Lektüre für den Deutsch- und Englischkurs - unsere Schülerautorin empfiehlt

"Die Glasglocke" von Sylvia Plath

Unsere Schülerautorin Esma hat das Buch Die Glasglocke von Sylvia Plath selbst gelesen und kann danach nun sagen, dass es zu ihren Lieblingsbüchern gehört. Das Buch regte sie zum Nachdenken an, Gefühle und Gedanken der Protagonistin haben sie nicht kalt gelassen. Sie kann es für den Deutsch- und Englischunterricht nur empfehlen.
 Eine Frau steht an einem Geländer und schaut in die Ferne.
Ein Buch zum Nachdenken: Die Glasglocke.

Ich sah, wie sich mein Leben vor mir verzweigte, ähnlich dem grünen Feigenbaum in der Geschichte. […] Ich sah mich in der Gabel dieses Feigenbaumes sitzen und verhungern, bloß weil ich mich nicht entscheiden konnte, welche Feige ich nehmen sollte. Ich wollte sie alle, aber eine von ihnen nehmen bedeutete, alle anderen verlieren, und während ich dasaß, unfähig, mich zu entscheiden, begannen die Feigen zu schrumpfen und schwarz zu werden und plumpsten eine nach der anderen auf den Boden unter mir.

Die Glasglocke von der amerikanischen Lyrikerin Sylvia Plath ist der einzige Roman von ihr, den sie veröffentlicht hat. Im gleichen Jahr, nur vier Wochen nach der Veröffentlichung, beging Plath Suizid. Nach ihrem Tod wurde Die Glasglocke zu einem Kultbuch (ein Buch, das eine Gruppe widerspiegelt und von ihr sehr geschätzt wird) und die Autorin zu einer Ikone der Frauenbewegung.

Die 19-jährige Protagonistin, Esther Greenwood, gewinnt zusammen mit elf anderen Mädchen beim Schreibwettbewerb eines Modemagazins in New York. Obwohl sie dort mit Partyeinladungen und Werbegeschenken überschüttet wird, ist sie immer noch nicht zufrieden mit ihrem Leben. "Angeblich erlebte ich gerade die schönste Zeit meines Lebens", ist auf der zweiten Seite zu lesen. Während die anderen Mädchen ihre Zeit in New York genießen, kann sich Esther nicht dazu bringen. Die Einzige, die sie dazu bringen kann, sich etwas auszuleben, ist Doreen, ebenfalls einer der Gewinnerinnen. Nach ihrer Rückkehr wird ihr klar, dass sie schon lange unglücklich war. Esther fühlt sich wie unter einer Glasglocke, die sie von den anderen Menschen isoliert. Sie kann sich nicht mehr in ihrem Alltag zurechtfinden und verfällt immer mehr in ihre Depression, bis sie nach einem gescheiterten Selbstmordversuch in eine Nervenheilanstalt eingewiesen wird.

Besonders junge Frauen fanden die Kritik an den Anforderungen der Gesellschaft und der Zerrissenheit der Protagonistin ihrer eigenen Situation zutreffend. Nicht nur weist der Roman feministische Gedankenzüge auf, sondern es wird auch Kritik an den Menschen in einer Gesellschaft und die Scheinheiligkeit vieler angesprochen. Während der Erzählung wird nicht die Ursache von Esthers Depression, sondern ihr Krankheitsverlauf in den Mittelpunkt gestellt. Der Leser bekommt die Veränderungen in Esthers Gedanken und Umwelt zu spüren. Dabei sind die Szenen zwar bedrückend und depressiv, aber sie sind in einem sarkastischen Stil geschrieben, was einem das Lesen erleichtert. Außerdem ist Die Glasglocke ein dünnes Buch, das sich schnell lesen lässt.

Warum also sollte man dieses Buch unbedingt gelesen haben?

Erstens enthält dieser Roman autobiographische Züge. Sylvia Plath hatte selber einen gescheiterten Suizidversuch unternommen, worüber sie dann in Der Glasglocke schrieb. Esthers Gedanken sind sozusagen Plaths Inneres. Beide Frauen verfielen einer Depression, aus der sie nicht mehr herauskamen.

Zweitens beschreibt dieses Buch einem gnadenlos die Wahrheit. Hier wird nichts verschönert, sondern so dargestellt, wie es ist. Man fühlt sich zwar während des Lesens bedrückt, aber die Erzählung und Esthers Charakter berührt einem am Ende wie kein anderes Buch und regt zum Nachdenken an.

Drittens gibt es mittlerweile viele Menschen, die an Depression leiden. Meiner Meinung nach können sie in Esther eine Bezugsperson finden, die ihre Situation versteht wie kein anderer. Es ist wichtig, dass man in Büchern und anderen Medien Repräsentation finden kann und sich nicht mehr alleine fühlt.

Sylvia Plath beschreibt in sarkastischem Stil die Geschichte einer unglücklichen Frau, die sich nicht von der Glasglocke, die sie gefangen hält, befreien kann und immer mehr in Depression und Gleichgültigkeit schwindet. Der Roman endet mit einer Szene, die noch viele Fragen offen lässt und Esthers Zukunft unklar bleibt. Dies macht auch den Reiz dieser aufwühlenden und zugleich auch großartigen Erzählung aus. Es gab kein Buch, wo ich mich einer Autorin näher fühlte, als ich es während des Lesens von Der Glasglocke zu Sylvia Plath tat.

  • eingestellt am 25.07.2016
Autor

Esma, Schülerautorin für scook

  • Esma (17) aus Bischofsheim

    Haustiere: Früher Katzen

    Lieblingsmusik: Hey Jude von The Beatles und Come as you are von Nirvana (Eigentlich Lieder von allen Musikrichtungen)

    Lieblingsbücher:  "Die Glasglocke" von Sylvia Plath, "So ist das Leben" von Stephen Chbosky
    Lieblingsessen: Asiatische und italienische Gerichte
    Hobbies: lesen, Geschichten schreiben, fotografieren, Badminton spielen