Mehr Schüler, mehr Schwimmunterricht, weniger Belastung mit VERA

Bildung kompakt: November

In diesem Monat ging es einmal mehr um das digitale Lernen an den Schulen. Gleich zwei Studien befassten sich mit diesem Thema. Außerdem gab es Antworten auf die Frage, welcher Gewalt Lehrkräfte ausgesetzt sind und schließlich belegte ein Gutachten, dass die Bundesländer bei der Genehmigung von Privatschulen das Grundgesetz missachten.
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Die Meldungen

Was Lehrer zur digitalen Bildung sagen

Zum zweiten Mal wollte die Telekom Stiftung in diesem Jahr von den Lehrern wissen, wie es um die digitale Bildung an ihren Schulen bestellt ist. Das Ergebnis: Lehrkräfte in Bremen, Hamburg, Hessen, Rheinland-Pfalz und Thüringen bewerten das Lernen mit digitalen Medien in ihren Schulen am besten. So nutzen 66 Prozent der Lehrer in Baden-Württemberg mindestens einmal pro Woche digitale Medien im Unterricht. In Bayern sind es 64 Prozent und in Berlin und Thüringen je 57 Prozent. Deutschlandweit können gut die Hälfte der Lehrkräfte auf ein schulinternes Medienkonzept zurückgreifen. Besonders häufig existiert es in Brandenburg, Bremen, Nordrhein-Westfalen und Thüringen. Erarbeitet wurde die Studie "Schule digital – der Länderindikator 2016" von Wissenschaftlern der Technischen Universität Dortmund unter der Leitung von Professor Wilfried Bos.

Zu wenig Ahnung von IT

In ihrer Sonderstudie "Schule digital" hat die Initiative D21 rund 1400 Lehrer und 1100 Schüler gefragt, wie es um die Ausstattung und den Einsatz von PC & Co. an ihren Schulen steht. Demnach sagten acht von zehn Lehrern, dass sie einen PC im Unterricht nutzen könnten, sechs von zehn verfügen über ein interaktives Whiteboard und gut jeder zweite über ein Notebook. Allerdings wussten nur sieben von zehn Schüler von einem Computer, der im Unterricht benutzt werden kann. Drei von zehn erwähnten ein Whiteboard und zwei von zehn ein Notebook. Nur gut 40 Prozent der Lehrer sind mit der technischen Ausstattung ihrer Schule unzufrieden, außerdem gaben 60 Prozent von ihnen an, sich zu wenig mit IT auszukennen, um sie im Unterricht einzusetzen. Und auch bei der Wartung der Geräte hapert es. Oft müssen sich die Lehrer selbst darum kümmern, beziehungsweise ein bestimmter Kollege ist dafür zuständig. Nur ein gutes Drittel berichtete von einer externen IT-Fachkraft, die das Kollegium unterstütze.

Gewalt gegen Lehrer

Viele Lehrer werden bedroht, beschimpft und mitunter körperlich angegriffen. So lautet das Ergebnis der repräsentativen forsa-Umfrage "Gewalt gegen Lehrkräfte", die der Verband Bildung und Erziehung in Auftrag gegeben hatte. Demnach sagten 55 Prozent der befragten Lehrkräfte, dass es an ihrer Schule in den letzten fünf Jahren Fälle gab, in denen Lehrkräfte direkt beschimpft, bedroht, beleidigt, gemobbt oder belästigt wurden. Auch von psychischer Gewalt war ein Viertel der Befragten betroffen. Dass Lehrkräfte körperlich in den letzten fünf Jahren angegriffen wurden, wussten 21 Prozent bundesweit zu berichten. Selbst Erfahrungen mit körperlicher Misshandlung haben sechs Prozent der befragten Lehrkräfte gemacht. Und schließlich sehen 77 Prozent der Befragten eine Zunahme von Cybermobbing. Beinahe jede dritte befragte Lehrkraft gab an, dass es solche Fälle an der eigenen Schule gab.

Privatschulen: Beide Augen zudrücken?

