Texte analysieren und erörtern

So schreibst du eine Analyse bzw. Erörterung

"Textanalyse" und "Erörterung" – da kriegen viele gleich nervöses (Achsel-)Zucken. Dabei ist das Ganze eigentlich ganz harmlos – und höchstens halb so kompliziert, wie du vielleicht denkst. Diese Schritt-für-Schritt-Anleitung zeigt dir, wie es geht: So klappt es mit der Analysen bzw. Erörterung!
 Zwei Mädchen sitzen über Büchern und Heften am Schreibtisch.
Schritt für Schritt zur Analyse bzw. Erörterung.

Analysieren und erörtern: Gar nicht so leicht – oder?

Zugegeben: Ein bisschen Ungewissheit ist schon dabei. Immerhin musst du dich in der Klausur bzw. Prüfung überraschen lassen, zu welchem Text du eine Analyse oder Erörterung schreiben sollst. Mit den richtigen Arbeitsschritten hast du aber zumindest das optimale Werkzeug – und damit ideale Voraussetzungen, auch schwerere Texte zu knacken!

Schritt 1: Lesen.

Sowohl bei der Analyse als auch bei der Erörterung startest du erst mal mit ausführlicher Vorarbeit. Du liest dir den Text ausführlich durch (ruhig auch zweimal ...) und hältst direkt Stift, Lineal und Textmarker bereit. Was dir auffällt und besonders heraussticht, markierst bzw. kommentierst du.

Schritt 2: Kernfragen klären.

Du nimmst den Text genau unter die Lupe und filterst die Kernaussagen heraus. Auch die besonderen sprachlichen Merkmale und Besonderheiten in der Form erfasst du messerscharf.
Die folgenden Fragen hältst du im Hinterkopf und versuchst, Antworten zu finden:

  • Welche zentralen Thesen stellt der Autor auf? Was sind die wichtigen Kernaussagen?
  • Was möchte der Autor mit seinem Text erreichen? Welche Absichten und Ziele hat er?
  • Welche Strategie verfolgt er? Wie baut er seine Argumentation auf?
  • Welche sprachlichen Mittel setzt der Autor ein? Wie wirken diese Mittel und was sollen sie bewirken?
  • Welche Wirkung hat der Text insgesamt – und welche soll er wohl haben?
  • Wo liegen Schwachstellen im Text? Was ist vielleicht widersprüchlich oder unklar?
  •  Zu welchem Urteil kommst du?

Schritt 3: Gliedern.

Du schaust dir an, welche Punkte du aufgreifen möchtest, und machst dir einen Plan. Oft bietet es sich an, dass du dich an der Struktur des Texts orientierst, den du analysieren bzw. erörtern sollst. Achte in jedem Fall auf eine sinnvolle Reihenfolge und bemüh dich, das, was du sagen willst, wirklich klar herauszuarbeiten. Für eine (sehr) gute Note sind nämlich u. a. eine klare Sprache, eine sinnvolle Gedankenführung und eine schlüssige und differenzierte Argumentation entscheidend. Das Urteil, zu dem du am Ende gelangst, sollte außerdem sicher ausfallen und die logische Konsequenz deiner Analyse bzw. Erörterung sein.

Schritt 4: Einleitung Schreiben.

Analyse und Erörterung haben immer eine Einleitung, einen Hauptteil und einen Schluss. In den Einleitungssatz gehören der Autor, die Quelle (sprich: der Text, der dir vorgelegt wurde), die Textart und das Thema. Dann steigst du mit einer kurzen Einführung ein:

  • Welche Problemstellung behandelt der Text?
  • Mit welchen Fragen setzt sich der Autor auseinander?
  • In der Einführung kannst du auch ein passendes aktuelles Ereignis aufgreifen oder einen zentralen Begriff aus dem Text definieren.

Schritt 5: Hauptteil schreiben.

Der Hauptteil fällt je nach Analyse- oder Erörterungsauftrag unterschiedlich aus. Bei der Analyse ...

  • gibst du die wesentlichen Textinhalte in deinen eigenen Worten wieder (Konjunktiv bzw. indirekte Rede nutzen!),
  • analysierst die Ziele, die der Autor erreichen möchte und
  • die (Stil-)Mittel, mit denen er das versucht.

Für eine Erörterung brauchst du zunächst auch eine kurze Textanalyse. Du untersuchst den Text auf ...

  • seinen Argumentationsaufbau,
  • die zentrale Problemstellung
  • die gedankliche Grundstruktur sowie
  • die Thesen und Kernaussagen und die Sprachmittel.

Über die Textanalyse hinaus nimmst du bei der Erörterung aber fundiert und kritisch Stellung. Das heißt, du ...

  • setzt dich kritisch und differenziert mit den Aussagen des Autors auseinander und
  • entwickelst und begründest dein eigenes Urteil.

Stimmst du mit dem Autor überein, untermauerst du seine Thesen. Du kannst ergänzende Argumente anführen, z. B. eigene Erfahrungen oder dein eigenes Wissen. Du kannst mögliche/typische Gegenargumente entkräften, auch wenn sie im Text vielleicht gar nicht stehen. Oder du kannst die Argumentationsführung des Autors mit deinen eigenen Worten "nachzeichnen".

Wenn deine Meinung der des Autors widerspricht, lieferst du in deiner Erörterung einen begründeten Widerspruch, indem du die Argumente des Autors entkräftest. Dazu kannst du z. B. Gegenargumente und konkrete Gegenbeispiele nennen, die „Beweisführung“ des Autors „auseinanderpflücken“ oder die (Allgemein-)Gültigkeit seiner Aussagen eingrenzen. Stimmst du teilweise mit dem Autor überein, mixt du beide Varianten und kommst dann zu deinem Urteil.

Das absolute Sahnehäubchen ist übrigens die sogenannte "weiterführende Problematisierung", bei der du das ergänzt bzw. diskutierst, was der Autor aus deiner Sicht vergessen, übersehen, nicht bedacht oder vielleicht sogar ausgeblendet hat.

Schritt 6: Schluss schreiben.

Zum Schluss folgt deine Wertung. Bei der Analyse beurteilst du abschließend die Argumentation des Autors und bewertest, wie gut und überzeugend der Text geschrieben ist.

Bei der Erörterung beziehst du abschließend Stellung und beurteilst neben Machart und Inhalt vor allem den Standpunkt und die Thesen des Autors.

Du siehst: Alles halb so wild. Solltest du dich jetzt noch fragen, wo noch mal ganz genau die Unterschiede zwischen Analyse und Erörterung liegen, kannst du ganz schnell hier nachsehen

Quellen: In Anlehnung an:

"Einheitliche Prüfungsanforderungen in der Abiturprüfung Deutsch (Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 01.12.1989 i.d.F. vom 24.05.2002)", Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland, kmk.org,

http://www.kmk.org/fileadmin/Dateien/veroeffentlichungen_beschluesse/1989/1989_12_01-EPA-Deutsch.pdf

"Texte, Themen und Strukturen – Deutschbuch für die Oberstufe" von Heinrich Biermann und Bernd Schurf (Hrsg.), Cornelsen, ISBN 3-464-41004-8

  • eingestellt am 24.07.2017
Autor

scook