Lernen im Biorhythmus

Optimal lernen für Langschläfer und Frühaufsteher

Nachteulen und "frühe Vögel" ticken anders: Während der eine schon morgens Bäume ausreißen könnte, läuft der andere erst viel später zur Höchstform auf. Dein Biorhythmus gibt vor, wann du am besten lernen kannst – und es lohnt sich, deiner inneren Uhr zu folgen. Wir erklären dir, wie es geht!
 Eine Schülerin hält Uhr fest.
Bist du ein Morgenmuffel oder ein Frühaufsteher? Finde es heraus!

Welcher Schlaftyp bist du – (Nacht-)Eule oder Lerche?

Wenn morgens früh der Wecker klingelt, zeigt sich ziemlich schnell, zu welcher Fraktion zu gehörst: "Der frühe Vogel fängt den Wurm!" oder doch eher "Der frühe Vogel kann mich mal!". Studien zeigen schwarz auf weiß, was du deinen Eltern vermutlich schon lange zu erklären versuchst: Die Pubertät macht aus vielen Jugendlichen ganz plötzlich Nachteulen. Während du früher strahlend bei Sonnenaufgang aus dem Bett geschossen bist, schaffst du es jetzt vielleicht nur noch mit Müh und Not (und massiven Augenringen) in die Schule. Aber kein Grund zur Verzweiflung – mit Anfang 20 kann sich dein Schlafverhalten durchaus wieder ändern.

Wissenschaftler unterscheiden drei grundsätzliche Schlaftypen, die Lerche, die Nachteule und den Normaltyp, der zu keinem der beiden Extreme neigt. Generell gilt: Wer vor 7.30 Uhr aufsteht und direkt jede Menge Schwung hat, darf sich mit Fug und Recht zu den Lerchen zählen. Wem das Aufstehen zwischen 9 und 12 Uhr lieber ist, der ist eher ein Spättyp. Wer keine klare Tendenz hat, zählt wahrscheinlich zur goldenen Mitte. Welcher Typ du bist, hängt von deinem Biorhythmus ab. Deine innere Uhr entscheidet nämlich, wann du am besten aus den Federn und in die Gänge kommst – und wann du am leistungsfähigsten bist.

Planbares Auf und Ab: die typische Leistungskurve

Auch wenn du es gerne hättest: Deine Leistungsfähigkeit wird auf keinen Fall gleich morgens auf Rekordhöhe sein und bis spät abends dort bleiben – egal, was du tust. Stattdessen sorgt der Biorhythmus dafür, dass die Leistungskurve ihrem Namen alle Ehre macht: Mal geht es bergauf und mal bergab; mal hast du tonnenweise Energie und mal bist du einfach nur kaputt.

Die meisten Menschen haben zwischen 10 und 12 Uhr ihre Leistungsspitze. Auf das Hoch folgt dann ein Tief – nämlich das berühmt-berüchtigte "Mittagstief". Du bist müde, kannst dich schwer konzentrieren und würdest am liebsten ein Schläfchen machen. Zwischen 14 und 16 Uhr hast du dann wieder Power und kannst noch mal richtig Gas geben. Danach will dein Körper dann aber langsam Feierabend haben. Eine Leistungsspitze vormittags, ein Mittagsdurchhänger und ein Leistungshoch am Nachmittag – so sieht also die typische Leistungskurve aus.

Sich selbst beobachten und einschätzen: Finde deinen Biorhythmus

An dieser Stelle kommt das Kleingedruckte: Die typische Leistungskurve ist natürlich keineswegs universell für jeden gültig. Je nachdem, wie deine innere Uhr tickt, sieht deine ganz persönliche Motivations- und Leistungskurve vielleicht deutlich anders aus. Wichtig ist also, dass du für dich ganz individuell herausfindest, wann du am besten lernen kannst und wann du einen Durchhänger hast. Immer gegen deine innere Uhr zu kämpfen, ist nämlich nicht nur mühsam – es ist auch ziemlich unklug. Wer weiß, wann er fit und leistungsfähig ist, und das Lernen entsprechend plant, kann nämlich viel besser und effizienter lernen.

