Start ins Digitale auch im Sportunterricht

Schulleiter und Medienexperte Holger Mittelstädt über den erfolgreichen Einsatz digitaler Medien im Unterricht.
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Moderne Medien sinnvoll im Sportunterricht einsetzen? Das geht!

Wie setze ich die modernen Medien sinnvoll im Unterricht ein? Wie gehe ich mit möglichen – vor allen Dingen rechtlichen – Problemen um? Welches technische Know-how muss ich unbedingt haben?  Allesamt Fragen, die Holger und Rainer Mittelstädt in Ihrem Ratgeber "Digitale Medien im Unterricht" beantworten. Im Interview verrät Holger Mittelstädt außerdem, wie einfach der Einstieg ins Digitale funktionieren kann und welche Regelungen für den Schulalltag wichtig sind.

Herr Mittelstädt, Sie sind Leiter einer Grundschule und Experte für moderne Medien im Unterricht. Das heißt, in Ihrer Schule wird intensiv mit den modernen Medien gearbeitet?

Holger Mittelstädt: Seit einigen Jahren arbeiten wir mit Tablet PCs im Unterricht. Wir haben zwei Klassensätze und ermutigen diejenigen Kollegen, die bislang kaum oder gar nicht mit modernen Medien gearbeitet haben, bei erfahrenen Kollegen zu hospitieren. Außerdem ist der Umgang mit den modernen Medien immer wieder Gegenstand schulinterner Fortbildungen.

Wie kann denn ein einfacher und gleichzeitig erfolgreicher Einstieg mit modernen Medien im Unterricht aussehen?

Holger Mittelstädt: Auch wenn es seltsam klingen mag: Der Sportunterricht eignet sich ganz hervorragend dafür. Wenn die Schüler zum Beispiel Ballwurf oder Hochsprung trainieren, können sie sich dabei gegenseitig mit dem Tablet oder mit dem Smartphone filmen. Anschließend können sie sich ihren Bewegungsablauf ansehen. Diese direkte Rückmeldung an die Schüler funktioniert deshalb so viel besser als eine nur mündliche Korrektur durch den Lehrer, weil die Schüler selbst sehen, was sie richtig oder falsch gemacht haben und wo sie etwas verbessern müssen. Und für diesen Tablet-Einsatz muss man bloß eine Kamera-App bedienen können -  das ist sehr einfach.

Das gilt auch für andere Fächer?

Holger Mittelstädt: Ja. Wir arbeiten bereits mit jüngeren Schülern im Mathematikunterricht mit Tablet PCs. Ein Beispiel: Sachaufgaben. Die Schüler werden angeregt, in einem kleinen Video oder in einer Bilderfolge eine Sachaufgabe darzustellen. Oder sie bekommen die Aufgabe, sich eine Sachaufgabe auszudenken, einen kleinen Film zu drehen und den anderen Schülern zu zeigen. Etwa: Auf dem Schulhof liegen zehn Steine und der Bauarbeiter braucht fünf davon.  Oder im naturwissenschaftlichen Unterricht: In einer AG zum Beispiel produzieren Schüler kleine Lehrvideos für andere Schüler. Aber das ist nur ein Ausschnitt. Die Schüler nutzen auch Lern-Apps im Unterricht oder sie recherchieren im Internet und lernen, reflektiert und kritisch mit den Medien und den Informationen aus dem Internet umzugehen.

Nun vergeht ja kaum ein Tag ohne Warnung vor den sozialen Medien wie Facebook, WhatsApp und Co. Wie geht ihre Schule damit um?

Holger Mittelstädt: Wir nehmen diese Bedenken sehr ernst.  Wir appellieren zum Beispiel auch an die Eltern, auf den verantwortlichen Umgang ihrer Kinder mit den modernen Medien und mit Social Media zu achten. Dabei helfen uns manchmal sogar die Social Media-Konzerne. Also ganz aktuell hat WhatsApp eingeführt, dass die Nutzung dieses Angebots erst ab 16 Jahren statthaft ist. Wenn dann Eltern zu mir kommen und berichten, dass Kinder in einer WhatsApp Gruppe in der siebten oder achten Klasse gemobbt werden, dann ist das ein ernstzunehmendes Problem und wir reden mit den Schülern. Aber rechtlich gesehen dürfen diese Schüler WhatsApp gar nicht benutzen. Hier greift auch die elterliche Verantwortung.

Also WhatsApp-Gruppen mit Schülern und Lehrern sind nicht zu empfehlen?

Holger Mittelstädt: Davon rate ich ab. Da bin ich sehr vorsichtig, denn zwischen der Schule und der Privatsphäre sollte eine Grenze gezogen werden. Übrigens: In manchen Bundesländern ist das auch gar nicht statthaft.

Das heißt, auch Facebook und Co. sind an Ihrer Schule kein Thema?

Holger Mittelstädt: Wir nutzen Facebook nicht für die Kommunikation mit den Schülern, wohl aber dazu, um mit Eltern und anderen Zielgruppen in Kontakt zu bleiben. Mit ihnen kommunizieren wir über die Schulhomepage, aber auch über Facebook.

In Ihrem Buch widmen Sie ein großes Kapitel dem Thema Gestaltung. Fernab von Problemen wie Social Media, Privatsphäre oder Datenschutz klingt dies zunächst eher profan. Warum war Ihnen das Thema so wichtig?

Holger Mittelstädt: Wir wollen ja erfolgreich mit unserem Unterricht sein und erreichen, dass Schüler etwas lernen. Da spielt die Gestaltung der verschiedenen Arbeitsblätter, Unterlagen und Präsentationen eine wichtige Rolle. Wenn aber zum Beispiel bei einer Präsentation eine Animation, zu viel Grafiken oder zu viel Farbe vom eigentlichen Inhalt ablenken, dann führt das nicht zum Ziel. Eine Werbeagentur, die eine Anzeige für einen Kunden gestaltet, will erfolgreich sein, sie will eine Botschaft vermitteln. Dazu muss sie Grundregeln beachten. Und die Präsentation einer Lehrkraft oder eines Schülers wird immer dann erfolgreich sein, wenn diese Grundregeln berücksichtigt werden. Deswegen haben wir der Gestaltung so viel Raum gegeben.


  • eingestellt am 08.06.2018
Autor

scook

  • Zur Person

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    Holger Mittelstädt ist Schulleiter und Schulentwicklungsberater in Brandenburg. Er unterrichtet Musik und Deutsch und ist in der Lehrer- und Schulleiterfortbildung, als Lehrbeauftragter an der Pädagogischen Hochschule Weingarten, sowie als Autor zum Thema Unterrichts- und Schulmanagement tätig.

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