Internet- und Smartphone-Sucht

Was tun, wenn du süchtig nach dem Smartphone bist?

Online-Sucht – eine echte Gefahr oder doch eher Panikmache? Wir haben die wichtigsten Fakten einmal für dich zusammengetragen: von der Definition über Warnsignale bis hin zu den besten Tipps für mehr echtes Leben.
 Jugendliche sitzen auf einer Mauer und haben Tablets und Smartphones in der Hand.
Online-Sucht – eine echte Gefahr oder doch eher Panikmache?

Internet- und Smartphone-Sucht: Gibt es das überhaupt?

Wissenschaftlich anerkannt sind Internet- und Smartphone-Sucht bis heute nicht. Dazu fehlen nämlich klare Definitionen und Diagnosemöglichkeiten. Bist du zum Beispiel onlinesüchtig, wenn du täglich mehrere Stunden mit deinen Freunden auf Facebook schreibst? Bist du internetabhängig, wenn du stundenlang online "zockst"? Wärst du dann nicht eher videospielsüchtig? Die Abgrenzungen und Zusammenhänge sind derzeit noch unklar – deshalb ist Internet- bzw. Smartphone-Sucht kein anerkanntes Krankheitsbild.

Immer mehr Menschen leiden allerdings darunter, ständig online und erreichbar zu sein. Sie sehen die Internet- und Smartphone-Nutzung zunehmend kritisch. Viele schätzen ihr Nutzungsverhalten selbst sogar als problematisch ein. Deshalb gibt es mittlerweile zum Beispiel auch Apps, die das Nutzungsverhalten aufzeichnen und "Offline-Pausen" anbieten, in denen das Smartphone nur noch eingeschränkt nutzbar oder gleich ganz gesperrt ist. Und es gibt den Digital-Detox-Trend: Immer mehr Menschen legen bewusst Kommunikations- und Erreichbarkeitspausen ein und verzichten für eine feste Zeit auf (fast) alle digitalen Geräte.

Ob es sich nun um eine echte – also wissenschaftlich anerkannte – oder "nur" um eine gefühlte Abhängigkeit handelt, ist aber eigentlich egal. Denn es lohnt sich in jedem Fall, dein Nutzungsverhalten zu hinterfragen, achtsam zu sein und bewusster mit iPad, iPhone und Co. umzugehen. Und spätestens wenn der Stress steigt, dir das Abschalten (in jeder Hinsicht) schwer fällt und deine sozialen Kontakte in der "echten Welt" leiden, ist es höchste Zeit, aktiv zu werden.

Warum ist das Thema "Internet- und Smartphone-Nutzung" wichtig?

Die ständige Abgelenktheit kann ganz schön gefährlich sein. Wenn du an der Ampel auf dein Handy starrst, verpasst du vielleicht die Grünphase – wenn du beim Laufen weiter surfst, siehst du womöglich das Auto oder den entgegenkommenden Radfahrer nicht. Straßenbahnfahrer schlagen Alarm, dass es immer häufiger zu gefährlichen Situationen kommt, weil Fußgänger so in ihr Smartphone vertieft sind, dass sie selbst die Glocke nicht mehr hören.

Die dauernde Ablenkung macht sich aber auch beim Arbeiten bemerkbar. Etwa 15 Minuten brauchen wir in der Regel, um uns in etwas hineinzudenken. Wenn du im 10-Minuten-Takt auf dein Handy schaut, kannst du dich deshalb gar nicht richtig in die (Haus-)Aufgaben, die vor dir liegen, hineinfinden. Du bist unkonzentriert, brauchst länger, bist wesentlich weniger produktiv – und davon wahrscheinlich gefrustet.

Wenn du ständig am Handy hängst und auch spät abends noch Mails und Nachrichten liest, verhagelst du dir damit nicht nur die Laune, wenn du etwas Unerfreuliches liest – du nimmst dir selbst auch wichtige Ausgleichs- und Ruhephasen. Selbst vermeintlich entspanntes Arbeiten oder Surfen "nebenbei" führt nämlich dazu, dass du ständig im Multitasking-Modus bist – und dein Gehirn immer auf Hochtouren läuft.

Auch deine sozialen Kontakte können natürlich unter dem Smartphone leiden. Das Date mit deiner Freundin beispielsweise ist nur halb so schön, wenn ihr nebenbei surft, statt euch anzusehen und euch tatsächlich auf ein Gespräch zu konzentrieren.

Wo liegt die Grenze – was ist bedenklich?

Ab wann genau es problematisch wird, lässt sich pauschal schwer sagen. Einige Warnsignale gibt es aber. Wenn du dich hier wiedererkennst, solltest du dein Nutzungsverhalten überdenken:
• "Ich werde unruhig, wenn ich mein Handy mal vergessen habe."
• "Ich werde nervös , wenn ich kaum noch "Akku habe"."
• "Ich bilde mir immer wieder ein, mein Smartphone klingeln oder vibrieren zu hören, und achte ständig darauf."
• "Ich habe regelrechte Schuldgefühle, wenn ich mal eine Weile nicht erreichbar bin."

