Moderne Medienerziehung

Schule und Social Media: Warum, wozu und wie

Facebook, Twitter, Instagram und Co.: Soziale Medien sind aus der Lebenswelt der Schüler nicht mehr wegzudenken. Was das für Sie als Lehrer bedeutet und wie Sie Social Media sinnvoll nutzen und einsetzen können, erfahren Sie hier.
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Foto: Fotolia/Rawpixel

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Warum Medienerziehung? Warum Social Media?

Unabhängig davon, ob das Internet für Sie ganz persönlich nun eher Fluch oder Segen ist: Es hat unsere Welt enorm verändert. Die Schüler wachsen heute mit Dingen auf, die ältere Generationen nie für möglich gehalten hätten – und sie gehen ganz selbstverständlich und unerschrocken mit diesen technischen Innovationen um. Ihre Eltern kommen meist gar nicht richtig mit, als Ansprechpartner oder gar Vorbilder werden sie von ihren Kindern darum nur bedingt ernstgenommen.

Doch auch wenn die Schüler heute ohne weiteres Apps installieren, Videos streamen und auf Facebook liken, teilen und posten können: Sie bleiben immer noch Kinder beziehungsweise Jugendliche, die oft viel zu sorglos agieren. Sie tappen in Abo-Fallen, verstoßen – ohne es zu wissen – gegen diverse Regeln und kassieren vielleicht sogar teure Abmahnungen; sie gehen zu arglos mit ihren eigenen und auch fremden Daten um oder werden zur Zielscheibe von Kriminellen oder sogar Pädophilen.

Ob uns die neuen Medien nun begeistern oder nicht: Um Kinder und Jugendliche auf das Leben nach der Schule vorzubereiten, ist Medienkompetenz schlichtweg eine zwingende Voraussetzung. Gerade der Bereich Social Media sollte dringend in der Schule thematisiert werden, denn er ist aus der Lebensrealität der Schüler nicht mehr wegzudenken.

Pflicht für Sie als Lehrer: Facebook

Vielleicht sind Sie privat schon auf Facebook unterwegs. Oder Sie sind erklärter Facebook-Hasser und haben sich bewusst gegen die Anmeldung entschieden. Womöglich haben Sie aber auch noch gar keine Erfahrungswerte mit dem sozialen Netzwerk. Fakt ist: Im Mai 2013 waren mehr als 30 Prozent der Deutschen als aktive Facebook-Nutzer registriert. Von den Jugendlichen zwischen 12 und 19 Jahren tummeln sich sogar 87 Prozent auf sozialen Netzwerken – und rund drei Viertel von ihnen bevorzugen dabei Facebook. Wenn Sie sich also in die Lebenswelt ihrer Schüler einfühlen können möchten und wissen wollen, mit was und wie sie sich beschäftigen, führt an Facebook kein Weg vorbei.

Die Plattform ist eine Art globale Kontaktbörse: Nutzer aus aller Welt können sich hier vernetzen, Kontakte reaktivieren und pflegen. Alte Schulfreunde finden sich wieder, neue Freunde lernen sich über ähnliche Interessen und Hobbys kennen und aktuelle Freunde und Bekannte bleiben auf dem Laufenden, wie sich das Leben der anderen entwickelt. Wichtig zu wissen ist dabei: Facebook wertet sowohl die persönlichen Daten als auch das Nutzerverhalten aus, um Werbeanzeigen zur Verfügung stellen und Werbeeinnahmen erzielen zu können. Davon sollten Sie sich jetzt jedoch nicht gleich abschrecken lassen – denn Facebook kann für Sie als Lehrer ausgesprochen nützlich sein.

  • Sie können Einblick in die Lebenswelt Ihrer Schüler gewinnen und sie besser verstehen.
  • Sie können ihr Medienverhalten im Auge behalten und – wenn nötig – eingreifen.
  • Sie können eine eigene Facebook-Gruppe für Ihre Klasse eröffnen und so die Kommunikation fördern und beobachten.
  • Sie können negative Dynamiken und speziell auch Cybermobbing frühzeitig erkennen und entsprechend aktiv werden.

