Kurz, kürzer, Kurzschrift

Die Kunst des schnellen Schreibens

Was für manch einen nach wirren Linien und Hieroglyphen aus einer anderen Zeit aussehen mag, verhilft anderen zu Höchstgeschwindigkeiten: Die Stenografie ist das Mittel der Wahl, wenn es um schnelles Schreiben geht.
 Ein Blatt Papier auf dem etwas in Stenographie geschrieben wurde.
Wichtigste Informationen in kürzester Zeit mitschreiben.

Das Wort "Stenografie" leitet sich aus den griechischen Wörtern "stenós" und "gráphein" ab, die zusammengenommen so viel wie "enges Schreiben" bedeuten. Abgekürzt meist nur als "Steno" oder Kurzschrift bezeichnet, ermöglicht sie in ihrer höchsten Form, gesprochene Sprache zeitgleich mitzuschreiben. Für wortgenaue Protokolle bei Verhandlungen und auch zum Beispiel im Deutschen Bundestag ist sie deshalb ein unverzichtbares Mittel, das auch im Schulalltag von enormem Vorteil sein kann.

"Steno" steht meistens als Oberbegriff für die Gesamtheit aller Kurzschriftsysteme. In Deutschland und Österreich verwenden wir nahezu ausschließlich die bereits 1924 geschaffene Deutsche Einheitskurzschrift (DEK); weltweit gibt es etliche unterschiedliche Systeme mit eigenen Zeichen und Regeln, die je nach Land und Sprache variieren. Das Stenografieren an sich ist dabei keine Erfindung der Neuzeit, denn schon im ersten Jahrhundert vor Christus schuf Marcus Tullius Tiro mit den nach ihm benannten "Tironischen Noten" ein Stenografiesystem für das Römische Reich.

Stufe für Stufe zum Erfolg

Die DEK gliedert sich in drei Unterstufen: Verkehrsschrift, Eilschrift und Redeschrift. Wer die Grundlage, die Verkehrsschrift sicher beherrscht, verfügt über eine Schreibgeschwindigkeit von ca. 120 Silben pro Minute – und ist damit bereits dreimal schneller unterwegs, als mit der normalen Langschrift, die es selbst bei großer Anstrengung auf eine Schreibgeschwindigkeit von gerade 40 Silben pro Minute schafft! Die nächste Stufe, sprich die Eilschrift, ermöglicht das Mitschreiben von bis zu 220 Silben pro Minute und mit der Redeschrift sind sogar Geschwindigkeiten bis 475 Silben pro Minute möglich. Der aktuelle Rekord unter Anwendung der Deutschen Einheitskurzschrift beläuft sich auf 520 Silben pro Minute und wurde im Jahre 1974 von Josef Hrycyk aufgestellt. Das ist rund dreizehnmal Schneller als die normale Langschrift!

Kringel, Striche, Schlaufen und Wellen

Für viele Personen mag ein in Steno verfasster Text, das sogenannte Stenogramm, schlichtweg chaotisch erscheinen. Das Geheimnis hinter der Geschwindigkeit und den vielen unbekannten Zeichen der Deutschen Einheitskurzschrift lässt sich, zumindest für die Verkehrsschrift, auf fünf wesentliche Merkmale zurückführen:

  1. Die Mitlaute sind oft nur noch Teile der Langschriftbuchstaben. Statt eines vollen "t" schreibt man so zum Beispiel nur einen einfachen Strich.
  2. Für gehäuft auftretende Mitlautverbindungen (z. B. "br", "ng", "schw" und viele weitere) existieren eigene, äußerst zeitsparende Zeichen.
  3. Selbstlaute werden nicht buchstäblich geschrieben und stattdessen durch die Verbindung und Position der einzelnen Zeichen zueinander bezeichnet. Eine kurze Verbindung zweier Zeichen ersetzt in der DEK beispielsweise das "e".
  4. Die Rechtschreibung ist vereinfacht. Es wird nicht nur auf Groß- und Kleinschreibung, sondern auch auf das Dehnungs-h und doppelte Buchstaben verzichtet.
  5. Für die häufigsten Wörter der deutschen Sprache existieren eigene Zeichen, die sogenannten Kürzel.

In den höheren Stufen der DEK treten weitere Kürzungsregeln hinzu, bei denen im Nachhinein sicher ergänzbare Wort- und Satzteile sowie weitere Buchstaben ausgestoßen werden und dem Stenografen zu weiterer Geschwindigkeitssteigerung verhelfen. 

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Auch schnell mitschreiben will gelernt sein.


Mit der Kurzschrift durch den Schulalltag

Die Kurzschrift erlaubt es also, Dinge im Gegensatz zur gewöhnlichen Langschrift deutlich schneller niederzuschreiben. So bleibt man auch im Schulalltag bei schnellen Lehrervorträgen, hitzigen Unterrichtsgesprächen, leidenschaftlichen Diskussionsrunden und der kurzfristigen Bekanntgabe von Klausurinhalten auf Zack und hat genügend Zeit, um die wichtigsten Informationen mühelos mitzuschreiben – ganz ohne technische Hilfsmittel, nur mit Stift und Papier und ohne das schlechte Gefühl, die Hälfte des Gesagten verpasst zu haben.

Auch längere Texte, Aufsätze und Referate lassen sich in Kurzschrift problemlos mit großer Zeitersparnis skizzieren. Nicht zuletzt geben in Steno verfasste Nachrichten und Texte darüber hinaus eine ausgezeichnete Geheimschrift ab; ohne die Systemkenntnis sind sie für neugierige Außenstehende nämlich nicht zu entziffern und sorgen des Öfteren für erstaunte Blicke bei den Mitschülern.

Ohne Fleiß kein Preis

Kurzschrift ist ein effektives Hilfsmittel, das jeder, der es verwenden kann, nicht mehr missen möchte. Dennoch muss auch die Kurzschrift ernsthaft gelernt werden – Zeichen, Kürzel und Kürzungsregeln wollen nicht nur gepaukt, sondern auch ausführlich praktisch geübt werden. Mehr als irgendwo sonst gilt bei der Kurzschrift: "Übung macht den Meister". Wer bereit ist, sich hiermit auseinanderzusetzen und sich mitunter an der einen oder anderen Stelle auch "durchzubeißen", findet mit entsprechenden Kursen der örtlichen Stenografenvereine oder der Volkshochschulen sowie den Selbstlernprogrammen in Buchform einen erfolgreichen Einstieg in das schnelle Schreiben.


  • eingestellt am 14.02.2018
Autor

Marvin, Schülerautor für scook

  • Marvin (18 Jahre) aus Greven

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    Hobbies: Luftfahrt, Kurzschrift, Mitarbeit in der Wikipedia