Schule früher und heute

Zehn Dinge, die in der Schule heute besser sind

Zugegeben: An manchen Tagen scheint die Schule einfach schlimm. Wenn du eine schlechte Note bekommst zum Beispiel, dich ungerecht behandelt fühlst oder dich der Lernstress völlig schafft. Vielleicht hilft ein kleiner Perspektivwechsel – denn im Vergleich zu früher ist heute vieles deutlich besser. 
 Tafel und Smartphone liegen nebeneinander.
Was ist in der Schule heute besser als früher?

Früher war alles besser? – Zehn Gründe, die für die Schule von heute sprechen

Lästige Schulpflicht, viel zu viel Lernstoff und ein starres und strenges System – über die Schule wird viel und gerne geschimpft. Wer sich die Schule "von früher" aber einmal näher anschaut, wird vieles mit ganz anderen Augen sehen. Zehn Dinge, die für dich heute definitiv besser laufen, haben wir dir einmal aufgeschrieben

1. Schulpflicht

"Ich weiß sowieso nicht, warum man zur Schule gehen muss." – Ein Satz, der vor Wut gerne mal fällt. Die Schulpflicht nehmen viele heute vor allem als lästigen Zwang wahr. Dabei war die Einführung damals eine echte Errungenschaft, die vielen Kindern überhaupt erst einen Zugang zur Bildung ermöglichte. In früheren Zeiten war es nämlich längst nicht selbstverständlich, die eigenen Kinder in die Schule zu schicken; vielen Eltern fehlten dafür die finanziellen Möglichkeiten. Oft waren die Kinder außerdem fest als Arbeitskräfte eingeplant – statt die Schulbank zu drücken, mussten sie ihren Eltern darum zum Beispiel bei der Ernte oder mit dem Haushalt helfen. 

2. Ansehen und Unterstützung

Eng mit dem ersten Punkt verknüpft: Viele Eltern sahen weder die Notwendigkeit noch den Sinn darin, ihre Kinder zur Schule zu schicken. Oder es fehlten ihnen die Mittel und das Wissen, um ihre Kinder bestmöglich unterstützen zu können. Wenn du heute Eltern hast, die deine Schulbildung sehr ernst nehmen, dich immer wieder zum Lernen ermahnen und ein Auge auf deine Hausaufgaben haben, mag das für dich häufig nervig sein – selbstverständlich war und ist so viel Unterstützung aber nicht.

3. Fächerauswahl

Lesen, Schreiben, Rechnen, Religion und auch viel Singen: Lange war das Fächerangebot in der Schule sehr beschränkt. Später kamen u. a. Leibesertüchtigung und Hauswirtschaft hinzu. Von den breiten Bildungsmöglichkeiten heute war man damit aber immer noch weit entfernt – Grundfächer und Wahlfächer, AGs und Co., die allen Schülern offen stehen, waren früher gar nicht vorstellbar.

4. Ausstattung

Dass es damals keine Laptops, Tablets oder Whiteboards gab, liegt auf der Hand. Aber auch von der modernen Technik abgesehen war damals vieles unbequem spartanisch. Starre Holzbänke und -tische, auf denen aufrecht und gerade, mit den Füßen parallel und den Händen auf den Tischen gesessen werden musste, sorgten für eine deutlich strengere Atmosphäre.
Statt Schreibheften gab es vor rund 100 Jahren zunächst kleine Kreidetafeln, die die Schüler immer wieder auswischten. Später schrieben Sie dann mit Federkielen, die sie in Tinte tauchten. Statt der heute üblichen Heizung gab es übrigens oft nur einen Ofen, der den großen Klassenraum beheizte – und wer weit vom Ofen weg saß, musste leider frösteln.

