Prüfungstipps und -tricks - Teil ll

Bestens vorbereitet: Die mündliche Abiprüfung

Jetzt geht es ans Eingemachte: Die besten Tipps, damit du den Frage-Antwort-Teil nicht nur überlebst, sondern wirklich meisterst!
 Ein junger Mensch steht am Ende von einem Tunnel und sieht Licht.
Wir geben dir Tipps, wie du das Licht am Ende des Tunnels findest!

Bleib ruhig – und hör erst mal zu.

Verständlich, aber ungünstig: Wer unter Stress steht, wird schnell hektisch. Die einen entwickeln dann ein Sprechtempo, das sich selbst gestandene Rapper nur wünschen können ("Je schneller ich antworte, desto schneller habe ich es hinter mir!"). Die anderen legen sofort mit der Antwort los, wenn sie meinen, zu wissen, wie die Frage lautet. Aber egal, ob du unsicher oder dir deiner Sache (zu) sicher bist: Lass den Prüfer immer ausreden und lass ihn jede Frage unbedingt zu Ende stellen. Vielleicht wollte er doch noch auf etwas ganz anderes hinaus – aber aus dir sprudelt schon eine Antwort heraus, die eigentlich niemand hören wollte.

Merke: Wer richtig antworten will, muss erst mal richtig zuhören. Das heißt auch: Ausreden lassen – und ganz genau hinhören.

Wenn die Frage lautet: "Welche drei Argumente sprechen für ...?", macht es wenig Sinn, 5 Pro- und 7 Kontra-Argumente anzuführen. Im Normalfall sind die Fragen so gestellt, dass dir klar sein sollte, was von dir erwartet wird.

Denk an den Teufel im Detail.

Vor lauter Sach- und Fachfragen und inhaltlichen Überlegungen kann man schon mal die kleinen Feinheiten vergessen, die aus einer korrekten Antwort eine überzeugende machen. Blickkontakt, ein angemessenes Sprechtempo und die richtige Lautstärke sind die absolute Basis, um deine Prüfer für dich zu gewinnen. Schau dem Fragesteller in die Augen und gib ihm das Gefühl, dass du tatsächlich ihm deine Antwort erklärst – nicht dem Boden, nicht der Wand und auch nicht dem Hausmeister, der gerade am Fenster vorbeiläuft.

Leere Worthülsen und unschöne Füllwörter solltest du vermeiden. Wenn du weißt, dass dir das Sprechen vor anderen schwer fällt, kannst du dir hier noch einige gute Rhetorik-Tipps rund um Körpersprache, Gestik und Mimik und ein paar clevere Stimm- und Sprechtricks abholen.

Punkte mit deinem Wissen – aber richtig.

Fachbegriffe machen Eindruck und zeigen, dass du Ahnung hast. Der kleine Haken: Wenn du sie falsch verwendest, wird es recht schnell peinlich. Schlag also lieber im Vorfeld noch mal nach und geh sicher, dass du wirklich weißt, welches Fachwort was bezeichnet. Mit Fremdwörtern sieht es ähnlich aus; wobei du dich lieber einfach und klar ausdrücken solltest, als hochtrabend und schwammig. Etwas Kompliziertest ganz einfach auf den Punkt zu bringen, ist oft viel beeindruckender, als mit schicken Fremdwörtern sinnlos um sich zu werfen.

Die meisten Lehrer wissen es zu schätzen, wenn du ausführlich antwortest, aber den Kern der Sache im Blick behältst. Ausführlich sein ohne zu schwafeln – das sollte dein Ziel sein. Bei vielen Prüfern kannst du übrigens besonders punkten, wenn du längere Antworten mit einer kleinen Zusammenfassung oder einem Fazit abschließt. Das zeigt zum einen, dass es keine reine Spontan-Antwort war, sondern du dir Gedanken gemacht und systematisch argumentiert bzw. erklärt hast. Es hilft deinen Prüfern aber auch, die wichtigsten Kernpunkte (noch einmal) zu erfassen – bei längeren Erklärungen kann schließlich auch ein Lehrer kurz den Überblick verlieren.

Nimm die Sache in die Hand und zeig, dass du ein Experte bist!

Manche Prüfer notieren sich vorab ihre Fragen und arbeiten ihre Liste dann konsequent ab. Andere sind da spontaner und lassen sich von eurem Prüfungsgespräch leiten. Das kannst du für dich nutzen, indem du zum Beispiel bei deiner Antwort auf einen anderen Aspekt oder einen anderen Bereich verweist. Die Chancen stehen gut, dass sich die Anschlussfrage auf genau diesen Aspekt oder Bereich beziehen wird. Jetzt noch kurz das Kleingedruckte: Solche Verweise solltest du natürlich nur einbauen, wenn du das entsprechende Fachwissen parat hast. Deuten sich stattdessen Schwächen an, bohren deine Lehrer ggf. nach – und dann hast du dir selbst keinen Gefallen getan.

Viele Fragen sollen abklopfen, ob du die Zusammenhänge verstanden hast. Das ist schließlich die absolute Königsdisziplin! Wenn dir also Parallelen, Wirkungszusammenhänge und/oder Verknüpfungen auffallen, solltest du die auch erwähnen und erklären. Anschauliche Beispiele, passende Zitate, erklärende Vergleiche und sachliche Belege bringen dir ebenfalls Punkte.

Im Zweifelsfall: Sei offen und bleib positiv!

Bei aller guten Vorbereitung kannst du natürlich trotzdem auf dem Schlauch stehen. Statt in Schockstarre zu verfallen oder den Notausgang zu suchen, atmest du dann erst mal tief durch. Ehrlichkeit und Offenheit helfen auch in Prüfungssituationen oft überraschend gut weiter. Wenn du wahnsinnig nervös bist, erwähne das ruhig kurz.
Wenn dir eine Frage unklar ist, frag einfach noch mal nach. Wenn du eine kurze Bedenkzeit brauchst, gönn dir die drei Sekunden Sprechpause. Wenn du wirklich so gar keine Ahnung hast, denk erst noch mal kurz nach – und gib es dann einfach zu. Vielleicht hilft dir eine Anschlussfrage doch noch auf die Sprünge. Ansonsten hakst du die Wissenslücke eben ab und punktest in anderen Bereichen. Das ist dann auch der letzte, aber sehr wichtige Rat: Bleib bei der Sache und gib nicht auf. Du wirst sehen: Unterm Strich ist die mündliche Prüfung allerhöchstens halb so wild!

Teil 1 unserer Prüfungstipps kannst du dir übrigens hier (noch einmal) ansehen. Ansonsten: Viel Erfolg – Glück brauchst du ja jetzt eigentlich nicht mehr.

  • eingestellt am 04.11.2015
Autor

scook