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Schaubilder im Unterricht: Warum, wann und wie

Kreis-, Kurven- oder Balkendiagramme: Sie haben viele Möglichkeiten, Schaubilder im Unterricht zu nutzen. Wann sie sich anbieten (und wann nicht), was sie trainieren und wie Sie am besten vorgehen, um das Lesen von Diagrammen einzuüben: Dieser Artikel liefert die wichtigsten Fakten kurz und kompakt.
 Vor einer Tafel mit einem Balkendiagramm stehen ein Bücherstapel und ein Abakus.
Der Einsatz von Schaubildern im Unterricht.

Wichtig auch im Alltags- und Berufsleben: Diagramme richtig lesen können

In Magazinen oder Zeitungen, in den Nachrichten oder später im Berufsleben: Von Umfrageergebnissen bis hin zu Umsatzentwicklungen begegnen den Schülern überall verschiedenste Schaubilder. Die wenigsten sind allerdings gleich auf den ersten Blick zu erfassen. Neben der nötigen Übung brauchen die Schüler vor allem die passende Methodenkompetenz – damit sie Grafiken und Diagrammen systematisch alle wichtigen Informationen "entlocken" können.


Wann sind Schaubilder im Unterricht sinnvoll – und wann nicht?

Grundsätzlich gilt: Kreisdiagramme, Liniendiagramme und Co. sind gut geeignet, um anspruchsvolle Inhalte grafisch aufzubereiten und sie leicht(er) verständlich zu machen. Schaubilder stellen wichtige Sachinformationen grafisch dar, zeigen Zusammenhänge und/oder Entwicklungen auf und bieten die Möglichkeit, komplexere Sachverhalte kompakt auf engem Raum klar und verständlich zu vermitteln. Wann immer sie also "schwierige" Zusammenhänge und/oder größere Datenmengen mit den Schülern bearbeiten möchten, lohnt es sich, über den Einsatz von Schaubildern nachzudenken.

Diese Grafiken müssen allerdings gut und sinnvoll aufbereitet sein und sich tatsächlich auf das Wesentliche konzentrieren. Schaubilder folgen schließlich keiner einheitlichen Leserichtung – eine klare und nachvollziehbare Aufbereitung ist also entscheidend. Die Balken-, Säulen- oder Liniendiagramme sollten sich deshalb auf die Kernelemente des Themas konzentrieren und ablenkende oder verwirrende Elemente meiden.

Wann Schaubilder im Unterricht sinnvoll sind, hängt also einerseits von der Komplexität des Themas und andererseits von der Aufbereitung ab. Für die simple Zahlen-Information "70 % der Schüler besitzen ein Handy“ ist sicherlich kein Kreisdiagramm nötig. Haben Sie dagegen so viele Informationen zu vermitteln, dass Sie 12 Kreisdiagramme bräuchten, ist das Thema noch zu weit gefasst. Achten Sie also auf den richtigen Umfang, eine klare Darstellung – und wenn nötig auch auf ergänzende Kommentare, falls das Schaubild nicht für sich spricht.

Was müssen Sie wissen, um Schaubilder selbst zu erstellen?

Am besten gehen Sie in fünf Schritten vor:

  1. Sie identifizieren die Inhalte, Sachinformationen und/oder Textpassagen, die für die Schüler schwer verständlich sind und die durch eine grafische Aufbereitung leichter zu verstehen sind.
  2. Sie ziehen die Kernelemente heraus und priorisieren, ordnen und arrangieren sie.
  3. Sie wählen die Art von Schaubild, das hier am besten passt. Die waagerechten Balkendiagramme sind beispielsweise gut geeignet für Rangfolgen, die senkrechten Säulendiagramme für Mengen, Zahlen oder Leistungswerte; Liniendiagramme bzw. Kurvendiagramme passen gut zu Verläufen, Bewegungen und Entwicklungen.
  4. Sie erstellen das Schaubild inklusive der Legende und möglicher Zusatzhinweise und formulieren die Aufgabenstellung für Ihre Schüler.
  5. Sie überprüfen alles noch einmal: Sind alle Daten richtig übertragen? Machen die Zusammenhänge Sinn? Sind die Informationen vollständig und verständlich?

Überlegen Sie sich außerdem grob Ihre Erwartungen: Was soll den Schülern besonders ins Auge springen? Zu welcher Schlussfolgerung sollen Sie gelangen? Welche kritischen Fragen sollen sie ggf. stellen?

Was trainieren Schaubilder?

Die Schüler erwerben wichtige Methodenkompetenzen und lernen, Informationen systematisch auszuwerten. Sie üben, Zahlen, Daten und Fakten in Bezug auf ein bestimmtes Thema zu interpretieren, Quellen einzuordnen, konkrete Informationen herauszuarbeiten, zu gewichten und in Relation zu setzen und fundierte Schlussfolgerungen zu ziehen. Dabei lernen sie auch, Quellen und Informationen kritisch zu hinterfragen und vermeintliche Fakten differenziert zu betrachten.