In besonders ausgeprägten Fällen kann es übrigens sogar zu körperlichen Symptomen kommen – Zittern oder Schweißausbrüche etwa, wenn das Handy nicht in der Nähe ist.

Was tun gegen ungesunden Internet- und Smartphone-Konsum?

Wie konsequent du vorgehen möchtest und wie leicht oder schwer dir das fällt, ist absolut individuell. Schon kleine Schritte können aber eine große Wirkung haben:

Deaktiviere die Push-Mitteilungen für E-Mails, Chat-Mitteilungen und Co. Statt ständig ungewollt davon "heimgesucht" zu werden, entscheidest du so selbst, wann du dich mit Mails und Nachrichten beschäftigen willst.

Leg für dich selbst eine Grenze fest, zum Beispiel: "Ab 19 Uhr verzichte ich aufs Smartphone." Kurz vor dem Zubettgehen solltest du definitiv die Finger vom Handy lassen, damit du wirklich abschalten und zügig einschlafen kannst.

Nutz eine echte Uhr und einen echten Wecker – so kommst du nämlich viel weniger in Versuchung. Wenn morgens der Handywecker geht, hast du das Smartphone sonst direkt als Erstes in der Hand – und bist garantiert versucht, sofort "mal eben" bei Facebook reinzuschauen. Wenn dein Handy gleichzeitig deine Uhr ist, musst du immer wieder drauf schauen – und bist ganz schnell mit E-Mails, Chats oder deinen Lieblingsapps beschäftigt. Eine analoge Uhr und ein richtiger Wecker lenken dich weitaus weniger ab.

Schaff dir feste Zeitfenster, die ganz für Familie und Freunde da sind – und konzentrier dich auf eine Sache. Lass das Handy zum Beispiel sonntags immer in der Schreibtischschublade. Oder zumindest sonntagnachmittags. Iss mit deiner Familie ganz ohne Smartphone und Fernseher. Konzentrier dich beim Fernsehabend auf den Film oder die Serie und lass das Smartphone nebenan – weniger Multitasking macht dir das Entspannen und Genießen leichter.

Trainiere dir an, das Smartphone nicht mehr mit Gemütlichkeit und Glücksgefühlen zu verbinden. Antippen und gespannt schauen, ob es etwas Neues gibt: Das hat einen ganz ähnlichen Effekt auf unserer Gehirn wie das Spiel am Glücksspielautomaten. Probiere doch einmal aus, dich immer auf einen unbequemen Stuhl zu setzen, statt auf der gemütlichen Couch durch Faceook oder Instagram zu surfen. So durchbrichst du die "Glücks-Verknüpfung" – und reduzierst die Zeit, die du am Smartphone verbringst, garantiert ganz schnell.

Quellen:

"Jugendliche im Internet: Ich surfe, also bin ich süchtig?", Spiegel Online Schulspiegel, http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/studie-zu-internetsucht-jeder-zehnte-jugendliche-gefaehrdet-a-878220.html

"Aktionismus der Drogenbeauftragten: Wir tun was gegen Onlinesucht! Wogegen? –

Ein Kommentar von Konrad Lischka", Spiegel Online Netzwelt, http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/aktionismus-der-drogenbeauftragten-wir-tun-was-gegen-onlinesucht-wogegen-a-815463.html

"Studie zur Smartphone-Sucht: Generation Wisch und Klick" von Philipp Glitz, tagesschau.de,  https://www.tagesschau.de/inland/smartphone-sucht-101.html

"Smartphone-Sucht: Was dagegen hilft" von Sophie Kelm, Apotheken Umschau, http://www.apotheken-umschau.de/Smartphone-Sucht

"Internetabhängigkeit", https://de.wikipedia.org/wiki/Internetabhängigkeit

Testurteil 1 der Chip-Redaktion: "Die CHIP-Redaktion sagt: Mit der kostenlosen Android App QualityTime überwachen Sie Ihre Smartphone-Nutzung", chip.de, http://beste-apps.chip.de/android/app/qualitytime-android-app,com.zerodesktop.appdetox.qualitytime/

Testurteil 2 der Chip-Redaktion: "Die CHIP-Redaktion sagt: Die Gratis-App Offtime für Ihr Android-Gerät will Ihnen dabei helfen, Ihre Handynutzung zu kontrollieren und für Auszeiten zu sorgen.", chip.de, http://beste-apps.chip.de/android/app/offtime-life-unplugged-android-app,co.offtime.kit/


  • eingestellt am 14.07.2017
Autor

scook