Tipps & Anregungen für den Lehreralltag

Zehn Ideen für mehr Vernetzung und Kooperation

Sie stürzen sich täglich ins Getümmel und sind doch mit vielem allein: Sie stehen allein vor Ihrer Klasse, führen alleine Gespräche und bereiten allein Ihre Stunden vor. Dabei muss gar nicht alles auf Ihren Schultern lasten: So profitieren Sie von Synergien und finden Entlastung und Inspiration.
 Lehrkräfte sitzen zusammen am Tisch.
Den Einzelkämpfer ablegen: Kooperation unter Lehrkräften.

Gemeinsam geht es leichter: Schnelle Impulse für mehr Vernetzung (nicht nur) unter Kollegen

Ganz gleich, ob Sie bisher als reiner Einzelkämpfer unterwegs waren oder schon einige Kooperationen auf die Beine gestellt haben: Es lohnt sich garantiert, auf andere zuzugehen und sich zusammenzutun. Das klappt zum Glück auch ganz unkompliziert – denn Ihr Schulalltag steckt voller toller Möglichkeiten, sich gegenseitig zu inspirieren und zu unterstützen. Zehn einfache Ideen haben wir Ihnen schon einmal zusammengetragen. In der Praxis werden Ihnen bestimmt noch viele weitere Chancen begegnen!  

1.       Alles eine Frage der Einstellung.

Ihre innere Haltung ist entscheidend, wenn es um das Finden und Nutzen von Kooperationsmöglichkeiten geht. Wer den Lehrerjob als reine One-Man- oder One-Woman-Show begreift, der wird sich natürlich grundsätzlich schwerer tun, auf Kollegen aktiv zuzugehen. Versuchen Sie einmal, sich selbst nicht als reinen Einzelkämpfer zu sehen, der alles alleine im Griff haben muss – betrachten Sie sich lieber als einen Experten, der noch ein starkes Spezialistenteam im Rücken hat. Was spricht dagegen, das Spezialistenwissen anzuzapfen? Ganz genau: nichts.

2.       Der Unterricht hat Methode.

Auch mit Kollegen anderer Fächer können Sie sich wunderbar austauschen: Gute Unterrichtsmethoden lassen sich schließlich häufig auch für andere Fächer adaptieren. Fragen Sie Ihre Kollegen doch einmal, welche "Klassiker" sie immer wieder aus der Methodenkiste kramen und welche Stundengestaltungen in den letzten Wochen bei ihren Schülern besonders gut ankamen. Berichten Sie auch von Ihren Erfahrungen – so bringen Sie sich ganz leicht gegenseitig auf tolle neue Unterrichtsideen.

3.       Unterschiede können helfen.

Wahrscheinlich werden Sie sich intuitiv vor allem an die Kollegen wenden wollen, die ähnlich "ticken" und vielleicht sogar die gleichen Fächer unterrichten. Gehen Sie aber auch bewusst auf die Kollegen zu, mit denen Sie sonst weniger Gemeinsamkeiten haben. Durch Ihre unterschiedlichen Schwerpunkte und Stärken können Sie viel voneinander lernen – und sich womöglich doch überraschend gut ergänzen.

4.       Hinter dem Netzwerk liegt noch ein Netzwerk.   

Suchen Sie ruhig auch über Ihr offensichtliches Arbeitsumfeld hinaus nach netten Kontakten und bereicherndem Input. Jenseits Ihres klassischen Schulnetzwerks können Sie oft wertvolles Wissen anzapfen, das Ihnen im Schulalltag wiederum zugute kommt. Eine gute Freundin Ihrer Freundin ist Yoga-Lehrerin? Dann fragen Sie auf der nächsten Party doch zum Beispiel nach Yoga-Übungen, die Sie auch im Klassenraum einsetzen könnten.

5.       Nur nicht stehen bleiben.

Fachlich bilden Sie sich natürlich ohnehin immer weiter. Aber auch über unmittelbar schulbezogene Themen hinaus lohnt es sich, Erfahrungen, Wissen und Kompetenzen zu sammeln. Besuchen Sie Workshops und Kursangebote, die Sie privat interessieren, und lassen Sie sich für Ihren Schulalltag inspirieren. Beim Selbstverteidigungskurs lernen Sie vielleicht gute Deeskalationsübungen – oder Ihr Kalligrafie-Workshop inspiriert Sie zu besonders schön beschrifteten Arbeitsblättern.