Wie arbeiten die Schüler richtig mit den Diagrammen?

Am besten besprechen Sie mit den Schülern zunächst die wichtigen Schritte. Ausgerüstet mit dieser "Checkliste", fällt ihnen das Lesen und Auswerten meist leichter.

Die Schüler arbeiten sich vom Allgemeinen zum Speziellen vor. Zunächst nehmen sie eine allgemeine Einordnung vor:1

  • Was ist die Aufgabenstellung? (Eine allgemeine Auswertung oder nur das Betrachten eines bestimmten Bereichs?)
  • Welches Thema behandelt das Schaubild  (Hauptthema und Teilüberschriften)?

("Das Schaubild stellt dar, ...“, "Aus dem Diagramm geht hervor ...“ o. ä.)

  • Auf welcher Quelle basiert das Schaubild? Von wann ist sie, wer ist der Herausgeber und wer wurde ggf. befragt?

("Die Daten stammen von ...; sie sind aus dem Jahr ...“, "Als Basis diente eine repräsentative Umfrage unter ..., die in den Jahren ... bis ... durchgeführt wurde.“ o. ä.)

  • Welche formellen Eigenschaften hat das Schaubild?
    • Was für eine Art von Diagramm ist es (Kreisdiagramm, Liniendiagramm etc.)?
    • Welche Einheiten werden verwendet, sind es absolute oder relative Zahlen, was ist die Grundgesamtheit?
    • Welche Elemente sind zu sehen, wie ist die Grafik bzw. wie sind die einzelnen Teilgrafiken aufgebaut?
    • Wofür steht welche Farbe, welche Angaben macht die Legende?

("Die Angaben sind in Prozentzahlen/absoluten Zahlen/Prozentzahlen und absoluten Zahlen gemacht.“

"Die Werte sind in ... angegeben.“

"Die X-Achse/Rechtsachse zeigt ..., die Y-Achse/Hochachse zeigt ...“)

Dann arbeiten die Schüler die konkreten Informationen heraus. Sie werten aus, beschreiben und erläutern.2

  • Welche Verhältnisse sind abgebildet, welche Werte stehen im Vergleich?
  • Wo gibt es Gemeinsamkeiten, wo Gegensätze?
  • Welche Veränderungen bzw. Entwicklungen sind zu sehen?
  • Welche Zusammenhänge bzw. Wechselwirkungen sind zu beobachten?
  • Was fällt besonders auf?
  • Welche Fragen entstehen?
  • Gibt es Ungereimtheiten oder Widersprüche?
  • Welche Eindrücke/Vermutungen entstehen?
  • Welche Informationen fehlen?

Auf dieser Basis gelangen die Schüler dann zu einer fundierten Schlussfolgerung.

  • Was war besonders interessant bzw. auffällig?
  • Welche Erklärungen gibt es ggf.?
  • Was hat gefehlt, was ist zu ergänzen?
  • Welches Fazit ist zu ziehen?
  • Wie ist die abschließende Bewertung?

Schaubilder lassen also durchaus Raum für Interpretationen; sie animieren zum selbstständigen Denken und Hinterfragen und sind auch ein guter Aufhänger für weiterführende Diskussionen. Probieren Sie es aus!

1 In enger Anlehnung an: "Forum Wirtschaftsdeutsch: Redemittel zur Beschreibung von Schaubildern, Diagrammen und Statistiken“ von Udo Tellmann, http://www.wirtschaftsdeutsch.de/lehrmaterialien/redemittel-diagramm.pdf

2 In enger Anlehnung an: "So entschlüsselst du Schaubilder“, GRIPS via Bayerischer Rundfunk, http://www.br.de/grips/faecher/grips-deutsch/31-grafiken-nachlesen100.html

Quellen:

"So entschlüsselst du Schaubilder“, GRIPS via Bayerischer Rundfunk, http://www.br.de/grips/faecher/grips-deutsch/31-grafiken-nachlesen100.html

"Diagramme/Schaubilder beschreiben und auswerten – Arbeitsblatt“ von Der Lehrerfreund, http://www.lehrerfreund.de/schule/1s/diagramme-auswerten-beschreiben/2925

"Umgang mit Schaubildern“, Qualitäts- und UnterstützungsAgentur - Landesinstitut für Schule (QUA-LiS NRW), http://www.schulentwicklung.nrw.de/lernstand8/front_content.php?idart=6717

 "Forum Wirtschaftsdeutsch: Redemittel zur Beschreibung von Schaubildern, Diagrammen und Statistiken“ von Udo Tellmann, http://www.wirtschaftsdeutsch.de/lehrmaterialien/redemittel-diagramm.pdf

"Methodenkompetenz-Training: Auswerten: Kernaussagen von Schaubildern (Diagrammen)“, http://www.paedagogik.net/fundgrube/methodenkompetenz/auswertendiagramm.html

  • eingestellt am 21.09.2016
Autor

scook