Wie der Schulstart nach den Sommerferien für alle gelingen kann

"Eine lange Vorfreude auf den Wiederbeginn“

In manchen Bundesländern ist das Ende der Sommerferien bereits absehbar. In anderen Regionen haben die Ferien noch gar nicht begonnen. Eines aber gilt für Schüler und Lehrer in allen Bundesländern: Das neue Schuljahr kommt bestimmt. Wie gelingt den Akteuren der Einstieg nach sechs Wochen Sommerpause? Das wollten wir von der Lehrerin und Autorin Heidemarie Brosche wissen.
 Eine kleine Kreidetafel steht auf einem Schreibtisch.
So gelingt der Einstieg nach sechs Wochen Sommerpause.

Interview mit Heidemarie Brosche

Frau Brosche, in Ihrem Bundesland haben die Ferien noch nicht begonnen, aber gewiss schauen Sie auch jetzt schon auf das neue Schuljahr. Wie werden sie dann starten?

Heidemarie Brosche: Für Schüler mag es sich oft so darstellen wie ein Gegeneinander: Die Lehrer fangen wahnsinnig gern wieder an, zu unterrichten und die Schüler sind die armen Opfer. Ich lasse meine Schüler gern aufschreiben, worin sich Schulzeit und Ferienzeit unterscheiden: "Welchen Unterschied findest du am schlimmsten?“ Die Antworten sind immer gleich: nicht mehr aufbleiben können so lange man will und nicht mehr ausschlafen können. Und das gilt ja für mich genau so! Wir sind uns also einig und das schafft in diesem Moment so etwas wie Solidarität.

Und wie gelingt es, diese Stimmung zu halten?

Heidemarie Brosche: Wichtig sind Ermutigung und Motivation schon am Start. Dabei versuche ich, auch die Ferien zu thematisieren – im Stuhlkreis, bzw. in einer Gesprächsrunde. Wenn man aber die Schüler auffordert: Erzählt mal, was ihr in den Ferien gemacht habt, dann zeigt sich, dass der eine ein proppenvolles Ferienprogramm hatte und der andere sechs Wochen sich selbst überlassen war. Das ist kein guter Einstieg. Deswegen kann jeder berichten, was besonders schön oder besonders unangenehm war während der Ferienzeit. Das sind Erlebnisse, die jeder haben kann, ob am Strand oder zu Hause. Als Junglehrerin habe ich gedacht, man müsse sofort hart sein und habe gleich am ersten Tag ein Diktat schreiben lassen - erfahrene Kollegen hatten mir diese Heardlinermethode nahegelegt. Die Schüler waren entsetzt und ich habe sehr schnell gemerkt, dass das die falsche Methode ist. Dazu genügt, sich vorzustellen, wie es einem selbst oder wie es den eigenen Kindern dabei ginge. Diesen Perspektivenwechsel praktiziere ich ganz bewusst immer wieder im Schulalltag – übrigens nicht nur nach den Ferien.

Das heißt kein Diktat, sondern…?

Heidemarie Brosche: Es kommt darauf an, ob ich die Schüler bereits kenne. Ich habe des öfteren nach den großen Ferien etwas für jeden Einzelnen mitgebracht. Einmal habe ich ein Kärtchen gestaltet und in Klassenstärke ausgedruckt. Abgebildet war ein kleines Tier, das langsam nach oben kriecht und dazu hatte ich den Satz gewählt: 'Auch wenn‘s schwer ist, langsam aber sicher kommt man ans Ziel!‘ Ein anderes Mal waren es Muscheln, in die ich für jeden etwas Persönliches geschrieben habe. Das ist auch für mich motivierend, denn ich freue mich schon während der Ferien darauf, dass ich meinen Schülern etwas mitbringen werde. Gelegentlich bin ich zwar enttäuscht, wie sie reagieren, aber wenn ich merke, dass es für manche doch etwas Wertvolles ist, dann ist es für mich wunderbar!

Und wie bereiten Sie sich konkret auf das neue Schuljahr vor?

Heidemarie Brosche: Es ist beruhigend, wenn man sich vorher einigermaßen darauf einstellt, was auf einen zukommen wird. Mir tut es gut, wenn ich weiß, welche Klassenstufen ich im nächsten Jahr in welchen Fächern unterrichten werde. Wenn ich dann in den Ferien etwas vorbereite, von dem ich glaube, es müsste den Schülern Spaß machen, ist es für mich wie Doping. Ich bin so ein Vorfreudetyp. Wenn ich relativ bald schon etwas vorbereitet habe, dann gibt mir das eine lange Vorfreude auf den Wiederbeginn. Der Abstand ist dann noch groß. Aber wenn ich erst gegen Ende der Ferien mit den Vorbereitungen beginne, dann ist schon so etwas wie Druck zu spüren.

Diesen Druck verspüren möglicherweise Junglehrer besonders. Was raten Sie dem Lehrernachwuchs?

Heidemarie Brosche: Mit ein paar Vorbereitungen sind die ersten Tage gut gefüllt. Gerade junge Lehrer, die noch unsicher sind, können sich mit erfahrenen Kollegen besprechen. Man muss nicht das Rad neu erfinden. Vernetzung und Austausch heißt die Zauberformel. Und wenn man an der eigenen Schule dazu keine Gelegenheit hat, kann man sich mit Kollegen aus anderen Schulen zusammentun. Oder über Lehrerforen im Internet nach Anregungen suchen. Aber Vorsicht! Nicht immer klappt es, die Vorschläge anderer eins zu eins zu übernehmen. Sie müssen auch zu mir – und meinen Schülern - passen. Und schließlich: Mit Gruppenspielen man kann viel für die Klassengemeinschaft tun - da braucht man noch nicht einmal im Voraus zu wissen, welches Fach man in dieser Klasse unterrichten wird.

Dennoch: Nur mit Spielen wird die Schule ihrem Auftrag nicht gerecht. Wie gelingt der endgültige Schritt in den Schulalltag?

Heidemarie Brosche: Ich versuche, mit einem Thema zu beginnen, von dem ich glaube, dass es die Schüler interessiert und motiviert. Natürlich ist es immer eine Gratwanderung: Es geht nun mal um Schule und es muss etwas gelernt werden. Aber das gelingt nach einem schülernahen Einstieg meist um so besser.

  • eingestellt am 16.08.2016
Autor

scook