Gesundheitsrisiko Lehrerberuf?

Burnout: Warnzeichen, Strategien und Maßnahmen

Als Lehrer gehören Sie zur Hochrisikogruppe für Burnout-Erkrankungen, heißt es. Welche Warnsignale und Symptome gibt es? Wie können Sie aktiv werden und Erschöpfung und Überlastung vermeiden beziehungsweise gezielt entegegenwirken? Wir haben die Antworten!
 Auf einer mit Kreide gezeichneten Waage stehen die Worte: Work und Life.
Mit einer guten Work-Life-Balance das Burnout-Risiko senken.

Burnout – ein Modewort?

Der Begriff "Burnout" scheint mittlerweile allgegenwärtig. Immer wieder wird in diesem Zusammenhang auch diskutiert, wie gefährdet Lehrer tatsächlich sind: Während die einen sie als Hochrisikogruppe einschätzen, sind andere der Ansicht, "entgegen der öffentlichen Wahrnehmung" gäbe es "keine wissenschaftlich tragfähigen Befunde dahingehend, dass Lehrer eine psychisch/psychosomatisch besonders belastete oder kranke Berufsgruppe sind".1 Unstrittig ist jedoch: Die Lehrer selbst empfinden sich quer durch alle Schulformen als zunehmend belastet und registrieren immer häufiger Symptome psychischer beziehungsweise psychosomatischer Erkrankungen bei sich.


Ganz gleich, wie man die Zahlen nun genau bewertet: Wer den Lehrerberuf engagiert ausüben möchte, sollte dringend darauf achten, Stress, Erschöpfung und Überlastung vorzubeugen und Warnsignale ernst zu nehmen. Was Burnout genau ist – und was nicht –, welche Warnzeichen Sie im Auge behalten sollten und wie Sie gezielt aktiv werden können, lesen Sie im Folgenden. Nahezu alle Informationen und Anregungen sind dem Ratgeber "Burnout-Falle Lehrerberuf? – Infos, Tests und Strategien zum Vorbeugen, Erkennen, Bewältigen" von Micaela Peter und Ulrike Peter entnommen (Verlag an der Ruhr, ISBN 978-3-8346-2325-6). Wenn der Burnout-Prozess bereits zu fortgeschritten und der Leidensdruck schon viel zu hoch ist, können diese Tipps eine ärztliche Beratung beziehungsweise Therapie natürlich nicht ersetzen. Umso wichtiger ist es aber, rechtzeitig aktiv zu werden, bevor es so weit kommt!

Die Fakten: Was sollten Sie über Burnout wissen?

Generell gilt: "Eine allgemein akzeptierte Definition von Burnout, etwa durch Leitsymptome, Ein- und Ausschlusskriterien gibt es nicht."2 Der Begriff beschreibt also einen Prozess, der subjektiv wahrgenommen und als solches erkannt wird – eine objektive, wissenschaftliche Diagnosestellung, wie etwa bei einer Depression, ist jedoch nicht möglich. Die Begriffe "Burnout" und "Depression" werden oft gleichgesetzt, sind aber weder synonym noch automatisch miteinander verknüpft. Wer eine Depression hat, muss nicht zwangsläufig auch unter Burnout leiden. Viele Burnout-Betroffene zeigen Symptome einer Depression oder leiden tatsächlich unter einer solchen – aber eben nicht alle. Wie genau der Burnout-Prozess verläuft ist von Fall zu Fall verschieden; über 130 verschiedene Symptome und unterschiedlichste Kombinationen sind möglich. Übergeordnete Merkmale sind jedoch: "emotionale und psychische Erschöpfung, reduzierte Leistungsfähigkeit sowie ein Mangel an emotionaler Beteiligung (Dehumanisierung)".3

Burnout kann grundsätzlich jeden treffen. In der Regel ist es nicht eine einzelne Ursache, sondern ein Mix verschiedener äußerer und innerer Faktoren, der den Prozess begünstigt beziehungsweise befeuert. Stress allein führt nicht automatisch zum Burnout, vielmehr zählt die subjektiv empfundene Belastung: Kritisch wird es bei chronischem Stress, der nicht mehr ausreichend ausgeglichen werden kann. Der tatsächliche Zusammenbruch kommt für die Betroffenen oft ganz plötzlich – doch meist haben sie bis dahin zahlreiche Warnsignale ihres Körpers ignoriert. Wichtig für die Burnout-Prävention beziehungsweise Therapie ist deshalb, dass Betroffene Achtsamkeit lernen: Sie müssen üben, mit sich selbst fürsorglich umzugehen, die eigenen Grenzen und Befindlichkeiten bewusst wahrzunehmen und zu respektieren. Auch ein angemessener Ausgleich von Belastung und Erholung ist entscheidend – nur so lässt sich Erschöpfung und Überlastung langfristig vorbeugen.

Frühwarnsignale: rechtzeitig hinsehen

Typische Frühwarnsignale für ein drohendes Burnout sind der Verlust von Interessen ("Soll ich mich heute wirklich noch mit Anne treffen?"), vermehrtes Grübeln und Seufzen, Schwierigkeiten, abzuschalten, Gedanken wie: "Ich habe noch so viel zu tun!" oder "Eigentlich bräuchte ich eine Pause!", aber auch Vergesslichkeit. Gereiztheit, vermehrte Selbstkritik, eine zunehmend negative Sichtweise und auch das Gefühl, "getrieben" zu sein und gar nicht mehr richtig genießen zu können, sind weitere emotionale Warnzeichen. Körperlich sind es unter anderem Herzklopfen, ständiger Tatendrang, Schonhaltungen, Müdigkeit und auch Konzentrationsstörungen, veränderter Appetit beziehungsweise das Bedürfnis, Stress durch Tabak- oder Alkoholkonsum auszugleichen und der soziale Rückzug, die Sie ausgesprochen ernst nehmen sollten.

