Berufsberatung – Bewerbungstraining

Bewerbungstipps: So schreibst du deinen Lebenslauf

Der Lebenslauf ist sozusagen die Basis-Ausstattung bei jeder Bewerbung – und genau so wird er leider meistens auch behandelt. Dabei lohnt es sich, ein bisschen Extra-Zeit und -Mühe zu investieren. Denn mit einem gut durchdachten Lebenslauf machst du beim Personaler mächtig Eindruck!
 Ein Mädchen steht vor Büroordnern und hält eine Bewerbungsmappe in den Armen.
Bewerbungstipps umgesetzt: Eine fertige Bewerbung in den Armen.

Meistens unterschätz: Der Lebenslauf als lästiges "Pflichtprogramm"

Wäre das hier eine Fernseh-Show, würde der Lebenslauf an dieser Stelle als "der unverstandene Udo" anmoderiert. Oder als "der neidische Norman". Denn während das Anschreiben bei jeder Bewerbung überarbeitet, gepampert und fein herausgeputzt wird, bekommt Udo-Norman, unser Lebenslauf, viel zu wenig Liebe. Er wird meist keines Blickes mehr gewürdigt und steht immer im Schatten seiner "Geschwister". Diesen Artikel widmen wir darum dem verkanntesten Bewerbungs-Bestandteil – damit er zumindest bei dir einmal zeigen kann, was wirklich in ihm steckt.

Welche festen Spielregeln gibt es?

Ein paar obligatorische Formalien gibt es natürlich. Standard ist der tabellarische Lebenslauf, bei dem du in der linken Spalte Zeitangaben machst und in der rechten Spalte Fakten nennst. Statt ausführlichen, ganzen Sätzen konzentrierst du dich auf knackige Stichpunkte. 

Die Kontaktdaten müssen ohne Suchen zu finden sein, meist landen sie deshalb im Kopfteil. Neben den Kontaktdaten mit deinem Vor- und Zunamen, deiner Anschrift, Telefonnummer und E-Mail-Adresse gehören auch deine persönlichen Daten in den Lebenslauf. Sprich: dein Geburtsdatum, der Geburtsort und deine Staatsangehörigkeit. Die Berufe deiner Eltern oder deine Religionszugehörigkeit kannst du getrost weg lassen – das ist mittlerweile überholt. Ein Foto ist allerdings nach wie vor üblich.

Weiter geht es mit deiner schulischen Laufbahn, deiner Praxiserfahrung (Praktika etc.) und deinen Soft Skills. Ob du chronologisch oder amerikanisch (also mit dem Aktuellsten ganz oben) vorgehst, kannst du generell selbst entscheiden. Wenn du bedenkst, dass der Personaler jederzeit aufhören kann, zu lesen, und das Wichtigste deshalb besser gleich zuerst kommt, empfiehlt sich aber die amerikanische Variante.

Deine Grundschulzeit darfst du übrigens gerne außen vor lassen. Wichtig ist der finale Schulabschluss. Neben dem Notenschnitt kannst du bei der Schulbildung auch gleich noch das hervorheben, was zur ausgeschriebenen Stellepasst. Die Eins im Englisch-LK zum Beispiel, wenn du dich in einem internationalen Konzern bewirbst. Oder deine Mathe-Stärke, wenn du dich für einen mathematisch-technischen Beruf bewirbst.  Üblicherweise führst du dann noch deine Interessen auf.

Ort, Datum und Unterschrift sind zum Abschluss Pflicht. Zwei A4-Seiten sind das absolute Umfangs-Maximum. Und selbst das reizen üblicherweise eher ältere Bewerber mit viel Berufserfahrung aus. Schau also nach Möglichkeit, dass du mit einer Seite auskommst.

Wie soll ich gewichten?

Wer gerade erst mit der Schule fertig ist, hat natürlich noch keine 10 beruflichen Stationen, die er angeben kann. Für dich ist die 80-20-Regel ein guter Anhaltspunkt: Dein Lebenslauf sollte zu etwa 80 Prozent aus Fakten zu Schulbildung, Qualifikation und Soft Skills und zu rund 20 Prozent aus persönlichen Daten und deinen Interessen bestehen.

