Unsere Schülerautorin teilt mit uns ihre Erfahrungen mit Flüchtlingen in ihrer Schule.

Let´s do it

"Ok, wir gehen jetzt dahin und sagen einfach "Hi". Wir gucken sie jetzt schon seit zehn Minuten an, die denken wahrscheinlich sonst was von uns." Wie oft hatten wir uns das schon überlegt. Doch nie hat sich jemand getraut, obwohl die Flüchtlinge schon seit über einem halben Jahr an unserer Schule sind.
 Mehrere Schüler zeigen mit dem Daumen nach oben.
Schüler integrieren Flüchtlinge in ihre Gemeinschaft.

"Ok, wir gehen jetzt dahin und sagen einfach "Hi". Wir gucken sie jetzt schon seit zehn Minuten an, die denken wahrscheinlich sonst was von uns". Also nahmen wir all unseren Mut zusammen und gingen zu den drei Flüchtlingen von unserer Schule. Wir unterhielten uns die ganze Pause mit ihnen und waren überrascht, wie gut sie schon Deutsch sprachen. In der nächsten Stunde erzählten wir unserer Italienischlehrerin davon. Sie unterrichtet eine der "Willkommensklassen" und war begeistert. "Ihr könnt gerne mal Freitag in der ersten Stunde helfen kommen. Sie würden sich bestimmt alle freuen, sich mit euch zu unterhalten."

Gesagt, getan. Von da an gingen wir jeden Freitagmorgen in die Cafeteria, spielten Spiele, und redeten. Zu Beginn war es schwer sich alle Namen zu merken, vor allem bei der Aussprache hatten wir Probleme. Wir versuchten, die Flüchtlinge dazu zu ermutigen, zu reden, und dass es ihnen nicht unangenehm sein braucht, wenn sie ein Wort nicht wussten.  Mit jeder Stunde verstanden wir uns besser mit den Jungen und Mädchen. Schon bald trafen wir uns auch in den Pausen und planten gemeinsame Unternehmungen. Immer mehr Leute kamen, um zu helfen. Am Ende waren wir eine Gruppe von 15 Schülern.

Ich hörte mich ein bisschen um. Von meinen Freunden hatte keiner die Möglichkeit, bei ihren Flüchtlingen zu helfen. Die Regierung und die Lehrer reden immer davon, man müsse versuchen sie zu integrieren. Aber niemand sagt uns, wie man das machen soll. Jedoch denken nicht alle daran zu helfen. Jeder hat bestimmt schon mitbekommen, wie sehr die Kanzlerin für ihre Politik kritisiert wird. Man soll nicht alle aufnehmen, viele haben Angst vor Überfremdung und Gewalt. Es ist erschreckend, wie wenig sich manche Menschen in andere hineinversetzen und Empathie zeigen können.

Stellt euch vor, hier in Deutschland herrsche ein Krieg wie momentan in Syrien und anderen Ländern. Man versucht zu fliehen, um sein Leben zu retten, nimmt eine unglaubliche Strecke auf sich, harrt in Lagern und Zelten bei unmenschlichen Bedingungen aus. Dann kommt man endlich am Ziel an, wo Frieden herrscht, und man wird verstoßen, weil die dortige Bevölkerung keine Flüchtlinge in ihrem Land haben möchte. Wir alle würden erwarten, dass uns andere Länder in einer Notlage helfen. Es ist sehr schwer, mit der Situation und so vielen Menschen umzugehen, aber jedes menschliche Leben ist kostbar. Wir, die im Wohlstand leben, haben nun die Aufgabe, zu versuchen, es den Flüchtlingen so angenehm wie möglich zu machen, damit sie nicht jederzeit an ihre schrecklichen Erlebnisse denken müssen. Eine Stunde in der Cafeteria ist ein kleiner Anfang. Zeit, dass wir aufhören zu zweifeln und anfangen zu handeln.

  • eingestellt am 06.09.2016
Autor

Johanna, Schülerautorin für scook

  • Johanna (15 Jahre) aus Berlin

    Lieblinsmusik: Pop, HipHop, Rap.
    Lieblingsbücher: Silber-Triologie, Selection-Triologie
    Lieblingsessen: Crepés
    Hobbies: Reiten, Gitarre spielen, Nähen, Badminton