Internet, Smartphone, Tablet und Co.

Themenspezial "Internet- und Smartphonesucht" – Teil 2

Im zweiten und letzten Teil des Themenschwerpunkts klären wir, wann die Internet- und Smartphone-Nutzung bedenklich wird, was Sie dagegen unternehmen können – und wie Sie das Thema "Online-Sucht" in Ihren Unterricht holen.
 Smartpones in den Händer von vier Personen.
Ideen: Smartphone- und Internetsucht im Unterricht.

Internet- und Smartphonesucht: Was ist bedenklich?

In Teil 1 unseres Themenspezials sind wir den Fragen nachgegangen, ob es tatsächlich eine Onlinesucht gibt und warum das Thema so wichtig ist. Ab wann genau es problematisch wird, lässt sich pauschal schwer sagen. Einige Warnsignale gibt es aber. Wer sich hier wiedererkennt, sollte sein Nutzungsverhalten überdenken:


• "Ich werde unruhig, wenn ich mein Handy mal vergessen habe."
• "Ich werde nervös , wenn ich kaum noch "Akku habe"."
• "Ich bilde mir immer wieder ein, mein Smartphone klingeln oder vibrieren zu hören, und achte ständig darauf."
• "Ich habe regelrechte Schuldgefühle, wenn ich mal eine Weile nicht erreichbar bin."


In besonders ausgeprägten Fällen kann es übrigens sogar zu körperlichen Symptomen kommen – Zittern oder Schweißausbrüche etwa, wenn das Handy nicht in der Nähe ist.

Was tun gegen ungesunden Internet- und Smartphonekonsum?

Wie konsequent Sie vorgehen möchten und wie leicht oder schwer Ihnen die Schritte fallen, ist absolut individuell. Schon kleine Schritte können eine große Wirkung haben:

Deaktivieren Sie die Push-Mitteilungen für E-Mails und (Arbeits-)Chat-Mitteilungen. Statt ständig ungewollt davon "heimgesucht" zu werden, entscheiden Sie selbst, wann Sie sich mit Mails und Nachrichten beschäftigen wollen.

Legen Sie für sich selbst eine Feierabendgrenze fest, zum Beispiel: "ab 19 Uhr keine Mails und Arbeitsinhalte mehr". Noch konsequenter wäre natürlich, ab 19 Uhr ganz auf das Smartphone zu verzichten. Kurz vor dem Zubettgehen sollten Sie definitiv die Finger vom Handy lassen.

Nutzen Sie eine echte Uhr und einen echten Wecker – so reduzieren Sie die eigene Versuchung. Wenn morgens der Handywecker geht, haben Sie das Smartphone sonst direkt als Erstes in der Hand – und sind garantiert versucht, sofort "mal eben" Ihre Mails zu checken. Wenn außerdem das Handy als Ihre Uhr fungiert, müssen Sie immer wieder drauf schauen – und sind wieder ganz schnell mit E-Mails, Nachrichten oder anderen Apps beschäftigt. Eine analoge Uhr und ein richtiger Wecker lenken Sie weitaus weniger ab.

Schaffen Sie sich feste Zeitfenster, in denen Sie ganz für Ihre Familie und Freunde da sind. Das kann so aussehen, dass Sie das Smartphone den kompletten Sonntag im Nachttischschränkchen liegen lassen – oder erst mal nur am Sonntagnachmittag. Sie können das Frühstück und das Abendessen zur smartphone- und fernsehfreien Zeit erklären. Selbst wenn sie den Sonntagabend mit Ihrem Partner vor dem Fernseher verbringen, lohnt es sich absolut , sich ganz auf den gemeinsamen Fernsehabend zu konzentrieren und das Smartphone in einem anderen Raum zu lassen.

