Neue Medien im Unterricht

Das interaktive Whiteboard: Vorteile, Dos & Don'ts

Technikfans singen wahre Lobeshymnen: Mit dem interaktiven Whiteboard sei die klassische Tafel Schnee von gestern. Was das Whiteboard kann (und was nicht) und was Sie beachten sollten – die wichtigsten Aspekte zum Thema im Überblick.
 Neuer Inhalt
Bild: Shutterstock/ Monkey Business Images

Kreidetafel war gestern!

Technikfreunde sagen schon seit geraumer Zeit das Ende der guten, alten Kreidetafel voraus – sie sei einfach überholt. Was aber kann das viel gelobte interaktive Whiteboard, was die klassische Tafel nicht kann? Lohnt sich die Umstellung tatsächlich? Und ist das Whiteboard wirklich ein "Allheilmittel" für den Unterricht? In Anlehnung an den Artikel "Whiteboards – Allheilmittel für den Unterricht" von Jürgen Schlieszeit (Zeitschrift schulmanagement, Ausgabe 1/2013, www.schulmanagement-online.de/smt20130119) und das Praxishandbuch "Das interaktive Whiteboard im Klassenzimmer – und jetzt? Informationen und Einsatzmöglichkeiten" von Sina Müller (Verlag an der Ruhr, ISBN 978-3-8346-0901-4) schauen wir uns die technische Revolution für das Klassenzimmer einmal genauer an.

Ein interaktives Whiteboard – was ist das überhaupt?

Ganz simpel formuliert ist ein Whiteboard eine riesige Projektionsfläche eines Computermonitors. Ein entsprechender Treiber sorgt dafür, dass Sie – so wie bei Ihrem Computer zu Hause – mit der passenden Technologie den Mauszeiger bewegen und bestimmte Anwendungen starten können. Welche Funktionen das Whiteboard im Einzelnen hat, ist abhängig von der jeweiligen Technologie. Es gibt die analogresistive Variante, die aus einem Board mit Folie besteht, die elektromagnetische Technologie, die sich nur mit einem Stift bedienen lässt, die trigonometrische Variante, die auf optischer Technologie mit Infrarot beziehungsweise Kamera basiert und es gibt kapazitive Whiteboards, die im Prinzip mit einem iPad gleichzusetzen sind.

Das interaktive Whiteboard besticht vor allem durch die vielen Darstellungsmöglichkeiten für Lerninhalte. Sämtliche Inhalte, die über das Board er- beziehungsweise bearbeitet werden, können außerdem gespeichert, ausgedruckt und wenn nötig auch online zugänglich gemacht oder per E-Mail verschickt werden. Sie können dynamische Tafelbilder erstellen und praktisch jede Art von digitalen Medien in Ihren Unterricht einbinden. Auch das Hin und her Schleppen von Material entfällt: Sie bereiten Ihre Materialien online vor oder bringen Sie auf einem Stick mit in die Schule, um dann an jedem Whiteboard in Ihrer Schule auf die Tafelbilder zuzugreifen. Das interaktive Whiteboard bietet also nicht nur vielfältigste methodisch-didaktische Möglichkeiten und Chancen, sondern entpuppt sich – richtig eingesetzt – auch als echte Arbeitserleichterung.

Die fünf größten Vorteile im Überblick

Was bis hierhin noch etwas abstrakt klingen mag, lässt sich auch ganz konkret auf den Arbeitsalltag herunterbrechen. In der Praxis überzeugt das interaktive Whiteboard vor allem durch fünf klare Vorteile: Zeitersparnis, unbegrenzter Arbeits- und Speicherplatz, verbesserte Visualisierung, Aktualität beziehungsweise leichte Aktualisierbarkeit sowie eine unschlagbare Rundum-Medienintegration.

1. Zeitersparnis

Mit dem interaktiven Whiteboard können Sie alle Inhalte und Materialien abspeichern und sie jederzeit wieder aufrufen. Unterrichtsmaterial, das Sie einmal erstellt haben, können Sie also beliebig oft einsetzen und verändern, ohne wieder von vorn beginnen zu müssen. Das Grundgerüst Ihres Tafelbilds können Sie außerdem schon zu Hause vorbereiten, sodass Sie es im Unterricht nur noch aufrufen müssen. Die wertvolle Zeit, die Sie sonst mit dem Schreiben an der Tafel und dem Aufbau des Tafelbilds verbracht hätten, nutzen Sie stattdessen sinnvoller.

2. Unbegrenzter Platz

Das gilt gleich in mehrfacher Hinsicht. Die leidige Situation, dass sich ein Tafelbild zu weit in eine Richtung entwickelt und plötzlich kein Platz mehr zum Anschreiben bleibt, entfällt mit dem Whiteboard völlig: Alles lässt sich jederzeit verschieben, verkleinern und erweitern. Auch komplexere Rechnungen oder längere Stichpunkte müssen Sie nicht mehr an den Rand der Tafel quetschen.

