Begabtenförderung – ganz praktisch

Schlechte Noten trotz Hochbegabung?

Underachievern sind Hochbegabte, die mit ihren Leistungen über einen längeren Zeitraum deutlich unter ihrem Potenzial bleiben.

Beispiel: Alexander

Alexander kommt mit seiner Mutter zur schulpsychologischen Beratung, nachdem er einige Wochen die zweite Klasse besucht hat. Nach der Begrüßung fängt seine Mutter an zu erzählen: "In der Schule fällt er durch Trödeln und Verweigerung auf. Nachdem er zu Beginn der ersten Klasse zu den Klassenbesten gehört hatte, sind seine Leistungen im zweiten Halbjahr der ersten Klasse rapide abgefallen. Am Ende des vergangenen Schuljahres waren seine Leistungen nur noch knapp ausreichend." Sie berichtet von schweren Motivationsproblemen und Kämpfen bei den Hausaufgaben:

"Alexanders Freude an der Schule hat im Lauf der ersten Klasse deutlich abgenommen. Inzwischen trödelt er morgens manchmal so lange, dass er zu spät zur Schule kommt. Er leidet häufig unter Bauchschmerzen und wurde schon von einem Internisten untersucht, der allerdings keine Auffälligkeiten finden konnte." Auf die Frage, wie es ihm während der Schulferien gegangen ist, antwortet Alexander: "In den großen Sommerferien ging es mir richtig gut." "Stimmt", sagt die Mutter "da hattest du überhaupt keine Beschwerden."

Die Psychologin führt mit Alexander einen Intelligenztest durch und diagnostiziert in vier verschiedenen Teilbereichen einen IQ zwischen 136 und 141 sowie Prozentränge von 96 bis 99. Alexander ist also intelligenter als 96 bis 99 Prozent seiner Altersgleichen. Doch seine Schulleistungen liegen weit unter dem Klassendurchschnitt. 

Alexander gehört er zu den sogenannten Underachievern: Hochbegabte, die mit ihren Leistungen über einen längeren Zeitraum deutlich unter ihrem Potenzial bleiben. Dies wäre beispielsweise der Fall, wenn ein Schüler in einem Intelligenztest 98 Prozent seiner Altersgenossen übertrifft, in seiner Schulleistung aber nur besser als 20 Prozent seiner Altersgenossen abschneidet. Eine Entsprechung von Begabung und Leistung äußert sich hingegen so, dass sich die Prozentränge in einem Begabungstest und in den Leistungen ungefähr entsprechen: Der zuvor genannte Schüler müsste demnach Schulleistungen zeigen, die nur von sehr wenigen seiner Alterskameraden übertroffen werden.

Zum Weiterlesen jetzt kostenlos registrieren: Registrieren

Bereits registriert? Dann einfach anmelden:

  • eingestellt am 19.02.2015
Autor

Ingvelde Scholz

  • Buchtipp

    Begabtenförderung – ganz praktisch von Ingvelde Scholz, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2013

  • Videos zum Buchtitel

    Video: Vorwort


    Legitimation

    Individuelle Gründe – Soziale Gründe – Familiäre Gründe – Pädagogische Gründe – Gesellschaftliche Gründe – Rechtliche Gründe

     

    Video: Begabtenförderung - warum?


    Definition und Identifikation
    Was versteht man unter (Hoch-)Begabung? – Das mehrdimensionale Münchener Begabungsmodell – Warum werden viele hochbegabte Kinder nicht erkannt? – Woran kann man besonders begabte Kinder erkennen? – Diagnose und Grenzwert – Hochbegabte: irgendwie anders?

    Video: Besondere Begabung - Definition und Identifikation


    Diagnostik
    Testen: Ja oder Nein? – Was versteht man unter Intelligenz und IQ? – Wie ist die Intelligenz in der Bevölkerung verteilt? – Wie kann man Intelligenz »messen«? – Ab welchem Alter kann ein Kind getestet werden? – Wer kann einen Intelligenztest durchführen? – Welche Tests sind für wen geeignet? – Ergänzende Verfahren und Informationsquellen

    Video: Wie kann man Intelligenz messen? - Diagnostik


    Mögliche Probleme
    Hochbegabt und trotzdem schlechte Schulnoten– Soziale Ausgrenzung – Hochbegabte Mädchen: Seltener erkannt und gefördert – Hochbegabte mit besonderen Bedürfnissen

    Video: Mögliche Probleme


    Beratung
    Beratungsfelder und Beratungsanlässe – Voraussetzungen – Vorbereitungen – Ablauf und Gestaltung – Haltungen und Gesprächstechniken – Gesprächsführung mit Kindern und Jugendlichen – Umgang mit Stolpersteinen

    Video: Beratung


    Fördermöglichkeiten
    Gelingensfaktoren – Fördermöglichkeiten und ihre Effektivität im Überblick – Innere Differenzierung – Äußere Differenzierung – Begleitende Fördermaßnahmen – Strukturelle und organisatorische Vernetzung

    Video: Fördermöglichkeiten


    Fortbildung
    Ist-Analyse und Bedarfsanalyse – Planung – Durchführung – Umsetzung – Auswertung und Zielsetzung

    Video: Fortbildung