Richtig lernen – besser lernen

Wahr oder Falsch? Fünf Lernmythen im Check

Traubenzucker ist die Geheimwaffe für Klausuren und mit entsprechenden Audio-Aufnahmen kann man auch im Schlaf lernen: Ums Lernen ranken sich viele Mythen. Die fünf hartnäckigsten haben wir einmal näher unter die Lupe genommen – und sie knallhart dem Wahrheitscheck unterzogen.
 Schüler liegt mit einem Buch über dem Gesicht,  umgeben von Büchern, auf dem Boden.
Was ist eigentlich dran an den Lernmythen?

Ganz schön mysteriös: Ums Lernen ranken sich viele Mythen

Hilft Sport beim Lernen? Lernt es sich besser mit Musik? Und macht es überhaupt Sinn, sich mit Textmarkern auszutoben? Wir haben fünf gängige Lernmythen für dich gecheckt: Was ist wahr und was ist nur eine Lernlegende?

Mythos 1: Sport hilft beim Lernen.

Das ist tatsächlich richtig. Wer regelmäßig Sport treibt, kurbelt die Ausschüttung von Glückshormonen an, sorgt für eine bessere Durchblutung und auch eine bessere Sauerstoffversorgung im Gehirn und senkt seinen Stresspegel. All das wirkt sich natürlich positiv aus – und sorgt dafür, dass dir das Lernen leichter fällt und besser gelingt.

Neben dem klassischen Sport kann dir übrigens auch ein bisschen Bewegung direkt beim Lernen helfen. Probier doch zum Beispiel einmal aus, ob das Lernen bei dir besser klappt, wenn du mit deinen Notizen oder Vokabellisten langsam im Kreis durch dein Zimmer läufst.

Es gibt sogar spezielle Bewegungsübungen zum Gehirntraining, die die Vernetzung der Gehirnzellen zusätzlich fördern und deine Merkfähigkeit, Aufmerksamkeit und Konzentration noch weiter steigern sollen. Wenn du die Legenden rund um Lernen und Bewegung noch weiter erforschen willst, such doch mal im Internet und probier ein paar Übungen aus.

Mythos 2: Traubenzucker ist die Geheimwaffe für Klausuren.

Jeder kennt es von Klassenarbeiten und Klausuren: Auf diverse Tischen liegen plötzlich kleine Traubenzucker-Päckchen, die das gefürchtete Konzentrationstief sofort aushebeln sollen. In Wahrheit ist die Freude allerdings nur von kurzer Dauer: Der Blutzuckerspiegel steigt kurz sprunghaft an – danach folgt aber der Absturz. Schon nach zwanzig Minuten lässt der Traubenzucker-Zauber nach, und oft fühlst du dich glatt noch müder als vor dem Traubenzucker-Kick.

Auf die kleinen Päckchen ist also nur bedingt Verlass. Besser fährst du, wenn du morgens anständig frühstückst. "Gute Kohlenhydrate", die lange vorhalten, sind die beste Wahl – zum Beispiel das klassische Müsli oder ein Vollkornbrot mit (Frisch-)Käse. Auf deinen Tisch legst du statt Traubenzucker besser ein bisschen Obst und paar Nüsse. Daneben solltest du unbedingt noch eine Flasche Wasser stellen. Denn was wir als Hunger auf Süßes deuten ist oft nur starker Durst – und mit genügend Flüssigkeit kann dein Hirn gleich wieder besser arbeiten.

Mythos 3: Texte sollte man unbedingt mit Textmarkern bearbeiten.

An dieser Stelle hat der Faktencheck zu einem klaren "Jein" geführt. Textmarker sind nämlich nur dann wirklich clevere Lernhelfer, wenn du sie auch richtig einsetzt. Mit verschiedenen Farben so auszurasten, dass am Ende der komplette Text bunt markiert ist, macht natürlich wenig Sinn.

Entscheidend ist es also, beim Lesen und Markieren wirklich zu filtern und nur das Wichtige hervorzuheben. So helfen Textmarker dann auch tatsächlich beim Lernen: Wer die wichtigen Inhalte herausfiltern will, muss sich schließlich erst mal intensiv mit dem Stoff auseinandersetzen.

Praktischer Pluspunkt: Die entscheidenden Stellen findest du durch deine Markierungen später ganz leicht wieder – so musst du beim Wiederholen nur das Hervorgehobene lesen und nicht jedes Mal den ganzen Text. Mit verschiedenen Farben und ergänzenden Erklärungen am Rand kannst du zusätzlich für Struktur sorgen und dir weitere Lernhilfen schaffen. Richtig angewendet macht die Arbeit mit Textmerkern also absolut Sinn – aber eben nur dann.

Mythos 4: Mit Musik kann man leichter lernen.

Auch hier gilt: Jein. Diesmal kommt es aber nicht auf die Technik, sondern vor allem auf dich als Lerntyp an. Was dir hilft und was dich ablenkt, lässt sich so pauschal nicht sagen – da hilft nur ausprobieren! Wenn du der Typ für Musik beim Lernen bist, kann die akustische Untermalung wirklich prima sein. Du fühlst dich wohl, hebst deine Laune und deine Lernmotivation. Wenn du bestimmte Musik ausschließlich zum Lernen nutzt, kann das außerdem ein schönes Ritual sein, das dir den Einstieg ins konzentrierte Lernen leichter macht.

Schnelle und sehr laute Musik mit wummernden Bässen hilft allerdings niemandem beim Lernen. Instrumental-Stücke (ohne Stimmen, die dich ablenken) und gleichmäßige, ruhige und "getragene" Melodien eignen sich am besten. Probier es also lieber mal mit Klassik als mit Dubstep und schau, ob Musik für dich als Lernhelfer funktioniert.

Mythos 5: Lernen kann man auch einfach im Schlaf.

Klare Antwort: Nein. Zumindest, wenn es um den uralten Mythos geht, man müsse neuen Lernstoff nur aufnehmen und sich beim Schlafen anhören, damit er beim Aufwachen auf wundersame Weise "sitzt". Aktives Zuhören, wie es fürs Lernen nötig wäre, ist beim Schlafen nämlich gar nicht möglich. Das ist auch nur logisch: Das Gehirn hat genug mit dem zu tun, was es nachts so für dich leistet. Während du schläfst, geht es nämlich noch einmal die Informationen und Lerninhalte des Tages durch, ordnet und organisiert das Gelernte – und legt es im Laufe der Zeit ggf. im Langzeitgedächtnis ab.

Richtig ist also: Wenn du schläfst, arbeitet dein Gedächtnis daran, die Informationen richtig "abzulegen". Deshalb könnte man auch sagen: Lernen findet immer auch im Schlaf statt. Nachts neue Informationen aufzunehmen und tatsächlich aktiv neuen Stoff im Schlaf zu lernen, funktioniert aber nicht. Du wirst also nach wie vor deine wache Zeit zum Lernen nutzen müssen.

  • eingestellt am 24.07.2017
Autor

scook