Alle Materialien, Inhalte und Aufgaben können Sie außerdem platzsparend auf einem handlichen Speichermedium ablegen. Ausdrucke und Ordner in rauen Mengen werden durch papierlose Dateien ersetzt – das schafft Platz in Ihrem Büro. Durch die Dokumentation dessen, was im Unterricht besprochen und erarbeitet wurde, können auch Schüler, die gefehlt haben, alles Wesentliche nachvollziehen. Sie mailen kranken Schülern die Inhalte einfach zu – oder Sie speichern Materialien und Tafelbilder ab, um sie den Schülern später noch einmal zu vermitteln.

3. Verbesserte Visualisierung

Gerade in diesem Bereich steckt das Whiteboard voller Potenzial. "Die vereinfachte und verbesserte Visualisierung von Schriften, Grafiken und Übersichten, hilft dem Schüler dabei, sich schneller zurechtzufinden, und ermöglicht es dem Lehrer, genaue und gezielte Tafelbilder mit wenig Kompromissen zu gestalten", schreibt Sina Müller in ihrem Ratgeber.1 Sie können aus unterschiedlichen Schriften wählen und auch mit verschiedenen Größen, Farben und Ausrichtungen arbeiten. Die Inhalte tippen Sie entweder über die Tastatur oder Sie lassen Ihre Handschrift in Druckschrift umwandeln. Jedes Element ist verschiebbar und veränderbar – die Strukturierung ist also deutlich leichter und flexibler als an der klassischen Tafel. Auch eine Zirkel- und eine Linealfunktion sowie spezifische Tafelhintergründe – etwa Koordinatensysteme oder Notenlinien – sind über die Software abrufbar.

4. Aktualität beziehungsweise leichte Aktualisierbarkeit

Aktuelle Themen können Sie ganz einfach aufgreifen und veranschaulichen – das Internet macht es möglich. Sie können tagesaktuelle Nachrichten mit Ihren Schülern bearbeiten und auch Ihre Materialien immer auf dem neusten Stand halten. Ist etwas überholt oder sind Ergänzungen nötig, können Sie das Material jederzeit aktualisieren. So sorgen Sie für deutlich mehr Aktualität und Flexibilität, als es beispielsweise ein Schulbuch leisten kann.

5. Rundum-Medienintegration

Das interaktive Whiteboard vereint alle klassischen und neuen Medien in einem Gerät: von Overhead-Projektor und CD-Spieler über das Filmgerät und die Tafel bis hin zu Landkarte und Schaubild. Egal, ob Sie den Schülern ein Video zeigen oder eine mp3-Datei vorspielen wollen: Alles ist zentral über das Whiteboard möglich.

Dos und Don’ts

Für einen erfolgreichen Unterrichtseinsatz des Whiteboards sollten Sie folgende Tipps beherzigen:

  • Machen Sie sich mit dem Board vertraut und bereiten Sie sich gut vor.
  • Bemühen Sie sich um eine ansprechende, gut sicht- und nachvollziehbare Präsentation.
  • Übertreiben Sie es nicht mit Bildern, Farben und Medien, sondern handeln Sie nach dem Prinzip "weniger ist mehr". Videos können Sie ruhig auf 3–4 Minuten begrenzen.
  • Entwickeln Sie die Tafelbilder gemeinsam mit den Schülern und bleiben Sie offen und flexibel.
  • Setzen Sie auch beim Whiteboard auf Methodenvielfalt und selbstständiges, aktives Lernen.
  • Lassen Sie die Schüler durchaus auch mal selbst ans Whiteboard, machen Sie aber klare Vorgaben, um wilde (Technik-)Experimente zu vermeiden.
  • Halten Sie immer einen "Plan B" in der Hinterhand, für den Fall, dass die Technik einmal einen Aussetzer hat.
Bei allen Vorteilen und Chancen ist das interaktive Whiteboard letztlich nichts anderes als ein Hilfsmittel, mit dem Sie Ihren Unterricht noch attraktiver gestalten können. Den Lehrer kann es nicht ersetzen – und auch nicht zaubern. Die Schüler werden nicht automatisch gebannt mit offenen Mündern nach vorne starren, wann immer Sie das Whiteboard nutzen. Es ist auch keine Kinoleinwand, von der sich die Klasse passiv berieseln lassen soll. Aktivierung, Methodenvielfalt und durchaus auch Bewegungselemente sind auch im Unterricht mit dem Whiteboard wichtig. Ein pauschales Allheilmittel oder ein Selbstläufer ist es also nicht – im sinnvollen Einsatz in einem lebendigen und lernerzentrierten Unterricht bietet es aber unschlagbare Potenziale.


Literatur

1 Entnommen aus: "Das interaktive Whiteboard im Klassenzimmer – und jetzt? Informationen und Einsatzmöglichkeiten" von Sina Müller, ISBN 978-3-8346-0901-4, Verlag an der Ruhr, S. 14

"Das interaktive Whiteboard im Klassenzimmer – und jetzt? Informationen und Einsatzmöglichkeiten" von Sina Müller, Verlag an der Ruhr, ISBN 978-3-8346-0901-4

"Whiteboards – Allheilmittel für den Unterricht?" von Jürgen Schlieszeit, Zeitschrift schulmanagement, Ausgabe 1/2013, www.schulmanagement-online.de/smt20130119

  • eingestellt am 19.02.2015
Quelle

scook

Mehr zum Thema