Bei der Genehmigung von Privatschulen missachten die Bundesländer das Grundgesetz. So lautet das Ergebnis einer Studie von Michael Wrase und Marcel Helbig vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB). Obwohl es in Deutschland für die Errichtung von Privatschulen klare Einschränkungen gebe - etwa dass sie "eine Sonderung der Schüler nach den Besitzverhältnissen der Eltern" nicht fördern dürfen - würden die meisten Länder keine Höchstgrenze für das Schulgeld nennen. Und kein Bundesland würde die tatsächliche Aufnahmepraxis der Privatschulen überprüfen. Zwischen 1997 und 2007 sei der Privatschulbesuch von Kindern, von denen mindestens ein Elternteil Abitur hat, um 77 Prozent angestiegen, bei Kindern mit Eltern, die die mittlere Reife besitzen, hingegen nur um 1,9 Prozent. Kinder von Eltern in den sozial höchsten Berufsgruppen seien zu 14,3 Prozent auf Privatschulen. Kinder von Industriearbeitern, Taxifahrern oder Reinigungskräften hingegen nur zu 3,5 Prozent.

MINT-Lehrer des Jahres

Der Bochumer Lehrer Florian Schaller ist der MINT-Lehrer des Jahres 2016. Der Oberstudienrat mit den Fächern Chemie und Biologie wurde jetzt dafür mit dem Klaus-von-Klitzing-Preis ausgezeichnet. Bereits seit zwölf Jahren wird damit das besonderes Engagement von Lehrern der sogenannten MINT-Fächer - Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik – anerkannt. Der Namensgeber - der Klaus von Klitzing - bekam 1985 den Nobelpreis für Physik. Der mit 15.000 Euro dotierte Preis wird von der Universität Oldenburg und der EWE Stiftung verliehen.

Bundesweit mehr Schulanfänger

Zum Schuljahr 2016/2017 wurden in Deutschland 719 000 Kinder eingeschult. Das waren zwei Prozent mehr als im Vorjahr. Damit ist die Zahl der Einschulungen im Vergleich zum Vorjahr in nahezu allen Bundesländern gestiegen. Die größten Anstiege gab es mit 8 Prozent im Saarland und mit 5,4 Prozent in Brandenburg. Eine Ursache für den Gesamtanstieg der Einschulungszahlen sieht das Statistische Bundesamt unter anderem in der verstärkten Zuwanderung im Jahr 2015.

Aus den Bundesländern

Hamburg: Erfolgreicher Schwimmunterricht

Seit 2014 hat Hamburg den Umfang des Schwimmunterrichts während der Grundschulzeit verdoppelt. Bis dahin hatten die Schülerinnen und Schüler ein halbes Jahr Schwimmunterricht, seit 2014 ist es ein ganzes Schuljahr. Jetzt zeigen sich erste Erfolge: So haben deutlich mehr Grundschulkinder als früher erstmals schwimmen gelernt. Ihre Zahl stieg vom Schuljahr 2012/13 bis zum Schuljahr 2015/16 um rund 53 Prozent. Allerdings stieg auch im gleichen Zeitraum die Zahl der Grundschüler, die zu Beginn des Unterrichts nicht schwimmen konnten, von 4.947 um 1.007 auf 5.954 Grundschüler. Schließlich erreichten insgesamt 87 Prozent aller Grundschüler des letzten Jahrgangs das Schwimmabzeichen Seepferdchen und 66 Prozent von ihnen das Schwimmabzeichen Bronze oder besser.

Niedersachsen: Feedback statt Inspektion

In Sachen Schulinspektion und Vergleichsarbeiten soll es zukünftig in Niedersachsen deutliche Veränderungen und Erleichterungen geben. An die Stelle des heutigen Schulinspektionsverfahrens soll ab 2017 ein "Schul-Feedback" treten, bei dem unter anderem die Beobachtungsschwerpunkte von der Schule selbst ausgewählt werden. Und bei den Vergleichsarbeiten sollen Schulen mehr Flexibilität bei der terminlichen und inhaltlichen Ausgestaltung haben. Außerdem soll der Korrekturaufwand für Lehrkräfte reduziert werden - unter anderem durch die Umstellung auf einen computerbasierten Test. Die Pilotphase für das "Schul-Feedback" könnte schon zum Frühjahr 2017 starten, erklärte jetzt Kultusministerin Heiligenstadt. Und die Umstellung für VERA 8 auf eine Online-Testung soll im kommenden Jahr durch eine Pilotstudie mit 60 ausgewählten Schulen vorbereitet werden.

  • eingestellt am 29.11.2016
Autor

scook