Mit den Soft Skills gleichst du quasi die fehlende Berufserfahrung aus. Darunter fallen dann Dinge wie ein ehrenamtliches Engagement, mit den Fähigkeiten, die du dabei gelernt hast. Die persönlichen Interessen passen schlauerweise natürlich ebenfalls perfekt zu dem, was für deinen Wunschjob wichtig ist. Es geht also keineswegs darum, hier möglichst viele außergewöhnliche Hobbys zu listen. Sondern darum, das einzubringen, was dich zum perfekten Kandidaten macht.

Wie filtere ich das Richtige heraus?

Grundsätzlich gilt: Der Lebenslauf ist eine kompakte Faktenliste – kein Roman und auch kein Brief. Je schneller und klarer du auf den Punkt kommst, desto besser. Der Empfänger will deinen Lebenslauf nutzen, um sich ratzfatz ein Bild von dir zu machen. Manche Personaler blättern direkt zum Lebenslauf und lesen den Rest erst gar nicht. Dieser Teil muss also "sitzen". In den Lebenslauf gehört darum das, was auf Anhieb von dir überzeugt – und zwar maßgeschneidert für jede einzelne Bewerbung.

Am besten fragst du dich: Was muss der Personaler in diesem speziellen Fall unbedingt wissen? Was sind deine Kracher-Argumente, was spricht am meisten für dich? Dann checkst du bei jedem Punkt : "Ist das für die Stelle, auf die ich mich bewerbe, wirklich relevant? Und wenn ja: Warum genau?" Dass du Messdiener warst, bis du 14 warst, ist beispielsweise weniger interessant, wenn du dich als Mechatroniker bewirbst. Hast du aber zum Beispiel jahrelang ehrenamtlich Jugendfahrten begleitet und warst Gruppenleiter, kannst du damit prima Eigeninitiative, Verantwortungsbewusstsein und Teamfähigkeit beweisen.

Mach dir klar: In das, was du schreibst, wird der Personal hineininterpretieren. Genau das ist nämlich sein Job: Er liest deinen Lebenslauf und zieht Rückschlüsse auf dich als Kandidaten. Prüf also bei jedem Punkt, wie er wohl wirken könnte. Beschreibst du dich als "Kampfsportler und Extremsport-Fan" klingt das übersetzt nach "Adrenalin-Junkie" und gibt Punktabzug. Beschreibst du dich dagegen allgemeiner als Sportler oder vielleicht als Wettkampfsportler, klingt es nach Disziplin und Leistungsfähigkeit.

Wie ausführlich soll ich schreiben – und wie deutlich werden?

Fass dich so kurz wie möglich, aber sei so ausführlich wie nötig. Wenn du nur schreibst: "Praktikum beim Metzger XY" ist das wenig aussagekräftig. Ergänzt du stattdessen, dass du Verkaufserfahrung gesammelt, Kunden beraten und Catering-Bestellungen angenommen und weitergegeben hast, ist das gleich viel überzeugender.

Bescheidenheit ist generell sympathisch – beim Lebenslauf springst du aber besser über deinen Schatten und trägst ein bisschen dicker auf. Keine Frage: Alles muss der Wahrheit entsprechen. Dinge nur anzudeuten bringt dich allerdings kaum weiter. Wenn du schreibst "Gruppenleiter auf Jugendfahrten" denkt der Personaler vielleicht nur: "Ah, nett." Schreibst du dagegen: "eigeninitiativ Jugendfahrten organisiert, als Gruppenleiter Kinder und Jugendliche betreut und mit dem Team für einen reibungslosen Ablauf gesorgt", stellst du sicher, dass klar ankommt, was du sagen willst – und erklärst, was das Unternehmen davon hat.

Die schlechte Nachricht lautet also: Mit einem einzigen Lebenslauf, den du für jede Bewerbung verwendest, tust du dir keinen Gefallen. Die gute Nachricht lautet aber: Wenn du dir bewusst ein bisschen Zeit nimmst und deinen Lebenslauf perfekt zuschneidest, kannst du richtig punkten. Es lohnt sich garantiert!

Quellen

Quellen:

„Verfassen des perfekten Lebenslaufs: Antworten auf 15 der häufigsten Fragen“, monster.de, http://www.monster.de/karriereberatung/artikel/antworten-zum-lebenslauf-31032

„Kurzbiographie für den Personaler: Lebenslauf schreiben: Tipps und Infos, absolventa.de, https://www.absolventa.de/karriereguide/klassische-bewerbung/lebenslauf

  • eingestellt am 07.07.2016
Autor

scook