5. Unterrichtsstil

Generell war der Unterricht darauf ausgelegt, den Schülern Wissen zu vermitteln: Der Lehrer trug vor und erklärte, die Schüler folgten seinen Ausführungen und seinen Kommandos. Heute ist dagegen viel mehr eigenes Denken und Tun gefragt: Du darfst und sollst selbstständig Überlegen und Lernen, Ausprobieren und eigene Ideen entwickeln und prüfen.
Früher ging es weniger um individuelles Lernen und Entfaltung, als um Fleiß, Gehorsam und Disziplin. Sprechen durfte nur, wer aufgerufen wurde, und dann hatte die Antwort im Stehen zu erfolgen. Flüstern, Tuscheln oder Hereinrufen wurde sofort bestraft – das Schwätzchen mit dem Sitznachbarn hätte es also damals nicht gegeben. Im Idealfall sollte früher alles im Takt und auf Kommando erfolgen. Wer sich damit schwer tat, bekam die Folgen zu spüren.

6. Strafen und Sanktionen

Vielleicht haben deine Großeltern dir von ihren Erfahrungen berichtet: Damals war die sogenannte körperliche Züchtigung noch gang und gäbe. Bis ins 20. Jahrhundert wurden "ungehorsame" Schüler mit einem Rohrstock oder einem Lineal auf die Finger oder auf die Handflächen geschlagen. So mancher Schüler hatte schlimme Geschichten zu berichten – etwa, wenn er die Stöcke vor der Bestrafung selbst zurechtschneiden musste oder die Wunden noch gar nicht verheilt waren, als die nächsten Prügel folgten. In Bayern wurden körperliche Strafen übrigens erst in den 1980ern offiziell verboten – die berüchtigte Prügelstrafe ist also noch gar nicht so lange her.

7. Klassengröße

Wenn wir heute von "großen Klassen" sprechen meinen wir meist Klassen mit etwas mehr als 30 Schülern. Früher saßen in einem Klassenraum oft bis zu 100 Schüler – und zwar Schüler aller Altersstufen. Das nach Altersgruppen getrennte Lernen wie wir es heute kennen, wurde erst später eingeführt. Davor unterrichtete ein Lehrer in einem einzigen Raum Schüler verschiedensten Alters auf ganz unterschiedlichen Lernniveaus. 

8. Lehrerrolle

Früher war der Lehrer vor allem eine Authoritätsperson, die den Schülern Wissen "beibringen" sollte. Heute leisten Lehrer noch ganz anderes: Sie sind (Lern-)Berater, Erzieher und Vertrauenspersonen. Statt dir Lernstoff "einzutrichtern" wollen sie dich ermuntern, möglichst viel selbst herauszufinden, deinen eigenen (Lern-)Weg zu finden und von Selbstvertrauen bis Kritikfähigkeit alle nötigen Kompetenzen für dein späteres (Berufs-)Leben zu trainieren.

9. Geschlechterrollen

Weibliche Lehrer waren überhaupt erst ab den 1860er-Jahren erlaubt. Auch für die Schüler gab es lange Zeit feste Geschlechterrollen. Während die Jungen beispielsweise Rechnen und Raumlehre übten und durch die Leibesertüchtigung für den Kriegsdienst in Form kommen sollten, lernten die Mädchen Handarbeit und Hauswirtschaftslehre, um den Haushalt führen zu können.

10. Chancen und Perspektiven

Die Schulbildung sollte früher vor allem einen praktischen Nutzen erfüllen und die Schüler auf ihre angedachten Rollen vorbereiten. Das breite Fächerangebot heute mag dir manchmal zu umfassend und zu wenig konkret erscheinen – es eröffnet dir aber auch viel mehr Möglichkeiten. Du kannst dich für verschiedenste Bereiche entscheiden, eine Berufsausbildung machen oder dich für eine Akademikerlaufbahn entscheiden. Und du kannst einen ganz anderen Beruf ergreifen als deine Eltern – auch das war früher seltener.

Quellen: In Anlehnung an:

"Schule früher und heute: Eine kleine Reise durch die Zeit – Vom Prügelstock zur Kuschelpädagogik“ von Ulrike Miriam Bausch, Unicum Abi, http://abi.unicum.de/schule-a-z/auf-einen-blick/schule-frueher-und-heute

"Unterricht vor 100 Jahren", Medienwerkstatt Wissenskarten, http://www.medienwerkstatt-online.de/lws_wissen/vorlagen/showcard.php?id=2237



  • eingestellt am 06.02.2017
Autor

scook