"Multikulti" in der Schule

Interkulturelles Arbeiten mit Eltern und Schülern

Die Schulklassen werden zunehmend "bunter": Schüler aus allen Ecken der Erde und aus verschiedensten Kulturen wollen gemeinsam unterrichtet werden. Wie interkulturelle Arbeit gelingt und mit welchen Angeboten Sie Schüler und Eltern einbeziehen können, erklären wir Ihnen hier.
 Eine Kugel mit farbigen Handabdrücken symbolisiert die Erde.
In der Schule treffen Kulturen und Menschen unterschiedlicher Herkunft aufeinander; hier gilt es, das Verständnis füreinander zu schärfen.

Bunt gemischt: multikulturelle Klassen

Interkulturelles Arbeiten wird in der Schule immer wichtiger: Die Schüler kommen immer häufiger aus verschiedensten Teilen der Welt – und sie alle bringen ganz unterschiedliche kulturelle Hintergründe mit sich, die nicht selten im Widerspruch zu dem stehen, was wir hier gewohnt sind.

Schon Kleinigkeiten können zu Missverständnissen führen und gerade nonverbale Gepflogenheiten unterscheiden sich teilweise deutlich. Ein Schüler, der bei einem Rüffel den Blickkontakt partout meidet, muss nicht besonders unsicher oder gar desinteressiert sein – vielleicht ist er dieses "Blickverhalten" einfach gewohnt und möchte so Höflichkeit und Respekt ausdrücken.

Teilweise sind es dann aber nicht nur kleine Verschiedenheiten, sondern regelrechte Welten, die aufeinander prallen – und dann fällt es Ihnen als Lehrer womöglich schwer, richtig zu reagieren und souverän zu unterrichten. Basierend auf dem Grundschulratgeber "Interkulturelles Arbeiten mit Kindern und Eltern" von Barbara Weschke-Scheer (Cornelsen Scriptor, ISBN 978-3-589-16202-4) haben wir Ihnen die besten Tipps für ein erfolgreiches interkulturelles Arbeiten mit Eltern und Schülern zusammengestellt.

Die Eltern einbeziehen – von Anfang an

Auch wenn sich die Eltern mit der deutschen Sprache noch schwer tun: Achten Sie darauf, sie ganz bewusst mit niederschwelligen Angeboten zu involvieren. Ein wertschätzender Kontakt ist wichtig – und wenn Sie die Eltern erfolgreich mit ins Boot holen, profitieren auch die Schüler deutlich. Warten Sie also nicht, bis es drängenden oder vielleicht sogar potenziell konfliktreichen Gesprächsbedarf gibt. Gehen Sie wenn möglich schon bei der Schuleinschreibung ganz offen auf die Eltern zu. Zeigen Sie Interesse, fragen Sie nach dem Heimatland, den Gründen dafür, nach Deutschland zu kommen und auch nach den bisherigen Erfahrungen hier. Halten Sie wichtiges Informationsmaterial auch in der jeweiligen Landessprache bereit und geben Sie Tipps zu günstigen Deutschkursen. Statt zu sagen: "Schließlich müssen Sie die Sprache auch lernen." argumentieren Sie lieber damit, dass die Eltern ihrem Kind so besser bei den Hausaufgaben helfen und es besser unterstützen können.

Schaffen Sie beim ersten Elterngespräch eine einladende Atmosphäre und bieten Sie beispielsweise auch Nüsse, Plätzchen und Tee oder Kaffee an. Fallen Sie nie direkt mit der Tür ins Haus, sondern leiten Sie auch heiklere Themen immer zuerst mit einem netten Smalltalk ein. Bereiten Sie sich vorab darauf vor, dass die Vorstellungen von guter Erziehung womöglich deutlich auseinander liegen und verkneifen Sie sich ein (abwertendes) Urteil.

