Praxisbeispiel aus einer Medienschule

BYOD-Unterrichtsidee für die Mathestunde

Eine achte Klasse irgendwo in Deutschland - an einer Schule, die in einigen Klassen einen 1:1-BYOD-Ansatz gewählt hat und mit WLAN ausgestattet ist: Seit knapp einem Jahr lernt diese Klasse nun mit mobilen Endgeräten – erlaubt sind Smartphones, Tablets und Laptops. Ein Besuch in der Mathematikstunde.
 Schüler beschäftigen sich mit verschiedenen digitalen Medien und Funktionen an ihrem Laptop.
BYOD ist ein Ansatz, bei dem Schüler ihre eigenen internetfähigen Geräte mitbringen und - vom Lehrer angeleitet - im Unterricht damit arbeiten.

In einer Gruppenarbeit eine Präsentation über einen berühmten Mathematiker zu erstellen, ist das Ziel der Mathematikstunde, bei der wir dabei sein dürfen. Die achte Klasse, die wir besuchen, arbeitet seit einem Jahr mit dem BYOD-Ansatz - jeder Schüler und jede Schülerin arbeitet mit einem selbst mitgebrachten digitalen Gerät. Wer über wen berichtet entscheidet das Los. Die Lehrerin hat vorab für alle Gruppen geltende Leitfragen formuliert, wie:

  • "Wann und wo wurde diese Person geboren?"
  • "Welche Erkenntnisse sind mit ihrem Namen verknüpft, erläutert kurz?"
  • "Was wisst ihr zu diesem Thema aus dem Unterricht?"
  • "Wann und wo starb die Person?"

Jede Antwort auf eine der Leitfragen soll auf einer Folie der Präsentation beantwortet werden.

Nachdem die Laptops hochgefahren und Smartphones sowie Tablets gezückt wurden, beginnen die Gruppen mit der Arbeit: Eine Gruppe arbeitet kooperativ - jedes Gruppenmitglied beantwortet eine Leitfrage. Am Ende steuert jeder einzelne seine Erkenntnisse auf einer Folie für die Ergebnispräsentation bei. Andere Gruppen recherchieren kollaborativ. Sie bearbeiten jede Leitfrage gemeinsam und nutzen dafür unterschiedliche Quellen.

Ihre Erkenntnisse dokumentieren die Schüler ganz unterschiedlich. Die einen tippen bereits in die Präsentationsfolien, während andere ihre Rechercheergebnisse erst handschriftlich auf Papier notieren und so vorstrukturieren. Für die Erstellung der Präsentation selbst tragen die Schülerinnen und Schüler ihre Ergebnisse dann zusammen.

Unsere Beobachtungen

Eines fällt auf: Bei beiden Vorgehensweisen ist jeweils nur ein Schüler pro Gruppe damit befasst, die Ergebnisse in die Struktur der Präsentationssoftware zu bringen. Nicht alle Gruppenmitglieder können den Bildschirm des Gerätes einsehen, auf dem die Präsentation Gestalt annimmt. Dieses Vorgehen nimmt insbesondere bei den kooperativ arbeitenden Gruppen, bei denen am Ende alle Ergebnisse zusammengetragen werden müssen, mehr Zeit in Anspruch, als wenn den Gruppen eine Möglichkeit zur Verfügung stünde, simultan an einem Dokument zu arbeiten, das gleichzeitig aber die Urheber der einzelnen Beiträge ausweist.

Weiterhin ist zu beobachten, wie die Kommunikation innerhalb der kooperativen Gruppen im Laufe der Arbeit abnimmt, während die kollaborativ arbeitenden Gruppen eher im Gespräch bleiben. 

Kompetenzen unterschiedlich ausgeprägt

Inhaltlich sind die Schülerleistungen sehr unterschiedlich, was in den unterschiedlichen Kompetenzen in der Informationsbeschaffung und deren Aufbereitung begründet scheint. Einige haben Mühe, im Internet nach verlässlichen Quellen zu suchen und diese zu bewerten. Eine weitere Herausforderung ist das Formulieren von Suchbegriffen. Hier hätten gestufte Hilfestellungen einigen Schülerinnen und Schülern eine Orientierungsmöglichkeit geben können. In Hinblick auf den Aufbau der Präsentationen sind einzelne Gruppen sehr kreativ: Neben Audios und Videos, fügen sie Bilder und Animationen ein. Andere sind mit der Bedienung des Programms nicht so vertraut und beschränken sich auf schlichtere Präsentationen.

Zuletzt werden die einzelnen Dateien auf den Schulserver geladen, bevor die Gruppenpräsentationen beginnen. Nach und nach tragen die Gruppen ihre Erkenntnisse über beispielsweise Thales, Laplace oder Pythagoras vor. Das Präsentieren scheint für die Schülerinnen und Schüler dieser achten Klasse zum Alltag zu gehören, denn die Arbeitsergebnisse werden ansprechend vorgestellt. Offenbar scheint diese Kompetenz bei Lernenden in Medienklassen gefördert zu werden.