Berufsberatung und Berufsorientierung, Teil l

Den eigenen Traumjob finden – wie fange ich an?

Vom Augenoptiker über den Social Media Manager bis zum zahnmedizinischen Fachassistenten: Es gibt hunderte anerkannte Ausbildungsberufe und tausende Berufsbilder. Wie sollst du da den einen Beruf für dich finden? Wo und wie fängst du überhaupt am besten an? Wir erklären es dir!
 Richtungsweiser mit den Worten "Traumberuf"
Die Berufswahl ist manchmal gar nicht so einfach, wie man denkt.

"Und was willst du mal werden?" – Die Berufswahl richtig angehen

"Augen auf bei der Berufswahl" – den Spruch kennt nun wirklich jeder. Und natürlich weiß auch jeder: Das Augen-Offenhalten allein ist noch lange kein Erfolgsrezept. Denn den richtigen Beruf zu finden, ist eine echte Herausforderung.

Deine Eltern werden sagen: Die Entscheidung, welche Ausbildung oder welches Studium du antreten willst, ist einer der wichtigsten Entschlüsse, die du zu treffen hast. Stimmt natürlich – klingt aber auch wahnsinnig ernst. Jetzt nur keine Panik: Mit der richtigen Herangehensweise wirst du deinen Weg schon finden!

Mit realistischen Erwartungen starten

Die meisten von uns haben ganz schön hohe Ansprüche: Irgendein Job ist uns zu wenig – es muss schon der Traumjob sein. Genau der richtige Beruf für uns, der uns ein Leben lang Spaß macht. Wie überall im Leben bewirken derart hohe Erwartungen aber vor allem eins: Sie machen jede Menge Druck. Was hilft, ist das Bewusstsein, dass Berufswege und Karrieren heute kaum noch so gradlinig verlaufen wie früher. Schule, Ausbildung oder Studium und dann bis zur Rente ein und dieselbe Tätigkeit – das gibt es heute nur noch selten.

Kleine vermeintliche "Umwege" im Lebenslauf, verschiedene Stationen und ganz unterschiedliche Qualifikationen sind längst kein Beinbruch mehr. Den Stress, sofort die perfekte Entscheidung für alle Ewigkeit treffen zu müssen, kannst du also hinter dir lassen. Mach dir stattdessen lieber klar: Welchen beruflichen Weg du gehst, ob du irgendwann das Unternehmen oder sogar das Berufsbild wechselst, liegt letztlich bei dir.

Auch wenn du dich beispielsweise für ein bestimmtes Studium entscheidest, hast du danach noch viele verschiedene Berufswahlmöglichkeiten. Es landen schließlich beispielsweise nicht alle BWL-Studenten in der Wirtschaftsprüfung. Im Umkehrschluss heißt das natürlich auch: Nur weil du dich für ein bestimmtes Studium entscheidest, ist damit noch nicht automatisch Stelle XY in trockenen Tüchern. Wenn du weißt, was dir liegt, was zu dir passt und was dir bei deiner Arbeit wichtig ist, schlägst du in jedem Fall den richtigen Weg ein. Welche Gelegenheiten und "Abzweigungen" du anschließend nutzt, steht dir dann immer noch frei.

Erst mal Informationen sammeln

Die Berufswahl fällt vielen vor allem deshalb so schwer, weil sie gar nicht wissen, woraus sie wählen können. Die Masse an verschiedenen Berufen und Ausbildungs- bzw. Studienmöglichkeiten ist schwierig zu durchschauen. Selbst wenn man jede Berufsbezeichnung liest, bleiben so einige mentale Fragezeichen. Oder wüsstest du, was ein Assistent für Geovisualisierung macht oder wie ein typischer Arbeitstag als Zweiradmechatroniker aussieht? Eben!

Um ein bisschen Recherche kommst du deshalb kaum herum. Mit dem Lexikon der Ausbildungsberufe und/oder dem Verzeichnis zur Studien- und Berufswahl, das die Bundesagentur für Arbeit in regelmäßigen Abständen neu herausgibt, kannst du dir einen guten Überblick über die vielen verschiedenen Berufsbilder verschaffen. Auch KURSNET, BERUFENET, www.planet-beruf.de, www.abi.de und das Berufsinformationszentrum (BiZ) in deiner Nähe sind tolle erste Anlaufstellen. Auf www.berufe.tv findest du außerdem jede Menge Filme zu Ausbildungs- und Studienberufen – ideal also für Lesemuffel.

Alles, was beim Querlesen bzw. Schauen dein Interesse weckt, notierst du dir. Deine Liste analysierst du dann: Gibt es einen gemeinsamen Nenner? Sind beispielsweise alle Berufe, die du spannend findest, besonders kreativ? Oder interessieren dich eher handwerkliche Berufsfelder? So kannst du die grundsätzliche Richtung schon einmal gut eingrenzen.

Wunsch und Realität vergleichen

Interesse ist gut – aber als alleiniges Kriterium natürlich eher wenig clever. Wer im Fernsehen gerne Fußball guckt, wird schließlich in aller Regel trotzdem kein Fußballprofi. Im nächsten Schritt solltest du deshalb deine Interessen mit deinen tatsächlichen Fähigkeiten und Neigungen abgleichen – und knallhart Wunsch und Realität gegenüberstellen. Vielleicht faszinieren dich Berufe, bei denen man viel Kundenkontakt hat, aber du bist so schüchtern, dass für dich jeder Tag eine Strafe wäre. Oder du bewunderst Architekten, standst selbst aber schon immer mit Mathe auf Kriegsfuß. Wichtig ist also, herauszufinden, was du realistisch willst und kannst.

Überleg einmal in Ruhe, was deine Stärken sind. Worin bist du gut? Was macht dir Spaß? Was machst du auch dann noch gerne, wenn du es regelmäßig und vielleicht sogar unter Zeitdruck tun musst?

Um zu überprüfen, ob deine Selbstwahrnehmung realistisch ist, kannst du deine Freunde und Familie interviewen. Was sagen sie über dich, deine Eigenschaften und deine Fähigkeiten? Was kannst du besonders gut? Welcher Beruf passt zu dir und was können sie sich gar nicht für dich vorstellen?

Noch genauer schauen – und ggf. testen

Wenn du nach wie vor unsicher bist oder einfach noch mehr über dich erfahren möchtest, kannst du einen Eignungs- oder Interessenstest machen. Über die Bundesagentur für Arbeit, aber auch bei verschiedenen professionellen Schülerberatungen kannst du solche von Experten konzipierten Tests durchführen.

Manche Tests lassen sich einfach online absolvieren, andere werden vor Ort durchgeführt und von Psychologen beaufsichtigt. Manche Angebote sind kostenlos, bei anderen werden Gebühren fällig. Auch die Auswertungen sind unterschiedlich ausführlich. Im Internet findest du bestimmt schnell die passenden Informationen und kannst dir die Testvariante aussuchen, die dir sympathisch ist.

Dreh- und Angelpunkt: die richtige Selbsteinschätzung

Wenn du erste Berufsideen und Informationen gesammelt und einen guten Überblick über deine Wünsche, Fähigkeiten und Eigenschaften gewonnen hast, hast du eine tolle Basis. Denn nur wer sich selbst richtig einschätzt, kann sich den Beruf suchen, der wirklich zu ihm passt. Du siehst: Die Mühe wird sich lohnen!

  • eingestellt am 28.08.2015
Autor

scook