6.       Die Dinge locker angehen.

Im hektischen und meist eher formellen Schulumfeld fällt entspanntes Netzwerken oft schwer. Probieren Sie es also auch mit informelleren Wegen und regen Sie Kontaktmöglichkeiten außerhalb des Lehrerzimmers an. Von der simplen WhatsApp-Gruppe für unbürokratischen Austausch und schnelle Hilfe bis zur Einladung zum Abendessen bei Ihnen zu Hause: Lockere Stimmung erleichtert auch das Netzwerken.

7.       Geben, nehmen und langfristig denken.

Echte Vernetzung funktioniert nur dann, wenn Sie nicht bei jedem Gespräch sofort einen "Nutzencheck" für sich machen. Netzwerke leben von einem langfristigen, guten zwischenmenschlichen Kontakt. Achten Sie also darauf, nicht nur zu nehmen, sondern sich auch immer wieder anzubieten, aufmerksam zuzuhören, Ihre Kontakte zu pflegen und die anderen ganz ohne Erwartungshaltung zu unterstützen.

8.       Konkrete Frage – konkrete Antwort.

Scheuen Sie sich nicht, ganz konkret um Hilfe oder Anregungen zu bitten. Wer das tut, signalisiert dem anderen, dass er ihm zutraut, helfen zu können. Ihre Bitte um Unterstützung oder Rat ist also immer auch ein Vertrauensbeweis, über den sich Ihr Gegenüber freut. Je konkreter Ihr Anliegen ist, desto besser eignet es sich außerdem als Aufhänger für einen Austausch, von dem alle profitieren. Fragen Sie Ihre Kollegen doch zum Beispiel einmal ganz direkt, auf welche "Zeitsparer" sie im Unterrichtsalltag schwören. Von Tipps für schnelleres Korrigieren bis zu cleveren Organisationstipps für die Unterrichtsmaterialien werden alle etwas für sich mitnehmen – und es lohnt sich, die eigenen Gewohnheiten regelmäßig zu überdenken.

9.       Wach bleiben und zugreifen.

Bleiben Sie offen für Kooperationsmöglichkeiten und achten Sie auch auf kleine Gelegenheiten, die sich auftun. Je mehr Übung Sie darin sammeln, desto leichter erkennen Sie Vernetzungschancen. Zum Start nehmen Sie sich zunächst vor, einen Monat lang ganz bewusst auf Möglichkeiten der Zusammenarbeit zu achten. Den nächsten Elternabend beispielsweise können Sie natürlich wieder alleine vorbereiten – oder Sie nutzen die Gelegenheit, tun sich mit einem Kollegen zusammen und teilen die Aufgaben untereinander auf.

10.    Regelmäßig zusammenkommen.

Machen Sie es sich zur Gewohnheit, sich regelmäßig mit Ihren Kollegen auszutauschen.Setzen Sie sich zusammen und überlegen Sie gezielt, welche Projekte Sie gemeinsam angehen könnten. Von der Hospitation über das Teamteaching bis zum gemeinsamen Unterrichtsgang haben Sie jede Menge Möglichkeiten. Auch ein gemeinsamer Materialpool kann sich lohnen und Ihnen allen viel Zeit und Arbeit sparen. Überlegen Sie außerdem regelmäßig, wer Expertenwissen hat, von dem die anderen profitieren könnten. Sie haben sich im DaZ-Bereich fortgebildet, eine neue Unterrichtsmethode für sich entdeckt oder sich Bürogymnastik-Übungen zur Rückenstärkung angewöhnt? Dann teilen Sie Ihr Wissen mit den anderen. Gegenseitige Mini-Fortbildungen und -Coachings bringen alle Beteiligten voran. Gemeinsam machen Sie sich das Lehrerleben eben wirklich leichter!

Quellen:

"Zeit- und Selbstmanagement für Lehrende" von Dagmar Rohnstock, Cornelsen Scriptor Praxis, ISBN 978-3-598-23396-0, S. 133 f.

"99 Tipps: Erfolgreich durch das Referendariat" von Ilona Dohnicht-Fioravanti, Regina Pols und Claudia Schönherr-Heinrich, Cornelsen Scriptor, ISBN 978-3-589-22934-5, S. 19 f. sowie S. 30 f.


  • eingestellt am 07.02.2017
Autor

scook