Berufsberatung – Bewerbungstraining

Das Bewerbungsgespräch: So bereitest du dich vor

Ewig nach dem richtigen Ausbildungsplatz suchen, tagelang an der Bewerbung tüfteln, tatsächlich eine Einladung im Posteingang finden – und es dann im Bewerbungsgespräch völlig vermasseln? Das ist eine ziemlich gruselige Vorstellung. Mit diesen Tipps kann zum Glück (fast) nichts mehr schief gehen!
 Ein Mädchen mit Bluse und Blazer runzelt die Stirn und schaut in die Luft.
Im Bewerbungsgespräch geht es vorallem darum, deinen potentiellen Arbeitgeber von deinen Stärken zu überzeugen.

Jetzt geht es um die Wurst – bzw. um die Ausbildung

Bestimmt würdest du jetzt gerne hören, dass ein schlechtes Bewerbungsgespräch letztlich halb so wild ist und du ruhig lustig improvisieren kannst. Das wäre allerdings gelogen, denn das Bewerbungsgespräch ist tatsächlich eine ziemlich große Sache. In den meisten Fällen ist es nämlich das entscheidende Kriterium für die Stellenvergabe. Hier geht es also wirklich ans Eingemachte – und es ist clever, dich richtig vorzubereiten.

Das Gemeine an so einem Vorstellungsgespräch ist ja: Mit jeder Menge Leistungsdruck im Nacken steigt natürlich deine Nervosität. Von schweißnassen Händen bis zum völlig leergefegten Kopf.


Und je höher dein Stresspegel steigt, desto wahrscheinlicher werden kleinere und größere Pannen. Ein echter Teufelskreis. Die gute Nachricht lautet aber: Du kannst deine Nervosität austricksen und die Fettnäpfchen gekonnt umschiffen. Denn mit der richtigen Vorbereitung bleibst du (fast) ganz entspannt.

Simulieren ausdrücklich erwünscht: Üben hilft entstressen

Mit "Simulieren" meinen wir natürlich nicht, dass du dich in bester Hypochonder-Manier im Bett verkriechen und das Bewerbungsgespräch sausen lassen sollst. Drücken gilt nicht – und je eher du anfängst, zu üben, desto souveräner wirst du. Wenn du immer wieder Vorstellungsgespräche simulierst, hilft dir das, deine Ängste Schritt für Schritt abzubauen und dein Verhalten zu reflektieren. So entwickelst du die richtigen Strategien, um dich überzeugend zu verkaufen.

Am besten spielst du die "Stresssituation Bewerbungsgespräch" ausgiebig in Rollenspielen durch. Schnapp dir deine Freunde oder deine Eltern und bitte sie, dich unter möglichst echten Bedingungen mit allen erdenklichen Fragen zu löchern. Von der Begrüßung bis zur Verabschiedung sollen sie die Rolle des Arbeitgebers bzw. Personalchefs übernehmen. Bitte sie außerdem darum, neben deinen Antworten auch ganz kritisch auf das "Drumherum" zu achten – von deiner Körpersprache bis zur Stimmlage und zum Sprechtempo. Das erhöht für dich den Druck, macht die Situation noch realer und hilft dir, auch Unbewusstes unter Kontrolle zu bekommen.

Beim Feedback sind u. a. die folgenden Punkte wichtig:

  • Wie überzeugend warst du für dein Gegenüber?
  • Was ist ihm/ihr besonders aufgefallen (positiv und negativ)?
  • Wie ausführlich waren deine Antworten – zu knapp, zu langatmig oder genau richtig?
  • Welche Antworten waren gut, welche ausbaufähig – und warum?
  • Was solltest du seiner/ihrer Meinung nach noch trainieren?

In fremde Köpfe schauen: Denk dich richtig rein

Bei der Vorbereitung hilft es dir, dich ganz bewusst in deine Gesprächspartner hinzuversetzen. Auch wenn du den Personalchef, den Geschäftsführer und deinen (potenziellen) zukünftigen Abteilungsleiter nicht persönlich kennst: Was würdest du an ihrer Stelle fragen?