Strategien und Übungen: Werden Sie aktiv

Konzentrieren Sie sich bewusst auf zwei Frühwarnsignale, die auf Sie zutreffen und die Sie in Zukunft genauer im Blick halten wollen. Schreiben Sie auf, welche konkreten Gegenmaßnahmen Sie ergreifen werden, sobald Sie eins der beiden Signale wieder wahrnehmen. Beispiele können sein: "Ich werde mich sofort mit einem Freund verabreden." oder "Ich werde innerhalb der nächsten zwei Tage zum Schwimmen gehen."

Gewöhnen Sie sich an, circa fünfmal täglich innezuhalten, um Ihre innere Anspannung bewusst wahrzunehmen und einzuschätzen. Fühlen Sie in sich hinein und ordnen Sie Ihre Anspannung auf einer Skala von 1 bis 10 ein. So bekommen Sie ein Gefühl für Ihr Befinden, erkennen Stress frühzeitig und können rechtzeitig entgegensteuern.

Erstellen Sie sich eine Regenerationsliste mit verschiedenen Tätigkeiten, die bei Ihnen für Freude, Genuss, Entspannung und Erholung sorgen. Gliedern Sie die Liste in kleine "Soforthelfer" für zwischendurch, Tätigkeiten für freie Stunden und Ausgleichsmöglichkeiten für freie Tage. So haben Sie in jeder Situation die richtige Maßnahme griffbereit. Von "spazieren gehen" und "ein Bad nehmen" über "ein Buch lesen" und "essen gehen" bis hin zu "ans Meer fahren" oder "einen Tag im Bett bleiben" gibt es zahllose Möglichkeiten – bestimmt fällt Ihnen noch einiges mehr ein. Damit Sie nicht erst aktiv werden, wenn der Stresspegel schon wieder ins Unermessliche gestiegen ist: Planen Sie für die nächsten zwei Wochen fix täglich eine Erholungs- und Entspannungseinheit ein.

Selbstfürsorge: die eigenen Bedürfnisse nicht vergessen

Psychisches Wohlbefinden entsteht nicht zuletzt dadurch, dass Sie Ihre eigenen Bedürfnisse wahrnehmen und befriedigen. Achten Sie auf unter anderem auf ...

  • genügend Schlaf,
  • liebevolle Zuwendung,
  • Bewegung an der frischen Luft,
  • genug Pausen,
  • Humor,
  • genug Freiraum,
  • aktive Entspannung,
  • ausgiebige Körperpflege,
  • Wünsche, die Sie sich erfüllen können,
  • gesunde Ernährung,
  • die nötige Abgrenzung (sagen Sie auch mal Nein) sowie
  • Achtsamkeit.

Bewusst wahrnehmen: Achtsamkeit

Gerade wenn wir stark unter Stress stehen, vergessen wir, innezuhalten, uns zu fokussieren und achtsam mit uns selbst umzugehen. Versuchen Sie einmal, verschiedene kleine Achtsamkeitsübungen in Ihren Alltag zu integrieren.

Trinken Sie Ihren Tee morgens nicht achtlos nebenbei, sondern genießen Sie die Wärme und nehmen Sie das Aroma ganz bewusst wahr. Achten Sie beim Duschen darauf, wie sich der Wasserdruck und die Temperatur auf Ihrem Körper anfühlen. Blenden Sie bei der Aufsicht auf dem Schulhof den Lärm einmal kurz aus und konzentrieren Sie sich auf das Vogelgezwitscher. Wenn Sie am Schreibtisch sitzen, halten Sie kurz inne und nehmen Sie bewusst wahr, wie sich Ihr Körper gerade anfühlt.

Sie sehen: Es gibt viele kleine, unkomplizierte Möglichkeiten, sich selbst etwas Gutes zu tun und dem Stress entgegenzuwirken. Haben Sie Geduld und erlauben Sie sich auch kleine Rückschritte – noch mehr Druck ist schließlich das Letzte, was Sie gerade gebrauchen können. Die gute Nachricht lautet aber: Schon kleine Schritte können viel bewirken. Bleiben Sie zuversichtlich!

Literatur

"Burnout-Falle Lehrerberuf? – Infos, Tests und Strategien zum Vorbeugen, Erkennen, Bewältigen" von Micaela Peter und Ulrike Peter, Verlag an der Ruhr, ISBN 978-3-8346-2325-6

"Gesundheitsrisiko Lehrerberuf? – Vermutungen und die Fakten" von Andreas Hillert und Dirk Lehr, Zeitschrift schulmanagement, Ausgabe 4/2013, www.schulmanagement-online.de/smt20130408

1 Entnommen aus: "Gesundheitsrisiko Lehrerberuf? – Vermutungen und die Fakten" von Andreas Hillert und Dirk Lehr, Zeitschrift schulmanagement, Ausgabe 4/2013, www.schulmanagement-online.de/smt20130408, S. 11

2 Entnommen aus: "Gesundheitsrisiko Lehrerberuf? – Vermutungen und die Fakten" von Andreas Hillert und Dirk Lehr, Zeitschrift schulmanagement, Ausgabe 4/2013, www.schulmanagement-online.de/smt20130408, S. 10

3 Entnommen aus: "Burnout-Falle Lehrerberuf? – Infos, Tests und Strategien zum Vorbeugen, Erkennen, Bewältigen" von Micaela Peter und Ulrike Peter, ISBN 978-3-8346-2325-6, Verlag an der Ruhr, S. 11

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  • eingestellt am 18.02.2015
Quelle

scook