Achten Sie auch darauf, die Eltern von Schülern mit Migrationshintergrund nicht unbewusst nur dann anzusprechen oder einzuladen, "wenn es nicht anders geht". Niemand möchte nur Negatives hören – suchen Sie also auch zwischendurch immer mal wieder den Kontakt und finden Sie nette Worte. Die Eltern freuen sich garantiert, wenn Sie sie anrufen, um ihr Kind zu loben. Das muss gar nicht nur die Leistungen betreffen: Auch einen Schüler mit schlechten Leistungen können Sie für seinen Willen, sich zu bessern loben. Bringen die Eltern ihr Kind zur Schule und/oder holen es ab, bietet sich immer mal wieder eine schöne Gelegenheit für ein freundliches Wort oder eine positive Rückmeldung.

Einzelne Schultage, Projekttage oder eine ganze Projektwoche können Sie nutzen, um die kulturelle Vielfalt zu thematisieren und die Eltern einzubinden. Sie können mit den Familien Instrumente bauen – beispielsweise Trommeln – und über Musik und Tanz für eine besonders offene, fröhliche Atmosphäre sorgen. Sie können die Eltern einladen, etwas Typisches aus ihrem Heimatland zu kochen. Ein gemeinsames Picknick oder Frühstück, ein interkultureller Filmabend und auch Schul- und Sportfeste bieten sich ebenfalls an, um ganz zwanglos ins Gespräch zu kommen und Schüler und Eltern noch besser kennenzulernen. Gibt es Migranten-Eltern, zu denen Sie ein besonders gutes Verhältnis haben, können Sie sie bitten, andere Eltern einzuladen: Viele kommen eher, wenn sie von ihren Landsleuten angesprochen werden.

Die Schüler wertschätzen und inkludieren

Unterschiedliche Leistungsstände und Sprachbarrieren führen dazu, dass sich Migrantenkinder im Unterrichtsgeschehen oft nicht als gleichwertig fühlen. Wertschätzende nonverbale Kommunikation und kleine Rituale, bei denen sich alle auf gleicher Ebene begegnen, sind für sie deshalb besonders wichtig.

Dazu können Sie die "freundlichen Minuten" einführen, bei denen sich die Schüler ein Feedback geben und sich und ihre Mitschüler für etwas, das ihnen positiv aufgefallen ist, loben. Achten Sie auch darauf, Signal- und Symbolkarten einzusetzen, die unabhängig von den Sprachkenntnissen verständlich sind. Wenn Sie die Kinder nach Ihrem Befinden fragen, können Sie sie Klebepunkte auf einem "Stimmungsbarometer" anordnen lassen, statt sie zu mündlichen Schilderungen zu zwingen. Die Begrüßung in der jeweiligen Muttersprache und auch gemeinsames Singen typischer Lieder kann zusätzlich Brücken bauen.

Bleiben Sie außerdem offen, hinterfragen Sie immer wieder Ihre Einschätzungen und machen Sie sich mögliche Fehlurteile bewusst. Als Lehrer sind Sie darauf trainiert, schon kleine Signale in Körpersprache, Gestik und Mimik der Schüler zu interpretieren, damit Sie direkt reagieren können. Diese Intuition hilft Ihnen auch, mit den interkulturellen Verschiedenheiten angemessen umzugehen. Sie entwickeln schnell ein Gespür dafür, wie Sie mit einem besonders bescheidenen Schüler umgehen und wie Sie demgegenüber mit einem Schüler sprechen sollten, der immer im Mittelpunkt stehen muss. Vorläufige Urteile und intuitive "Arbeitshypothesen" sind also absolut in Ordnung – solange sie nicht in Stein gemeißelt sind und Sie offen dafür bleiben, sie gegebenenfalls anzupassen.

Betrachten Sie die interkulturelle Arbeit nicht nur als Herausforderung und Hindernis, sondern begreifen Sie sie als spannende Bereicherung und begegnen Sie jedem Schüler grundsätzlich mit Wertschätzung.


Literatur

"Interkulturelles Arbeiten mit Kindern und Eltern" von Barbara Weschke-Scheer, Cornelsen Scriptor, ISBN 978-3-589-16202-4

  • eingestellt am 21.01.2015
Quelle

scook