nur die wichtigsten Schlagwörter schriftlich fest. Den Rest fasst du dann einfach "aus dem Stehgreif" in Worte bzw. ganze Sätze. Je öfter du das tust, desto leichter fällt es dir – und je gelassener du dabei bist, desto besser kannst du unter Zeitdruck denken.

Weiter geht es in Teil 2 unserer Serie: mit den wichtigsten Tipps für einen erfolgreichen Frage-Antwort-Teil.

  • eingestellt am 04.11.2015
Autor

scook