So funktioniert Werkstattarbeit

Stationenlernen: Vorbereitung, Material, Umsetzung

Stationenlernen eignet sich hervorragend zum individualisierten Lernen. Was aber müssen Sie bei der Vorbereitung bedenken? Wie wählen Sie die richtigen Materialien? Und wie unterstützen Sie die Schüler bei der Bearbeitung? Wir haben die Antworten – komprimiert für Sie zusammengefasst.
Bild: Fotolia/Christian Schwier

Werkstattarbeit: hervorragend geeignet für individualisiertes und differenziertes Lernen

Individualisiertes Lernen, das den unterschiedlichen Lerntypen Rechnung trägt – dafür steht die Werkstattarbeit. In Lernwerkstätten können die Schüler handlungsorientiert, erfahrungsorientiert, ganzheitlich und mit allen Sinnen lernen. Neben Wissenserwerb und Kompetenzzuwachs stehen hier Selbstständigkeit, Eigenverantwortlichkeit und auch Kreativität im Mittelpunkt.  

In verschiedenen "Arbeitsecken" im Klassenraum beschäftigen sich die Schüler mit unterschiedlichen Themenfeldern; sie können in ihrem eigenen Tempo und ihren Lern- und Interessensvorlieben entsprechend vorgehen. Im Idealfall variieren die Aufgabenstellungen in Inhalt, Aufbereitungsform – haptisch, visuell, auditiv, mit verschiedenen Medien – und auch im Schwierigkeitsgrad.
Ob als fachbezogene oder fächerübergreifende Lernwerkstatt: Hier findet jeder Schüler den richtigen Zugang zur Thematik.  

Es gibt themen- und zielorientierte Werkstätten sowie offene Werkstätten; die Schüler können neue Themen aktiv erarbeiten oder bereits Bekanntes üben und vertiefen. Auch unterrichtsbegleitende Werkstätten, die Sie phasenweise in Ihren Unterricht einschieben,  sind denkbar. Eine weit verbreitete Form der themen- und zielorientierten Werkstätten ist das Stationenlernen: ein bewährtes Modell, das Sie auch in Ihrem Unterricht sehr effektiv einsetzen können.

So funktioniert Stationenlernen

Beim Stationenlernen unterteilen Sie ein festes, übergeordnetes Lernthema in unterschiedliche Zielsetzungen und Einzelinhalte. Je nachdem, welchen Zeitrahmen Sie zur Verfügung haben, richten Sie für eine oder mehrere Unterrichtsstunden entsprechende Arbeitsstationen im Klassenraum ein. Für jede Station bereiten Sie einen konkreten Arbeitsauftrag vor. Zur Lösung der jeweiligen Aufgabe kann es beispielsweise nötig sein, ein Arbeitsblatt auszufüllen, ein Experiment durchzuführen oder auch eine Audio-Datei anzuhören. Die notwendigen Medien hinterlegen Sie ebenfalls an der jeweiligen Station.  

Die Schüler können dann entweder selbst entscheiden, in welcher Reihenfolge sie vorgehen, oder Sie geben eine feste Reihenfolge vor. Für besonders stark individualisiertes Lernen können Sie auch für jeden Schüler einen eigenen Bearbeitungsplan erstellen, dem er dann alleine oder mit einem Klassenkameraden nachgeht. Der Wechsel von einer Station zur nächsten kann ebenfalls frei erfolgen – also immer dann, wenn die jeweilige Aufgabe erledigt ist – oder auf Ihr Signal hin in bestimmten zeitlichen Intervallen.  

Idealerweise konzipieren Sie die Stationen so, dass mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden und variierenden Aufgabentypen alle Lerntypen angesprochen werden. Den Schülern geben Sie einen Laufzettel an die Hand, auf dem sie ihre Arbeitswege und -ergebnisse selbst festhalten. So können Sie auch die nötige Reflexion und Evaluation gewährleisten.  

Die richtige Vorbereitung: Themen und Materialien

Ihre Vorbereitung sollte sechs Schritte umfassen, vom Allgemeinen zum Speziellen:

  1. Legen Sie das übergeordnete Thema fest. Idealerweise ist es ein mehrperspektivisches und fächerübergreifendes Jahresthema (etwa "Farben und Klänge").
  2. Identifizieren Sie lehrplanrelevante Einzelaspekte, die für die Schüler interessant, handlungsorientiert erfahrbar, kreativ umsetzbar und problemorientiert lösbar sind.
  3. Definieren Sie die Teilthemen für – üblicherweise – ca. 12 verschiedene Stationen.
  4. Sammeln Sie die nötigen Materialien, beziehungsweise entwickeln und erstellen Sie sie selbst.
  5. Stellen Sie die Materialien bereit und kümmern Sie sich um Arbeitsaufträge (die Sie gegebenenfalls auf Karten festhalten), Sozialformen, Dokumentations- und Evaluationsmöglichkeiten.
  6. Jetzt dürfen die Schüler ran – und Sie fungieren als Lernhelfer.

Der Lehrer als Lernberater

Nachdem Sie die Schüler entsprechend ins Stationenlernen eingeführt, ihnen alles Nötige erklärt und die Laufzettel verteilt haben, stehen Sie ihnen als Lernhelfer und -berater zur Seite. Wenn Sie möchten können Sie auch Schüler zu Experten ernennen, die Sie als Lernhelfer unterstützen. So haben Sie mehr Zeit, zu beobachten und die Lernstände zu diagnostizieren, damit Sie nötige Fördermaßnahmen ableiten und in Zukunft berücksichtigen können. Gegebenenfalls fungieren Sie auch als "Animateur", ermuntern, geben Anregung und behalten den sozialen Umgang im Blick. Zum Schluss leiten Sie dann zum Erfahrungsaustausch an und moderieren die Präsentation der Ergebnisse.  

Die Materialsammlung – ein Prozess

Natürlich werden Sie nicht von jetzt auf gleich einen riesigen Fundus an passenden Materialien zur Verfügung haben. Zu Beginn können Sie erst einmal schauen, was Ihre Schule zu bieten hat – und zum Beispiel Lexika, alte Computer oder vergessene Lernspiele wiederbeleben. Motivierend, aktivierend, abwechslungsreich und zum selbsttätigen Lernen anregend sollten die Materialien sein – nach und nach werden Sie sicherlich weitere sammeln und vielleicht auch neu anschaffen können.

Achten Sie dabei auf folgende Punkte: Die Verbrauchsmaterialien sollten stabil genug sein, um die nötige Haltbarkeit zu gewährleisten. Die Handhabung muss altersgerecht sein. Das Material sollte optisch ansprechend und motivierend gestaltet sein. Zusammengehörige Materialien müssen auch optisch als solche erkennbar sein. Und schließlich: Es empfiehlt sich, nur Materialien anzuschaffen, die sich auch gut und platzsparend aufbewahren lassen. Sie werden sehen: Mit der Zeit sammeln Sie immer mehr Erfahrung mit dem Stationenlernen – und auch Ihr Materialfundus wird immer weiter wachsen.


Literatur

"Werkstattarbeit in der Schule – wie geht das? – Erste Schritte in die Praxis" von Stefan Seitz, Zeitschrift Schulmagazin, Ausgabe 10/2011, www.schulmagazin5-10.de/smz20111055

  • eingestellt am 23.02.2015
Quelle

scook