Individuelles Lernprogramm

Förderpläne erstellen - Fördermaßnahmen umsetzen

Womit sollten Sie beginnen, wenn Sie einen Förderplan erstellen möchten oder müssen? Wie gehen Sie am besten vor? Was sollte alles in Ihrem Förderplan stehen? Und wie sieht so ein Plan überhaupt aus? Wir erklären Ihnen die nötigen Schritte – und liefern Tipps für die Umsetzung der Förderung.
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Förderpläne aus Ratgebern können oft einfach auf die jeweiligen Bedürfnisse angepasst werden. (Bild: Shutterstock/Pressmaster)

Förderpläne: Was, wann und wie?

Ein Förderplan ist die "Entwicklung und schriftliche Fixierung eines individuellen Lernprogramms für (...) einen Schüler"1. Vor genau dieser Aufgabe stehen Lehrer in der Praxis immer häufiger. Was aber bedeutet das für Sie ganz konkret? Wie erstellen Sie einen solchen Lehrplan? Und wie sieht so ein Plan überhaupt aus?

Rahmendaten und Fragestellungen

Ihr Startpunkt sind zunächst die Personen- und Förderungsdaten – also Angaben zum Schüler, zum Förderlehrer, zu Ort und Zeitrahmen und so weiter. Sie beschreiben außerdem den Anlass und den Rahmen Ihrer Förderplanung – und zwar aus Sicht aller Beteiligten, wie Lehrern, Eltern, Schülern und weiteren Involvierten. Daraus leiten Sie Ausgangsfragestellungen und -hypothesen für den individuellen Förderplan ab.

Dreh- und Angelpunkt: differenzierte Diagnostik

Zur Einschätzung der individuellen Lernstände, der jeweiligen Ressourcen sowie der möglichen Schwierigkeiten führen Sie zunächst eine umfassende Diagnostik durch. Dazu sammeln Sie Hintergrundinformationen über den Schüler und sein Umfeld, etwa zur Vorgeschichte, zu den Interessen und Fähigkeiten sowie zu den Risikofaktoren im schulischen Umfeld und darüber hinaus. Stellen Sie Fragen, um Ihre Eingangsdiagnostik bewusst, gezielt und fundiert durchführen zu können; beobachten Sie, analysieren Sie Fehler und führen Sie gegebenenfalls auch Leistungstests beziehungsweise Screenings durch. Oft geben Ihnen auch schon die Arbeitsergebnisse des Schülers wichtige Einblicke. Aus der Diagnostik können sich ergänzende oder vertiefende Fragen und Hypothesen ergeben, die Sie zusätzlich überprüfen sollten.

Die Feststellung des Förderbedarfs

Ihre Befunde, Fragen und Hypothesen setzen Sie dann in der Feststellung des Förderbedarfs um. Betrachten Sie die Fakten und Zusammenhänge und leiten Sie entsprechende Hypothesen zu den Ursachen der gegenwärtigen Lernausgangslage ab. An dieser Stelle kann gegebenenfalls auch eine konkrete Diagnose beziehungsweise eine Differenzialdiagnose nötig sein.

Der Förderplan

Nun können Sie den eigentlichen Förderplan aufstellen. Meist geschieht das schriftlich in Tabellenform. Die Tabelle umfasst in der Regel folgende Angaben:

  • Förderbereich
  • Lernausgangslage
  • Ressourcen (Fähigkeiten, Interessen etc.) und Risiken
  • Förderziele
  • Methoden (beispielsweise Lernformen und Aufgaben) und Medien (zum Beispiel Materialien)
  • Form der Erfolgskontrolle

Wenn Sie weitere Personen einbeziehen wollen – zum Beispiel die Eltern oder ehrenamtliche Helfer –, sollten Sie auch das vermerken und die Aufgaben entsprechend verteilen.

Durchführung und Evaluation

Es folgt die Umsetzung Ihres Plans, wobei die Durchführung der Förderung fortlaufend dokumentiert wird. Sammeln Sie weitere Informationen und behalten Sie den Prozess im Blick ("Prozessdiagnostik"). Falls nötig ziehen Sie Rückschlüsse für den Förderbedarf und nehmen Sie die notwendigen Anpassungen vor. Zum Schluss beurteilen Sie dann den Fördererfolg und geben eine Empfehlung bezüglich der Fortführung oder Anpassung. In der Praxis zielt eine solche Förderplanung meist auf die Dauer von 6–12 Monaten ab – lang genug, um langfristige Förderziele ansteuern zu können, aber kurz genug, um sich nicht in Allgemeinposten zu verlieren.

Tipps für die Umsetzung der Fördermaßnahmen

Die Umsetzung des Förderplans und die Durchführung der Fördermaßnahmen stellen Sie in der Praxis oft vor Herausforderungen. Offener Unterricht kann hier eine Lösung sein, wenn Sie die Förderung in unterrichtsintegrierter Form durchführen wollen. Fertige Förderprogramme aus Ratgebern für bestimmte Lernschwierigkeiten können Sie oft ganz einfach individuell anpassen. Sofern Ihre Schule entsprechend ausgestattet ist, können Sie auch Computer mit Lernsoftware nutzen, um dem Schüler Fördereinheiten im Unterricht zu ermöglichen.

Auch außerhalb Ihres Unterrichts können sich Möglichkeiten bieten: zum Beispiel in speziellen Förderstunden, über Tutoren (also ältere Schüler, die als Lernhelfer fungieren) oder auch über Kooperationen mit Universitäten beziehungsweise Studierenden oder Ehrenamtlichen wie Eltern oder Senioren. Mit Engagement und ein wenig Kreativität finden Sie hier sicherlich Wege – und schon bald sind Sie auch bei Förderplänen und Fördermaßnahmen ein souveräner "alter Hase".2


Literatur

1 Entnommen aus: "Einen Förderplan erstellen – wie geht das? – Zwischen Innovation und praktischer Machbarkeit" von Yvonne Dhaouadi, Zeitschrift Schulmagazin 5–10, Ausgabe 3/2010, S. 55, www.schulmagazin5-10.de/smz20100355

2 Alle Inhalte dieses Artikels in Anlehnung an: "Einen Förderplan erstellen – wie geht das? – Zwischen Innovation und praktischer Machbarkeit". Dort finden Sie bei Bedarf auch noch ein ergänzendes Fallbeispiel.

 

  • eingestellt am 03.11.2014
Quelle

scook