Gefordert: Mehr Schwimmunterricht, mehr Vergleichbarkeit beim Abitur und G9 in Bayern

Bildung kompakt: Juli

Millionen Kinder und Jugendliche weltweit gehen nicht zur Schule, in Deutschland bleibt die Zahl der Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss unverändert und andere Länder geben für die ersten vier Grundschuljahre erheblich mehr aus als Deutschland – das sind die Ergebnisse aktueller Studien.
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Die Meldungen

Ziel in weiter Ferne

263 Millionen Kinder und Jugendliche weltweit gehen nicht zur Schule. Das entspricht in etwa einem Viertel der Bevölkerung Europas. So die Ergebnisse der aktuellen UNESCO-Studie Leaving no one behind: How far on the way to universal primary and secondary education? Demnach haben 61 Millionen Kinder im Grundschulalter (6-11 Jahre), 60 Millionen im unteren Sekundarschulalter (12-14 Jahre) und 142 Millionen im oberen Sekundarschulalter (15-17 Jahre) keinen Zugang zur Schule. Damit ist das Ziel, das sich die Weltgemeinschaft 2015 gesetzt hatte, bis 2030 eine inklusive, chancengerechte und hochwertige Bildung für alle sicherzustellen, noch in weiter Ferne.

Zu viele Jugendliche ohne Abschluss

Bis Ende 2015 sollte in Deutschland die Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss halbiert werden. So das Ziel, das sich die Bundesregierung auf dem Dresdner Bildungsgipfel im Jahr 2008 gesetzt hatte. Aktuelle Zahlen, die auf den Daten von 2014 beruhen, zeigen: Das ist wohl nicht zu schaffen. Laut einer Untersuchung der Caritas lag die Quote der Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss bei 5,7 Prozent und damit auf dem Niveau der Jahre 2013 und 2012 mit jeweils 5,6 Prozent. Das heißt, rund 47.000 Jugendliche haben die Schule verlassen, ohne zumindest einen Hauptschulabschluss zu besitzen. Dabei waren die Zahlen in den einzelnen Bundesländern höchst unterschiedlich: Sie liegen zwischen 4,4 Prozent in Bayern und 9,2 Prozent in Sachsen-Anhalt. Auch ist die Quote in einigen Ländern gestiegen: in Berlin von 7,7 auf 8,7 Prozent, in Schleswig-Holstein von 7 auf 7,6 Prozent, in NRW von 5,5 auf 6 Prozent, in Baden-Württemberg von 4,7 auf 5,1 Prozent und in Hamburg von 4,4 auf 4,9 Prozent. Gesunken sind hingegen die Quoten in Mecklenburg-Vorpommern von 9,6 auf 7,9 Prozent und in Sachsen von 8,8 auf 7,8 Prozent. Auf Kreisebene schwanken die Quoten mitunter gravierend, nämlich von 1,2 Prozent in Ansbach bis 14 Prozent in Mansfeld-Südharz.

Zu wenig Geld für die Grundschulen

Die gute Nachricht: In Deutschland hat die Grundschule bei der Finanzierung und Ausstattung ihren Rückstand gegenüber der Sekundarstufe I und II etwas aufgeholt. Zudem sind die Klassen (zumindest bis zum Jahr 2014) kleiner geworden. Die schlechte Nachricht: Andere Vergleichsländer wie die USA, Großbritannien, Schweden, die Schweiz und Österreich geben mit mehr als jährlich 6.700 Euro für die ersten vier Grundschuljahre erheblich mehr aus als Deutschland mit etwa 6.100 Euro pro Jahr und Schüler/in (unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Kaufkraft der Währungen). Gravierend sind dabei die Unterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern. Im Jahr 2013 gab Hamburg 8700 Euro aus, während Nordrhein-Westfalen nur 4800 Euro investierte. So die Ergebnisse des Gutachtens "Finanzierung und Ausstattung der deutschen Grundschulen" das Prof. Dr. Klaus Klemm jetzt im Auftrag des Grundschulverbands erstellt hat.

