Plädoyer für professionelle Intervention

Strategischer Umgang mit Unterrichtsstörungen

Nicht selten reagieren Lehrkräfte auf Störverhalten von Schülern reflexhaft und geradezu in der Form von Übersprungshandlungen, ohne viel nachzudenken und abzuwägen. Besonders ungünstig ist es, wenn dann auch noch auf immer dieselbe Weise reagiert wird und dieses Verhalten, falls es nicht zur Beendigung der Störung führt, lediglich verstärkt wird nach dem Motto "Mehr von dem, was nicht funktioniert", d. h. wenn dann z. B. nur energischer getadelt oder gedroht oder gestraft wird. Sinnvoller und Erfolg versprechender ist es, überlegt und gestuft vorzugehen und dabei eine gewisse Strategie einzuhalten. Ein Beitrag von Werner Sacher.
Shutterstock/racorn

Die erste Frage, die Lehrkräfte sich beim Umgang mit Unterrichtsstörungen stellen sollten, ist: Wurde die vermeintliche Störung überhaupt richtig beobachtet?

Wir nehmen stets selektiv wahr. Im Unterrichtsalltag werden häufig Störungen bestimmter Schüler übersehen und die anderer Schüler überzufällig oft bemerkt. Schüler, die uns tagtäglich das Leben schwer machen, behalten wir intensiver im Auge als andere, die uns weniger Ärger bereiten. Das schließt aber nicht aus, dass auch diese anderen sich gelegentlich fehlverhalten. Leicht werden auch der Störung vorangehende Verhaltensweisen und Ereignisse und Rahmenbedingungen der Situation übersehen. Z. B. kann der Ellbogenstoß eines Schülers gegen seinen Banknachbarn der energische Versuch sein, dessen Ablenkungsversuche abzuwehren. In solchen Fällen kann eine voreilige Intervention der Lehrkraft kontraproduktiv sein und weitere Störungen auslösen.

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  • eingestellt am 24.03.2014
Autor

Prof. i. R. Dr. Werner Sacher

war Inhaber des Lehrstuhls für Schulpädagogik an der Universität Erlangen-Nürnberg.

  • Quelle

    Dieser Artikel stammt aus dem Magazin Schulmanagement 2/2012. Die aktuelle Ausgabe finden Sie auf www.oldenbourg-klick.de.

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