Beobachte dich selbst doch mal für eine Schulwoche. Schreib dir vom Aufstehen bis zum Schlafengehen stündlich auf, wie du dich fühlst. Wenn du gähnen musst, hungrig oder zappelig bist, macht sich gerade ein Tief bemerkbar. Wenn du dich fit und motiviert fühlst, gut arbeiten, denken und dich konzentrieren kannst, dann bist du auf einem Hoch. Vielleicht startet deine Hochleistungszeit tatsächlich pünktlich um 10 Uhr. Vielleicht bist du aber auch erst am frühen Nachmittag in Bestform.

Nach einer Woche hast du ein gutes Bild und weißt, wann du so richtig leistungsfähig bist und wann bei dir gar nichts geht. Du wirst feststellen, dass deine Leistungskurve meistens ziemlich gleich verläuft. Dein Biorhythmus gibt also recht verlässlich den Takt vor. Das kannst du prima nutzen – und deine Lerneinheiten auf deinen ganz eigenen Rhythmus abstimmen.

Der perfekte Plan für dich: Energiehochs und -tiefs optimal ausnutzen

Wichtige, schwierige und/oder besonders herausfordernde Dinge legst du dir am besten in dein absolutes Leistungshoch, typischerweise also zwischen 10 und 12 Uhr. Die Stunde, in der du dein absolut schlimmstes Mittagstief hast, solltest du dir möglichst freihalten. Beweg dich ein bisschen, tank Sauerstoff und atme einmal bewusst tief ein und aus. Hör Musik, häng ganz entspannt deinen Gedanken nach oder leg einfach mal die Füße hoch. Wenn du absolut keine Zeit für eine Pause hast, achte darauf, dass du in dieser Zeit zumindest nichts Anspruchsvolles machst.

Kleine Erledigungen, Routinetätigkeiten, Aufgaben, die dir Spaß machen und/oder leicht fallen, aber auch Treffen mit Freunden legst du am besten in Leistungstiefs. Die Faustformel lautet also: Deine leistungsstärksten Zeiten nutzt du am besten ganz bewusst für die besonders harten Nüsse auf deiner To-do-Liste. Den Rest kannst du auch in leistungsschwächeren Phasen erledigen. Vergiss nur nicht, regelmäßig Pause zu machen, um aufzutanken und neuen Schwung zu holen.

Übrigens: Wenn du zu denen gehörst, die über den Tag verteilt tatsächlich zwei Leistungshochs haben, teilst du dir das Lernen am besten in Wissen für das Kurzzeitgedächtnis und Wissen für das Langzeitgedächtnis auf. Wenn du für eine kurzfristige Prüfung oder für einen Test lernen musst, klappt das besser in deinem Leistungshoch am Vormittag. Dann läuft dein Kurzzeitgedächtnis auf Hochtouren. Wenn das Wissen langfristig bleiben soll (wie zum Beispiel die Verkehrsregeln, die du auch nach deiner Führerscheinprüfung noch aus dem Effeff kennen musst), lernst du es am besten in deinem Nachmittagshoch. Die Zeit zwischen 14 und 17 Uhr ist ideal, um dein Langzeitgedächtnis anzukurbeln.

Quintessenz: Hauptsache, du findest deinen Rhythmus

Ganz egal, ob deine Leistungskurve nun typisch verläuft, du eher zu den Lerchen oder doch zu den Nachteulen gehörst: Wichtig ist, dass du ein Gespür dafür bekommst, was für dich ganz persönlich am besten funktioniert. Wenn du partout kein Morgenmensch bist, kannst du die Englischvokabeln lieber abends noch mal wiederholen. Wenn du die absolute Lerche bist, machst du das besser morgens vor der Schule. Beobachte dich, analysiere deine Leistungsfähigkeit und lerne dann, wenn du wirklich motiviert und aufnahmefähig bist. Du wirst sehen: Wenn du deinem Biorhythmus folgst, klappt das Lernen deutlich besser!

  • eingestellt am 10.09.2015
Autor

scook