Aus den Bundesländern

Mecklenburg-Vorpommern: Unterrichtshilfenportal für Lehrkräfte

Das Bildungsministerium Mecklenburg-Vorpommerns stellt Lehrerinnen und Lehrern seit Juli ein Unterrichtshilfenportal mit 3.700 digitalen Arbeitsblättern und interaktiven Medien für die Unterrichtsgestaltung zur Verfügung. In der Startphase stehen zunächst Materialien für die Kernfächer Deutsch, Mathematik und Englisch für die Jahrgangsstufen 1 bis 10 zur Auswahl. Schritt für Schritt sollen digitale Arbeitsblätter und interaktive Medien für weitere Fächer und die anderen Jahrgangsstufen hinzukommen.

Hamburg und Schleswig-Holstein: Schulbesuch jenseits der Landesgrenzen

Ab dem Schuljahr 2017/18 können Schülerinnen und Schüler aus Hamburg und Schleswig-Holstein erstmals ohne Einschränkungen alle weiterführenden Schulen des jeweils anderen Bundeslandes besuchen. Das Abkommen gilt ab 2017 auf unbestimmte Zeit und kann frühestens zum Jahresende 2019 gekündigt werden. Demnach können Schülerinnen und Schüler beider Bundesländer künftig nach der vierten und nach der zehnten Klasse frei wählen, in welchem Bundesland sie eine weiterführende Schule besuchen wollen. Eine sogenannte Landeskinderklausel garantiert bei sehr stark angewählten Schulen den Vorrang der jeweiligen Landeskinder.

Hessen: Informationspaket zum Schulbesuch

Das Hessische Kultusministerium hat jetzt ein Informationspaket für geflüchtete Schülerinnen und Schüler sowie ehrenamtliche Helfer veröffentlicht. Kernbestandteile des Informationspakets sind der Erklärfilm "Das hessische Schulsystem" und der Leitfaden "Ehrenamtliches Engagement an Schulen – Geflüchtete Kinder und Jugendliche unterstützen, fördern und integrieren". Im Erklärfilm  wird die Schullaufbahn zweier Kinder begleitet. Dabei wird in vier Minuten erläutert, welche Stationen auf diesem Weg verpflichtend sind und welche Entwicklungsmöglichkeiten und Berufsbilder mit den verschiedenen Schulabschlüssen geboten werden. Der gemeinsam mit ZDF Digital umgesetzte Film steht neben einer deutschen Version auch mit Untertiteln in englischer, französischer und arabischer Sprache zur Verfügung.

Bayern: G9?

Und in Bayern geht der Streit um G8/G9 in die nächste Runde. Der Bayerische Philologenverband (bpv) und der Arbeitskreis Gymnasium und Wirtschaft (AGW) fordern eine politische Entscheidung für ein neues neunjähriges Gymnasium. Es sei jetzt an der Zeit, ein neues, geschlossenes G 9 für Bayern zu entwickeln und nicht die Fehler anderer Bundesländer zu wiederholen, erklärten sie.

Bundesweit: Mehr Vergleichbarkeit beim Abitur?

In der jüngsten Sitzung der Kultusministerkonferenz haben sich die Länder darauf verständigt, die Vereinbarung zur Gestaltung der gymnasialen Oberstufe zu überarbeiten, die Spielräume enger zu fassen und sich dadurch weiter anzunähern. Die neuen Regelungen sollen deutschlandweit für Schülerinnen und Schüler gelten, die im Jahr 2018 in die Einführungsphase der gymnasialen Oberstufe (Klasse 10) eintreten. Als Nächstes müssen sich die Länder nun auf einheitliche Bewertungsmaßstäbe einigen.

Warnung: Zu wenige Kinder können schwimmen

Sommerzeit, Ferienzeit – das ist auch Schwimmzeit. Doch Jedes dritte Kind im Grundschulalter kann nicht sicher schwimmen. Und das birgt große Gefahren. Darauf hat jetzt die GEW Baden-Württemberg noch einmal hingewiesen. Es dürfe nicht sein, dass ein Kind während seiner gesamten Schullaufbahn nicht einmal Schwimmunterricht bekomme. Ähnlich wie beim Bildungserfolg ist in Deutschland auch die Schwimmfähigkeit von der sozialen Herkunft der Eltern abhängig. Während sich die große Mehrheit der Abiturienten als durchschnittliche bis gute Schwimmer bezeichnet, kann nur gut die Hälfte der Jugendlichen mit Hauptschulabschluss schwimmen.

  • eingestellt am 02.08.2016
Autor

scook