Internet, Smartphone, Tablet und Co.

Themenspezial "Internet- und Smartphonesucht" – Teil 1

Online-Sucht – ein zunehmend wichtiges Thema oder doch bloß "Panikmache"? Wir haben die wichtigsten Fakten einmal für Sie zusammengetragen. Teil 1 gibt Antworten auf die Fragen: Gibt es tatsächlich eine Internet- und Smartphone-Sucht? Was ist so problematisch daran, das Smartphone oft zu nutzen?
 Ein Mann ist fokussiert auf sein Smartphone.
Ist Online-Sucht ein zunehmend wichtiges Thema oder doch bloß "Panikmache"?

Internet- und Smartphonesucht: Gibt es das überhaupt?

Noch im Bett in die ersten E-Mails lesen, beim Frühstück schnell ein paar Nachrichten-Websites ansteuern und in den Pausen immer mal wieder nachsehen, ob es etwas Neues bei Facebook gibt: Ein Leben ohne Internet und Smartphone ist für die meisten von uns nicht mehr denkbar. Während die einen Alarm schlagen und von ungesundem Suchtverhalten sprechen, winken die anderen ab. Wer hat denn nun Recht?


Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung sprach einmal von 560.000 onlineabhängigen Deutschen zwischen 14 und 64 Jahren. Eine europaweite Studie kam zu dem Schluss, dass knapp ein Prozent der deutschen Jugendlichen zwischen 14 und 17 Jahren internetsüchtig sei. Fakt ist allerdings: Wissenschaftlich anerkannt sind Internet- und Smartphonesucht bis heute nicht. Dazu fehlen klare Definitionen und Diagnosemöglichkeiten. Ist jemand onlinesüchtig, der täglich mehrere Stunden mit seinen Freunden auf Facebook schreibt? Ist ein Jugendlicher, der stundenlang online „zockt“ internetabhängig? Oder ist er doch eher videospielsüchtig? Die Abgrenzungen und Wirkungszusammenhänge sind derzeit noch unklar – deshalb ist Internet- bzw. Smartphone-Sucht kein anerkanntes Krankheitsbild.

Echte vs. gefühlte Sucht

Aber auch wenn Ärzte offiziell keine Sucht diagnostizieren können: Immer mehr Menschen leiden darunter, ständig online und erreichbar zu sein; sie sehen die Internet- und Smartphone-Nutzung zunehmend kritisch und/oder schätzen ihr Nutzungsverhalten ganz subjektiv sogar als problematisch ein. Genau das greifen zahlreiche Trends auf, die gegen den Dauerstress und die selbst wahrgenommene Abhängigkeit helfen sollen. Es gibt Apps, die das Nutzungsverhalten aufzeichnen und zum Beispiel "Offline-Pausen" anbieten, in denen das Smartphone nur noch eingeschränkt nutzbar oder gleich ganz gesperrt ist. Und es gibt den Digital-Detox-Trend: Immer mehr Menschen legen bewusst Kommunikations- und Erreichbarkeitspausen ein und verzichten für eine feste Zeit auf (fast) alle digitalen Geräte.


Ob es sich nun um eine echte – also wissenschaftlich anerkannte – oder "nur" um eine gefühlte Abhängigkeit handelt, ist letztlich nebensächlich. Es lohnt sich in jedem Fall, das eigene Verhalten zu hinterfragen, achtsam zu sein und bewusster mit iPad, iPhone und Co. umzugehen. Spätestens wenn der Stress steigt, das Abschalten (in jeder Hinsicht) schwer fällt und die sozialen Kontakte in der "echten Welt" leiden, ist es Zeit, aktiv zu werden. Und es ist wichtig, auch Schüler für die Problematik zu sensibilisieren.

Warum ist das Thema „Internet- und Smartphonenutzung“ wichtig?