Mit Persönlichem richtig umgehen

Soziale Netzwerke leben davon, dass die Nutzer persönliche Einblicke gewähren. Wer also gar nichts Persönliches von sich verraten möchte, ist auf den entsprechenden Plattformen schlichtweg falsch. Entscheidend ist jedoch die Grenze zwischen Persönlichem und Privatem. Dinge, die nur enge Freunde wissen sollen oder dürfen, gehören generell nicht in soziale Netzwerke. Bei allem anderen ist das richtige Augenmaß gefordert – und die Erkenntnis, dass wir uns über persönliche Daten, Kommentare oder Fotos immer auch angreifbar machen.

Facebook und Co. bieten eine Vielzahl von Privatsphäreeinstellungen an, die es erst mal zu durchschauen gilt. Meist ist es mit einigem Aufwand verbunden, die entsprechenden Einstellungen zu finden und zu verstehen. Trotzdem ist es wichtig, festzulegen, wer beispielsweise Fotos und Einträge sehen darf, wer Nachrichten oder Kommentare hinterlassen darf und wer Sie auf Bildern markieren darf.

Likes und Kommentare sollten nie unbedacht hinterlassen werden – häufig weiß man gar nicht, wer sie im Detail alles sehen kann. Verlassen Sie sich auch nicht blind auf die Privatsphäreeinstellungen. Wenn ein findiger Schüler nur kurz ihr Passwort knacken muss, um Bilder von der letzten feucht-fröhlichen Geburtstagsfeier oder deutliche Lästereien über Kollegen zu finden, helfen auch die besagten Einstellungen nicht. Entscheiden Sie also immer mit Bedacht, was Sie tatsächlich online stellen.

Schülerverhalten beobachten

Oft läuft die Mediennutzung so selbstverständlich "nebenher", dass die Schüler sie gar nicht mehr registrieren. Lassen Sie sie doch einmal eine Tabelle führen, welche Medien sie wie oft und wie lange nutzen. Welcher Anteil ist schulisch bedingt, in welchem Umfang nutzen die Schüler die Medien privat? Eine Umfrage, zum Beispiel zu den aktuellen Lieblingsfernsehsendungen der Schüler, gibt Ihnen zudem weitere Informationen über aktuelle Themen und Identifikationsfiguren.

Beobachten Sie Ihre Schüler auch auf den sozialen Netzwerken, in denen Sie ebenfalls aktiv sind. Selbstverständlich sollten Sie hier nicht ständig und überall in Erscheinung treten. Hin und wieder ist es aber sinnvoll, auf Schüleraktivitäten zu reagieren. Zum Beispiel dann, wenn mal wieder peinliche Schülerfotos online gestellt werden – ein kurzes "Bist du sicher, dass du willst, dass dein Lehrer das sieht?" kann hier im Sinne der Medienerziehung schon Wunder wirken.

Social Media für mehr Vertrauen

Die Problematik, dass die vermeintlich private Atmosphäre in sozialen Netzwerken zu Blauäugigkeit und sinkenden Hemmungen führen kann, hat auch eine positive Seite: Die Schüler nehmen die Netzwerke meist als geschützte Räume wahr und trauen sich eher, sich zu öffnen. Besonders schüchterne Schüler, die sich im Schulalltag "von Angesicht zu Angesicht" nicht trauen würden, mit Ihnen über Probleme zu sprechen, sind für die niedrigschwellige Kontaktmöglichkeit oft ausgesprochen dankbar.

Sie merken:
Wie überall sonst auch, gibt es im Bereich Social Media immer Licht und Schatten gleichermaßen. Konzentrieren Sie sich also nicht nur auf die negativen Seiten und die Gefahren, sondern nutzen Sie die Chancen, die Facebook und Co. Ihnen und Ihren Schülern bieten. So können Sie die sozialen Netzwerke gebrauchen, um einen noch besseren Zugang zu Ihren Schülern zu gewinnen – und sie darin unterstützen, zu verantwortungsvollen Nutzern zu werden.


Literatur

"99 Tipps: Social Media" von Gregory Grund und Barbara Kettl-Römer, Cornelsen Scriptor, ISBN 978-3-589-16219-2

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  • eingestellt am 09.12.2014
Quelle

scook