  • Was würdest du als Personalchef von dir als Bewerber wissen wollen?
  • Welche Eigenschaften sind dem Firmenchef wohl bei seinen Angestellten wichtig?
  •  Was würdest du von einem Bewerber erwarten?

Auf die typischen Fragen solltest du auf jeden Fall gute Antworten parat haben:

  • Welche Stärken und Schwächen hast du?
  • Warum willst du gerade in diesem Unternehmen arbeiten?
  • Was weißt du über das Unternehmen?
  • Was qualifiziert dich für die Ausbildung?
  • Wie ist die schlechte Mathe-Note zustande gekommen?
  • Welche Hobbys hast du?

Geh ruhig noch einmal deine Bewerbung und deine Zeugnisse durch und überleg knallhart, welche "gemeinen" Fragen man dir stellen könnte. Welche Antworten würden dich als (Personal-)Chef dann überzeugen?

Fettnäpfchen meiden: Goldenen Regeln für das Gespräch

Winzig kleine Patzer sind natürlich kein Weltuntergang. Wenn du dich vor Aufregung am Glas Wasser verschluckst oder dir beim Händeschütteln deutlich sichtbar die Hand zittert, ist das noch lange kein Grund, gleich mit hochrotem Kopf aus dem Raum rennen. Viele typische Fehler kannst du außerdem von vornherein vermeiden.

  • Denk daran, zur Sicherheit einen Ausdruck deiner Bewerbung mitzubringen.
  •  Präg dir vorab die Namen deiner Ansprechpartner ein.
  • Fahr rechtzeitig los und sei unbedingt pünktlich. Im Idealfall bist du ein paar Minuten vor Gesprächsbeginn da (aber bitte nicht mehr als 15 Minuten zu früh). Wenn sich eine Verspätung absolut nicht vermeiden lässt: Ruf an und sag Bescheid.
  • Wenn du bestimmte Unterlagen im Gespräch vorlegen musst, pack sie rechtzeitig ein.
  • Achte auf angemessene Kleidung.
  • Stell dein Handy unbedingt vor dem Gespräch lautlos ein.
  • Denk an die gängigen Knigge-Regeln – von Händeschütteln bis Platznehmen – und an deine Körpersprache (Blickkontakt, keine verschränkten Arme, aufrechte Sitzhaltung etc.).
  • Antworte ausführlich (niemand zieht anderen gern jedes Wort aus der Nase), aber nicht langatmig (du bist schließlich zum Gespräch geladen, nicht für ein Referat).
  • Betone das Positive, ohne Negatives zu verleugnen. Eine Fünf in Chemie ist nunmal eine Fünf in Chemie. Dafür warst du vielleicht in einer anderen Naturwissenschaft – wie zum Beispiel Bio – gut. Ganz wichtig: Niemals lügen und niemals lästern. Dass der Chemielehrer total fies zu dir war, magst du so empfunden haben – im Vorstellungsgespräch sind solche Äußerungen aber fehl am Platz.
  • Stell Fragen und zeig Interesse. Überleg dir vorher, was du wissen möchtest, und nutz die Chance, nachzufragen. Wenn der Personaler im Gespräch schon alle deine Fragen beantwortet hat, sag das und bedanke dich. Auf ein nettes "Haben Sie denn noch Fragen an uns?" schüchtern mit "Öh, nö ..." zu antworten, macht keinen guten Eindruck.

Mit guter Vorbereitung und echtem, sichtbarem Interesse kannst du am meisten Punkten. Oder würdest du jemandem einen Ausbildungsplatz geben, der so gar keine Begeisterung rüberbringt? Wahrscheinlich nicht – du würdest dir auch einen Bewerber wünschen, der in genau dein Unternehmen will und für das Berufsbild brennt. Wenn du dich für den Job und das Unternehmen begeisterst, strahlst du das auch aus – und wenn du dann noch gut vorbereitet clever antwortest, kann kaum noch etwas schief gehen.

Quellen:

In Anlehnung an "Berufswahl: Das will ich – das kann ich – das mach ich. Lebensplanung spielerisch ausprobieren." von Peter H. Ebner und Sabine Fritz, Verlag an der Ruhr, ISBN 978-3-8346-0026-4, S. 87 ff

  • eingestellt am 07.07.2016
Autor

scook