Eine klare Kehrseite ist vor allem die ständige Abgelenktheit. Dass die etwa im Straßenverkehr gefährlich ist, liegt eigentlich auf der Hand: Wer an der Ampel auf sein Handy starrt, verpasst vielleicht die Grünphase – wer beim Laufen weiter surft, sieht womöglich das Auto oder den entgegenkommenden Radfahrer nicht. Straßenbahnfahrer beklagen beispielsweise, dass es immer häufiger zu gefährlichen Situationen kommt, weil Fußgänger so in ihr Smartphone vertieft sind, dass sie selbst die Glocke nicht mehr hören.


Die dauernde Ablenkung macht sich aber auch beim Arbeiten bemerkbar. Etwa 15 Minuten brauchen wir in der Regel, um uns in etwas hineinzudenken. Wer im 10-Minuten-Takt auf sein Handy schaut, kann sich deshalb gar nicht richtig in die Aufgabe, die vor ihm liegt, hineinfinden. Er ist unkonzentriert, braucht deshalb länger und ist wesentlich weniger produktiv.

Immer im Multitasking-Modus

Ihre Schüler machen sich durch das ständige Aufs-Handy-Schauen die Hausaufgaben oft schwerer als nötig und schlafen wahrscheinlich auch abends schlechter ein, weil sie das Smartphone einfach nicht weglegen können. Sie als Lehrer leiden vermutlich vor allem unter der ständigen Erreichbarkeit. Das ist auch kein Wunder: Wer abends noch seine E-Mails liest, verhagelt sich damit nicht nur die Laune, wenn er etwas Unerfreuliches liest – er nimmt sich selbst auch wichtige Ausgleichs- und Ruhephasen. Selbst vermeintlich entspanntes Arbeiten oder Surfen "nebenbei" führt dazu, dass auch im Feierabend ständig Multitasking gefordert ist – und das Gehirn immer auf Hochtouren läuft.


Auch die sozialen Kontakte können natürlich unter dem Smartphone leiden. Das Abendessen mit dem Partner beispielsweise ist nur halb so gesellig, wenn beide nebenbei lieber surfen, als sich anzusehen und sich tatsächlich auf ein Gespräch zu konzentrieren.


Weiter geht es in Teil 2 unserer Kurzreihe: Wann wird die Smartphone-Nutzung bedenklich? Was können Sie für sich unternehmen? Und wie sensibilisieren Sie Ihre Schüler für das Thema?

Quellen:

„Jugendliche im Internet: Ich surfe, also bin ich süchtig?“, Spiegel Online Schulspiegel, http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/studie-zu-internetsucht-jeder-zehnte-jugendliche-gefaehrdet-a-878220.html

„Aktionismus der Drogenbeauftragten: Wir tun was gegen Onlinesucht! Wogegen? –

Ein Kommentar von Konrad Lischka“, Spiegel Online Netzwelt, http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/aktionismus-der-drogenbeauftragten-wir-tun-was-gegen-onlinesucht-wogegen-a-815463.html

„Studie zur Smartphone-Sucht: Generation Wisch und Klick“ von Philipp Glitz, tagesschau.de,  https://www.tagesschau.de/inland/smartphone-sucht-101.html

„Smartphone-Sucht: Was dagegen hilft“ von Sophie Kelm, Apotheken Umschau, http://www.apotheken-umschau.de/Smartphone-Sucht

„Internetabhängigkeit“, https://de.wikipedia.org/wiki/Internetabhängigkeit

Testurteil 1 der Chip-Redaktion: „Die CHIP-Redaktion sagt: Mit der kostenlosen Android App QualityTime überwachen Sie Ihre Smartphone-Nutzung“, chip.de, http://beste-apps.chip.de/android/app/qualitytime-android-app,com.zerodesktop.appdetox.qualitytime/

Testurteil 2 der Chip-Redaktion: „Die CHIP-Redaktion sagt: Die Gratis-App Offtime für Ihr Android-Gerät will Ihnen dabei helfen, Ihre Handynutzung zu kontrollieren und für Auszeiten zu sorgen.“, chip.de, http://beste-apps.chip.de/android/app/offtime-life-unplugged-android-app,co.offtime.kit/

  • eingestellt am 20.03.2017
Autor

scook