Zusammen besser lernen

Wissen und Skills durch Tandempartnerschaften

Hilfe in Englisch gegen Hilfe in Französisch oder Präsentations- gegen Computerskills: In Tandempartnerschaften tut ihr euch zusammen und "tauscht" Wissen oder Skills. Was dabei alles möglich ist, was es zu beachten gibt und wie genau es funktioniert wird, erklären wir dir hier.
 Zwei Mädchen sitzen lachend am Tisch und gucken auf einen Block.
Tandempartnerschaften helfen beiden Lernern und machen Spaß.

Möchte Skill, biete Wissen: Gemeinsam Lernen mit Tandempartnerschaften

Die clevere Methode stammt ursprünglich aus dem Sprachenlernen. Zwei Lerner mit unterschiedlichen Muttersprachen bilden ein Team (ein sogenanntes Tandem). Jeder stellt sein Expertenwissen als Muttersprachler zur Verfügung und kann im Gegenzug das Wissen und die Erfahrungen des Tandempartners anzapfen. So profitieren beide.

Das Schöne daran: Das Prinzip funktioniert nicht nur beim Sprachenlernen. Tandempartnerschaften eignen sich auch prima, um neue Skills zu lernen – vom Programmieren bis zum Gitarrespielen!

Was kannst du lernen – und was anbieten?

Generell kannst du dich mit jedem zusammen tun, der Spezialist in etwas ist, das du lernen willst, und umgekehrt etwas lernen möchte, in dem du Experte bist. Welches Fachwissen bzw. welche Skills ihr als Experten für eure Bereiche „tauscht“ liegt dann ganz bei euch.

Neben Lernpartnerschaften rund um Sprachen oder Schulfächer wie Mathe oder Chemie könnt ihr beispielsweise auch Skills-Tandems in folgenden Bereichen bilden:

  • Musikinstrumente (Gitarre, Keyboard, Akkordeon, …)
  • Programmieren
  • Computerprogramme (Excel, Word, PowerPoint, aber auch Photoshop oder Lightroom)
  • Kunsttechniken (Zeichnen, Drucktechnik, Kalligrafie) oder auch Fotografie
  • Handarbeit, Nähen, Kochen
  • Entspannungstechniken (Yoga, Meditation etc.)
  • Sport, Tanzen, Fitness oder Geschicklichkeit
  • Theater
  • Kreatives Schreiben
  • Business (Präsentation, Bewerbung etc.)

Was du lernen und was du im Gegenzug einbringen kannst, ist also keineswegs nur auf Schulthemen beschränkt. Ihr könnt "tauschen", was immer ihr wollt: Englisch gegen Spanisch oder Spanisch gegen Gitarre oder Yoga gegen Excel. Ihr habt es in der Hand!

Wie funktionieren Tandempartnerschaften – und wie nicht?

Ganz wichtig: Ein Lerntandem ist kein Nachhilfeersatz. Dein Tandempartner ist auch kein Referent oder Lehrer, der Lerneinheiten für dich plant und gestaltet und dir Dinge beibringt. Eine Tandempartnerschaft ist vielmehr eine Art Lernpakt: Ihr schließt euch zusammen und teilt das Selber-Lernen und Beim-Lernen-Helfen gerecht fifty-fifty auf. Ihr verpflichtet euch, euch regelmäßig zu treffen und an euren Lernzielen zu arbeiten – und jeder ist selbst für das verantwortlich, was er lernen möchte.

Ihr könnt beispielsweise ausmachen, euch zweimal die Woche für eine Stunde zu treffen. In der einen Stunde hilft dein Tandempartner dir beim Lernen; in der anderen Stunde ist er der Lerner und du unterstützt ihn dabei. Aber Achtung: Was und wie genau gelernt wird bestimmt nicht der Experte, sondern der, der lernen möchte. Er ist aktiv, legt selbst fest, welches Lernziel er in „seiner“ Stunde erreichen will und welche Methode ihn dort am besten hinbringt; und er bereitet entsprechend vor, was er zum Lernen braucht.

Wenn du also Gitarrespielen lernen möchtest, bringst du nicht einfach nur eine Gitarre mit und erwartest von deinem Tandempartner, dass er dir das schon beibringt. Du überlegst dir, was in welcher Stunde auf dem Plan stehen soll und wie genau du es angehen willst. Dein Partner hilft, wo es nötig ist, korrigiert dich gegebenenfalls und unterstützt dich mit seinem Wissen und Können. Für das Was und Wie bist aber du verantwortlich.

Was solltet ihr im Vorfeld klären?

Am besten macht ihr vorab aus, wie lang eure Lernpartnerschaft dauern soll und wie oft und wie lang ihr euch treffen wollt. Auch darüber, wie genau ihr euch unterstützen wollt, sprecht ihr besser schon im Vorfeld. Soll der Experte jederzeit eingreifen oder soll er dich lieber erst mal machen lassen und du bittest ihn um Hilfe, wenn du sie brauchst? Soll er Fehler sofort korrigieren oder dir am Ende ein Feedback geben? Wie möchte er das bei sich handhaben? Je genauer ihr euch absprecht, desto besser funktioniert es.   

Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und ein geduldiger und netter Umgang miteinander sind natürlich Ehrensache. Idealerweise suchst du dir deinen Tandempartner übrigens nicht nur nach seinem Wissen beziehungsweise seinen Skills aus – sondern auch nach Kompatibilität. Dein unfassbar ungeduldiger Bruder oder der Computercrack aus der Parallelklasse, der dir eigentlich immer extrem unsympathisch war, sind vermutlich keine gute Wahl. Ihr solltet schon einen gewissen Draht zueinander haben und eine echte Chance sehen, dass ihr gut zusammen arbeiten könnt.

Zusammengefasst: 10 goldene Regeln für ein funktionierendes Lerntandem

  1. Jeder weiß bzw. kann etwas, das der andere lernen will – und die Chemie stimmt.
  2. Ihr sprecht euch im Vorfeld ab, wann und wie lange ihr zusammen lernen wollt.
  3. Ihr trefft euch pünktlich und regelmäßig.
  4. Ihr teilt Lernen und Beim-Lernen-Helfen genau fifty-fifty auf.
  5. Jeder ist für sein Lernen selbst verantwortlich.
  6. Der Experte ist kein (Nachhilfe-)Lehrer.
  7. Der Lerner bestimmt Lernziele und Methoden und bereitet alles vor.
  8. Der Lerner bittet um Hilfe, wenn er sie braucht.
  9. Der Experte unterstützt und korrigiert.
  10. Ihr geht geduldig und nett miteinander um.

Ganz gleich, ob du dich in einem bestimmten Schulfach verbessern, dich auf das Arbeitsleben vorbereiten oder einfach neue spannende (Alltags-)Skills lernen willst: Tandempartnerschaften machen Spaß und bringen beide Lerner weiter. Probiert es einfach mal aus!

Quellen:

"Über Tandempartner: Über Sprachaustausch in einer Tandempartnerschaft", Erste Nachhilfe, www.erstenachhilfe.de/ueber-tandempartner

www.eoto.net