Hollywood vs. Realität

Klasse Klassensprecher!

Schenkt man Hollywood Glauben, dann ist das Amt des Klassensprechers eine Leichtigkeit und ein Beliebtheitsgarant zugleich. Doch was steckt tatsächlich hinter der verantwortungsvollen Aufgabe im Dienste der Mitschülerinnen und Mitschüler?
 Ein Teenager Mädchen steht vor der Klasse und dem Lehrer und erzählt etwas.
Eine Aufgabe ist die organisatorische Unterstützung der Klassenleitung.

Coole Jungs und Mädels, die lässig über Flure schlendern und zu den Lieblingen der Stufe zählen – Hollywood macht’s in vielen Filmen vor: Klassensprecher sein ist "in", "hip" und cool. Mit einer Gruppe jubelnd anfeuernder Cheerleader im Rücken und einer unantastbaren Position, in der den Lehrern trotz Streichen und Albereien die Hände gebunden sind, wird das Amt für die Auserwählten zum Kinderspiel und Ritterschlag gleichermaßen.

Zugegeben, die amerikanischen Filmemacher haben auch hier nicht an einer mythenhaften und sagenumwoben-tollen Inszenierung gespart. Wie sieht es in der Realität bei uns aus und was sind die Aufgaben eines Klassensprechers fernab von Hollywood?

In Deutschland finden die Wahlen zum Klassensprecher meist zu Beginn eines jeden neuen Schul- oder Halbjahres unter demokratischer Einbeziehung der Mitschülerinnen und Mitschüler statt. Und anders als in Filmen ist die Rolle eines normalen Klassensprechers vor allem eine: die Rolle des Vermittlers. Der Gewählte sollte nicht nur die Interessen, Ansichten und Rechte seiner Mitschülerinnen und Mitschüler gegenüber Lehrern, Eltern und Schulleiter vertreten, sondern im Gegenzug auch deren Anregungen aufnehmen sowie im Konfliktfall unter den Schülern selbst vermitteln.

Vielfältige Aufgaben 

So kann er zum Beispiel bei Problem zwischen einzelnen Schülern und Lehrkräften als Unparteiischer entspannend einwirken, Impulse zur Konfliktbeilegung geben und die Diskussion moderieren, ohne Partei zu ergreifen. Aber auch die Unterstützung der Klassenleitung in organisatorischen Angelegenheiten – z. B. bei der Planung von Klassenveranstaltungen und Ausflügen – ist gut denkbar.

Im Zuge seiner Aufgabe kann der Gewählte mitunter ebenso an größeren Sitzungen, zum Beispiel denen der Schülervertretung, des Schülerrats sowie der Schulkonferenz teilnehmen und die dort getroffenen Beschlüsse anschließend zur Information an die Klasse weitergeben und diese an die Umsetzung erinnern. Dies kann bis hin zu Veranstaltungen auf Landesebene reichen, bei denen man mit Repräsentanten anderer Schulen in Kontakt kommt. Weiter noch kann sich der gewählte Vertreter bei größeren Problemen an die hiergenannten Gremien wenden; sie stehen ihm mit Rat und Tat zur Seite.

Das richtige Maß Verantwortungsbewusstsein

Der Klassensprecher sollte entgegen der Hollywood-Inszenierung also nicht der "Pausenclown" sein, der leichtsinnig alle Albereien mitmacht. Vielmehr geht es um besonnenes, engagiertes und verantwortungsbewusstes Handeln, einen guten Kontakt zu allen Mitschülern sowie die Bereitschaft zu Dialog und Kompromiss. Die Mitschüler sprechen dem Gewählten mit ihrer Wahl das Vertrauen aus: ein vorbildlicher Umgang mit diesem Vertrauen ist deshalb selbstverständlich und man sollte sich vorher gut überlegen, ob man die Wahl annimmt.

Gerade wegen des erforderlichen, nicht selten geringen Zusatzengagements werden heutzutage immer öfter zwei Klassensprecher gewählt. Dadurch bleiben diese auch im Krankheitsfall oder bei Terminproblemen weiterhin agil und handlungsfähig.

Dass der Klassensprecher jedoch keineswegs die Lösung für alle Probleme und der Retter in der Not sein sollte, liegt zugleich auf der Hand – denn der Gewählte fungiert nicht als "Supergenie", kommt mitunter an seine Grenzen und ist am Ende nicht zuletzt wie alle anderen selber ein Schüler, der fortwährend auf die Unterstützung seiner Klassenkameraden angewiesen ist.

Klassensprecher sein ist demnach anders als "in Hollywood" kein Kinderspiel – aber nichtsdestoweniger eine anerkennende Aufgabe, die richtig Spaß machen kann.


  • eingestellt am 25.05.2018
Autor

Marvin, Schülerautor für scook

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