"Lehrer arbeiten weniger ins Ungewisse hinein"

Schüler-Feedback per Smartphones

Wie gut kommt der Lehrstoff bei den Schülern an? Welche Arbeitsmethoden sind erfolgreich? Und wird die Leistungsbeurteilung des Lehrers von ihnen als gerecht bewertet? Dank Schüler-Feedback soll Unterricht besser werden. An der Leuphana Universität Lüneburg wurde jetzt dafür sogar eine App entwickelt, mit der die Schüler ihr Urteil per Smartphone übermitteln können. Doch unabhängig von der Bewertung per Smartphone oder Fragebogen: Wie wichtig ist Schüler-Feedback tatsächlich? Das wollten wir vom Schulentwicklungsberater und Publizisten Michael Felten wissen.
 Über einer Gruppe von Schülern schweben leere Gedankenblasen.
Schülerfeedback ist ein wichtiges Instrument zur Einordnung der eigenen Leistung und zur Verbesserung des Unterrichts.

scook: Herr Felten, wie wichtig sind Rückmeldungen der Schüler für die Lehrer und für die Qualität des Unterrichts?

Michael Felten: Der Unterricht kann noch so gut geplant sein: Wenn ein Lehrer zu wenig darüber weiß, wie die Schüler neue Inhalte auffassen, welche Schwierigkeiten sich ihnen stellen, oder wann sein Verhalten auf sie ermunternd oder ängstigend wirkt - dann kann er sie beim Lernen nicht angemessen unterstützen und seine Impulse nicht optimal anpassen.

Wie können solche Rückmeldungen ganz konkret ablaufen?

Schülerrückmeldungen sind ja nichts gänzlich Neues: Mündliche Äußerungen im Unterricht, der Lehrerblick in die Arbeitshefte während Übungsphasen oder am Wochenende, schließlich die Qualität ihrer Leistungen bei schriftlichen Tests - das alles gab Lehrern immer schon einen gewissen Aufschluss über ihr Wirken. Aber manches erfahren sie so nicht (v.a. kommunikativ-emotionale Aspekte), manches zu selten (individuelle inhaltliche Missverständnisse) - und manches einfach zu spät (denn bei der Testkorrektur ist die Sache aus Schülersicht bereits gelaufen).

Nun macht es wenig Sinn, die Schüler pauschal nach der Qualität des Unterrichts zu befragen (sonst erhält man etwa so erheiternd-unnütze Antworten wie "am besten gefallen mir die Stunden, in denen Sie das grüne Jackett tragen". Hilfreich wäre dagegen zweierlei: Einerseits mehr Detailecho zum Stoffverständnis (etwa mit "Miniselbsttests"), andererseits eine häufigere sachbezogene Kommentierung des Unterrichts, und zwar anhand von Kriterien, die den aktuellen Stand der Unterrichtsforschung widerspiegeln (etwa die "EMU"-Fragebögen nach Helmke et al., punktuell oder systematisch, nur selbstreflexiv oder im Rahmen kollegialer Hospitation). Auch Lerntagebücher können dem Lehrer wichtiges (weil nicht standardisiertes) Feedback geben - allerdings nur, wenn er sie auch regelmäßig liest.

Zu Beginn eines neuen Themas, nach jedem Wochenende: ein MiniSelbstTest 

  • Lehrer stellt drei Fragen zum Vorwissen.
  • Jeder Schüler probiert eine eigene Lösung.
  • Dann beurteilt er den Lösungsversuch des Nachbarn.
  • Nun debattieren beide über Unterschiede.
  • Anschließend vergleichen sie ihre Versuche mit einer Musterlösung.
  • Restliche Fragen werden im Plenum geklärt.

(aus Michael Felten & Elsbeth Stern: Lernwirksam unterrichten. Cornelsen 2014)

Wie steht es um die Konsequenzen aus den Rückmeldungen?

Die erwähnten Rückmeldungsformen sind sehr sachorientiert angelegt, sie bergen also für Lehrer ein viel geringeres Kränkungsrisiko als alle "Spick mich"-Varianten - und sind damit auch für Schüler vollkommen ungefährlich. Im Gegenteil: Lehrer arbeiten so weniger ins Ungewisse hinein, und Schüler erhalten die Gelegenheit zur Beteiligung, sind also zusätzlich aktiviert.

Schreiben Sie uns!

Welche Erfahrungen haben Sie mit Schüler-Feedback gemacht? Wie wichtig ist das Feedback für Ihren Unterricht? Und holen Sie regelmäßig das Feedback Ihrer Schüler ein? Schreiben Sie uns, wir sind gespannt auf Ihre Antworten und wünschen uns eine lebhafte Diskussion!

E-Mail: info@scook.de


  • eingestellt am 18.06.2015
Autor

scook