Was bringen Tablets im Unterricht?

Ein Bundesland will es jetzt wissen

Erst knapp 160 der insgesamt gut 34.000 allgemeinbildenden Schulen in Deutschland nutzen regelmäßig Tablet-PCs im Unterricht. Das hat das Blog "Tablet in der Schule" im vergangenen Jahr ermittelt. Und das, obwohl Tablets und Smartphones zu den angesagten Geräten in Schülerhand gehören.
Wie lernt man am besten mit Tablets? Das sollen Experten prüfen. (Bild: Fotolia/pressmaster)

Initiativen und Projekte mit Tablet-Computern im Unterricht gibt es bereits seit Jahren. Zu den bekanntesten zählt das iPad-Projekt an der Kaiserin Augusta Schule in Köln. Für Aufmerksamkeit sorgte auch eine Hamburger Privatschule, in der die gesamte Oberschule seit einem Jahr mit Tablet-PCs lernt. Und grenzübergreifend untersucht das Interreg-Forschungsprojekt School-IT Rhein-Waal den Einsatz privater Geräte – also Smartphones und Tablet-PCs an vier Schulen in den Niederlanden und in Deutschland.  Das Projekt wird von der Universität Duisburg-Essen wissenschaftlich begleitet.

Mehrheitlich Einzelprojekte

Auch starten an einzelnen Schulen immer wieder Tablet-Projekte. Vor Kurzem erst hat das Neue Gymnasium Rüsselsheim Tablets in seiner neuen Oberstufe eingeführt. Insgesamt gesehen bleibt es bei vereinzelten Projekten. Immerhin: In Niedersachsen gibt es 17 Tablet-Computer-Projekt-Schulen. Eine von ihnen, die Waldschule Hatten, stellt eine Liste mit 'Tablet-Schulen' und Unterrichtsbeispielen zur Verfügung.

Und jetzt will auch ein Bundesland prüfen, ob und wie Tablets sinnvoll im Unterricht eingesetzt werden können. Im Juli hat Sachsens Kultusministerin Brunhild Kurth dazu ein Gremium aus internationalen Wissenschaftlern berufen. Die Experten sollen das Kultusministerium bei der Einführung von Tablets und modernen Unterrichtsmethoden beraten. Das Gremium wird von Prof. Dr. Christoph Igel, Direktor und des An-Instituts für Weiterbildung (TUCed) an der TU Chemnitz und Direktor des Center for Learning Technology (CeLTech) im Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) geleitet.

Experten sollen Antworten finden

Wie sollen Tablets im Unterricht eingesetzt werden? Welche Unterrichtsmethoden bieten sich an? Welche technische Unterstützung ist notwendig? Wie sieht es mit Finanzierungsmodellen aus? Und schließlich: Welche datenschutz- und urheberrechtlichen Bestimmungen gilt es zu berücksichtigen?

Antworten auf diese und weitere Fragen wollen die Experten finden. Dabei haben sie sich einen engen Zeitplan gesetzt: Bis zum Frühjahr 2015 sollen die wissenschaftlichen Empfehlungen auf dem Tisch liegen. Eine derartige Expertise gibt es bislang noch nicht in Deutschland, sie wäre damit einzigartig und möglicherweise sogar wegweisend - auch für andere Bundesländer.

Eine solche Expertise könnte in der Tat länderübergreifend sehr nützlich sein, denn gerade erst hat die internationale Vergleichsstudie ICILS (auch Computer-PISA genannt)  belegt, dass sich deutsche Achtklässler nur im mittleren Bereich der Rangreihe der Länder befinden. Nur wenige Schüler erreichten hierzulande die höchste Kompetenzstufe und etwa 30 Prozent der Achtklässlerinnen und Achtklässler in Deutschland landeten auf den untersten beiden Kompetenzstufen I und II. Die Autoren der Studie fordern deswegen unter anderem die verbindliche Verankerung dieser Kompetenzen in die Curricula und Lehrpläne aller Schulformen der Sekundarstufe I, die Entwicklung von Bildungsstandards und Konzepten für die Primarstufe.

  • eingestellt am 26.11.2014
Autor

scook