Trainieren Sie sich an, das Smartphone nicht mehr mit Gemütlichkeit und Glücksgefühlen zu verbinden. Antippen und gespannt schauen, ob es etwas Neues gibt: Das hat einen ganz ähnlichen Effekt auf unserer Gehirn wie das Spiel am Glücksspielautomaten. Probieren Sie doch einmal aus, sich immer auf einen unbequemen Stuhl zu setzen, statt auf der gemütlichen Couch durch Faceook oder Instagram zu browsen. So durchbrechen Sie die „Glücks-Verknüpfung“ – und reduzieren die Zeit, die Sie am Smartphone verbingen, garantiert ganz schnell.

Unterrichtsideen: Wie kann ich das Ganze in meinem Unterricht thematisieren?

Starten können Sie beispielsweise mit einer Selbsteinschätzung. Was glauben Ihre Schüler, wie viel Zeit sie täglich am Smartphone verbringen? Wer würde sich selbst als süchtig bezeichnen? Wer sieht sich zumindest als gefährdet? Und wie viele Schüler finden ihr Nutzungsverhalten völlig unbedenklich?

Lassen Sie die Schüler dann ein bisschen sammeln und recherchieren. Welche Vorteile hat das Smartphone? Welche Nachteile und Risiken sehen die Schüler? Welche interessanten und relevanten Informationen können sie zu Internet- und Smartphone-Sucht finden?

Danach machen Sie mit Ihren Schülern den Praxistest. Apps wie Offtime oder QualityTime zeichnen das Nutzungsverhalten auf und liefern spannende Auswertungsmöglichkeiten. Wie viele Stunden verbringen die Jugendlichen beispielsweise mit dem Smartphone und womit verbringen sie die meiste Zeit? Wenn Ihnen solche Apps (zum Beispiel aufgrund der Datenspeicherung) zu heikel sind, ist natürlich auch eine einfache Alternative denkbar: Stellen Sie den Jugendlichen die Aufgabe, als kleine Challenge einen ganzen Sonntag komplett ohne Smartphone zu verbringen.

Danach tauschen sie sich im Unterricht aus: Wer hat es geschafft, wer nicht? Wie leicht ist es den Schülern gefallen? Hat die Selbsteinschätzung vom Anfang gestimmt? Welche Schlüsse ziehen die Schüler für sich? Spannend wird das in jedem Fall – und vielleicht verbringen Sie alle in Zukunft weniger Zeit mit Smartphone, Tablet und Co.

Quellen:

"Jugendliche im Internet: Ich surfe, also bin ich süchtig?", Spiegel Online Schulspiegel, http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/studie-zu-internetsucht-jeder-zehnte-jugendliche-gefaehrdet-a-878220.html

"Aktionismus der Drogenbeauftragten: Wir tun was gegen Onlinesucht! Wogegen? – Ein Kommentar von Konrad Lischka", Spiegel Online Netzwelt, http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/aktionismus-der-drogenbeauftragten-wir-tun-was-gegen-onlinesucht-wogegen-a-815463.html

"Studie zur Smartphone-Sucht: Generation Wisch und Klick" von Philipp Glitz, tagesschau.de,  https://www.tagesschau.de/inland/smartphone-sucht-101.html

"Internetabhängigkeit", https://de.wikipedia.org/wiki/Internetabhängigkeit

Testurteil 1 der Chip-Redaktion: "Die CHIP-Redaktion sagt: Mit der kostenlosen Android App QualityTime überwachen Sie Ihre Smartphone-Nutzung", chip.de, http://beste-apps.chip.de/android/app/qualitytime-android-app,com.zerodesktop.appdetox.qualitytime/

Testurteil 2 der Chip-Redaktion: "Die CHIP-Redaktion sagt: Die Gratis-App Offtime für Ihr Android-Gerät will Ihnen dabei helfen, Ihre Handynutzung zu kontrollieren und für Auszeiten zu sorgen.", chip.de, http://beste-apps.chip.de/android/app/offtime-life-unplugged-android-app,co.offtime.kit/

  • eingestellt am 20.03.2017
Autor

scook