Kooperationsverbot, Schulsozialarbeit, Thüringer Bildungsplan

Bildung kompakt: Dezember 2015

Advent, Weihnachten, Ferien: Der Dezember ist eher ein ungeeigneter Monat für bildungspolitische Ereignisse – da steht einfach anderes auf dem Terminplan. Dennoch: So ganz ohne Bildungspolitik ist auch der letzte Monat des vergangenen Jahres nicht vorübergegangen.
Die technische Ausstattung an Schulen wird von den Lehrern nicht gut bewertet.

Ein Dauerthema, das in Vergangenheit immer wieder zu heftigen Diskussionen geführt hat, kochte wieder hoch: das Kooperationsverbot. Auf ihrem Bundesparteitag im Dezember forderte die SPD in ihren "Bausteinen für eine Nationale Bildungsallianz", dass das Kooperationsverbot im Grundgesetz aufgehoben werden müsse. "Wir können uns es nicht mehr leisten, dass der Bund nur bei Naturkatastrophen oder Finanzkrisen in Schulen investieren darf", heißt es in dem Beschluss, der umgehend von Bundesbildungsministerin Johanna Wanka als "nicht zielführend" kommentiert wurde. Unterstützung erhielt der Antrag hingegen aus dem liberalen Lager. Denn FDP-Chef Christian Lindner rief ebenfalls dazu auf, das Kooperationsverbot im Bildungsbereich wieder abzuschaffen.

Auch eine Bildungsstudie wurde zum Jahresende noch vorgestellt. Die Untersuchung "Weiterbildungsfinanzierung in Deutschland" der Bertelsmann Stiftung belegte, dass die öffentlichen Ausgaben für Weiterbildung zwischen 1995 und 2012 um 41 Prozent auf 6,1 Milliarden Euro gesunken sind, während die staatlichen Investitionen in allen anderen Bildungsbereichen im gleichen Zeitraum um durchschnittlich 59 Prozent gestiegen waren.

Schließlich wurde auf dem Bundeskongress Schulsozialarbeit Anfang Dezember die "Dortmunder Erklärung" verabschiedet. Darin wurde unter anderem gefordert, die Schulsozialarbeit systematisch auszubauen und an allen Schulen professionell zu etablieren. Dieses Angebot müsse bundesweit verbindlich geregelt, qualitativ abgesichert und dauerhaft etabliert werden. Denn in den vergangenen Jahren habe die Schule eine Menge neuer Aufgaben übernommen: Ganztagsangebote, Projekte, individuelle Förderung Benachteiligter und soziale Integration. Dazu komme jetzt noch die sozialpädagogische Unterstützung der nach Deutschland geflüchteten Kinder und Jugendlichen. Dies alles sei ohne Schulsozialarbeit nicht zu machen. Der Kooperationsverbund Schulsozialarbeit und die Landesarbeitsgemeinschaften schätzen, dass es bundesweit derzeit rund 10.000 Stellen für sozialpädagogische Fachkräfte an Schulen gibt. Bei 10,9 Millionen Schülerinnen und Schülern betreut rechnerisch ein Schulsozialarbeiter 1.089 Kinder und Jugendliche.

IT-Ausstattung mit Schulnote 4 bewertet

Und schließlich durften deutsche Lehrer einmal mehr Noten vergeben. Diesmal für die PC-Ausstattung an ihren Schulen. Wie es darum bestellt ist, wollten Bitkom (der Digitalverband Deutschlands) der VBE (Verband Bildung und Erziehung) und die LEARNTEC (Internationale Fachmesse und Kongress für Lernen mit IT) von bundesweit 505 Lehrern der Sekundarstufe I wissen. Unter dem Strich erhalten die Schulen in Deutschland demnach für ihre IT-Ausstattung mit dem Notendurchschnitt 3,6 die Schulnote "ausreichend". Mit der Ausstattung an digitalen Endgeräten besonders unzufrieden waren der Umfrage zufolge jüngere Lehrer bis 32 Jahre: Sie benoteten die Verfügbarkeit der Geräte in Relation zur Schülerzahl nur mit der Durchschnittsnote 3,9. Satte 44 Prozent vergaben sogar die Zensuren "mangelhaft" oder "ungenügend". Dabei schnitten die Realschulen noch am besten ab, sie bekamen von den Lehrern eine 3,3. An Hauptschulen wurde die Durchschnittsnote 3,6 vergeben, an Gymnasien eine 3,7. Integrierte Gesamtschulen landeten mit 3,8 auf dem letzten Platz.

Da klang diese Entwicklung aus Baden-Württemberg fast schon wie eine direkte Antwort. Kultusminister Stoch will hier nämlich Informatik verbindlich im Unterricht verankern. Das im Dezember vorgestellte Konzept sieht den verbindlichen "Aufbaukurs Informatik" in Klassenstufe 7 für Schülerinnen und Schüler aller allgemeinbildenden Schularten vor. Er soll mit einer Stunde pro Woche unterrichtet werden. Die Einführung ist für das Schuljahr 2017/2018 - parallel zur Einführung der neuen Bildungspläne - vorgesehen. Als Vertiefungsmöglichkeit in den Klassenstufen 8 bis 10 soll dann außerdem in den Gymnasien und Gemeinschaftsschulen ein neues Profilfach mit der Bezeichnung "Informatik, Mathematik, Physik" (IMP) eingeführt werden.

Und dann konnte sich noch Thüringen als erstes Land feiern lassen, das mit seinem Bildungsplan bis 18 Jahre ein durchgängiges Bildungskonzept bis zum Erreichen der Volljährigkeit vorgelegt hat.

  • eingestellt am 04.05.2016
Autor

scook