Fachhochschule vs. Universität

FH oder Uni – wo sollst du studieren?

Die Frage „Ausbildung oder Studium?“ hast du für dich beantwortet, schon gibt es neuen Stoff zum Haareraufen: Soll es zum Studium an die Uni oder lieber an eine Fachhochschule gehen? Wir erklären dir kurz und knapp, wo die Unterschiede liegen – und worauf es letztlich wirklich ankommt.
 Frau mit Doktorhut schaut nach oben und überlegt.
FH oder Uni – was passt zu dir?

Studium an der Uni oder der FH? – Eine Entscheidungshilfe

Fachhochschulen sind perfekt für Praktiker, Unis für Theorie- und Forschungs-Fans – soweit zumindest das gängige „Vorurteil“. Aber stimmt das überhaupt noch? Und wie findest du heraus, welche Hochschulform die richtige für dich ist? Diese 5 Fragen helfen dir.

Am besten führst du direkt beim Lesen eine Strichliste. So siehst du genau, ob für dich mehr für ein Studium an der FH oder der Uni spricht.

1. Welchen Schulabschluss bringst du mit – und was willst du studieren?

Bevor du in tiefe Grübelei verfällst und dir tausend Gedanken zu den Vor- und Nachteilen von FH und Uni machst, checkst du am besten erst einmal „das Kleingedruckte“. Vielleicht schon ausschlaggebend: Für ein Universitätsstudium brauchst du in aller Regel die Allgemeine Hochschulreife (sprich: das Abitur). An FHs und „Universities of Applied Sciences“ (wie sich viele FHs mittlerweile nennen) kannst du dagegen auch schon mit der Fachhochschulreife ein Studium beginnen. Wenn du zum Beispiel Lungenfacharzt, Diplom-Psychologe oder Staatsanwalt werden möchtest, kannst du die Entscheidung an dieser Stelle ebenfalls abkürzen. Bestimmte Studiengänge bzw. -abschlüsse gibt es nämlich nach wie vor nur an den Universitäten.

Die genauen Zulassungsvoraussetzungen und mögliche Beschränkungen definieren die Hochschulen übrigens selbst. Wenn du dich auf ein bestimmtes Fach eingeschossen hast, lohnt es sich also, einmal genau nachzuschauen, ob du die Voraussetzungen überhaupt an allen (Wunsch-)Hochschulen erfüllst – oder ob sich das Grübeln damit schon erübrigt.

2. Was ist dir wichtiger – wissenschaftliches Arbeiten oder Praxisbezug?

Früher galt recht klar: Fachhochschulen stehen für Praxis- und Anwendungsorientierung; Universitäten für Wissenschaft und Theorie. Inzwischen haben sie sich ein gutes Stück angenähert: Viele Fachhochschulen mischen aktiv in der Forschung mit, während Universitäten verstärkt Praxiselemente einbauen. Der grundsätzliche Schwerpunkt ist allerdings geblieben.

Universitäten bilden den wissenschaftlichen Nachwuchs aus. Das heißt: Sie wollen ihren Studenten beibringen, selbstständig wissenschaftlich zu arbeiten. Dafür vermitteln sie verstärkt theoretisches Handwerkszeug und beschäftigen sich intensiv mit den fachlichen Hintergründen. Fachhochschulen zielen dagegen vor allem auf die praktische Anwendung des Wissens im Berufsleben ab – deshalb ist das Studium hier unterm Strich doch noch „praxisnäher“.

Die unterschiedlichen Bildungsschwerpunkte schlagen sich übrigens auch auf Professorenseite nieder: Dozenten an Fachhochschulen müssen mindestens fünf Jahre berufstätig gewesen sein – drei davon außerhalb der Hochschule. An der Uni können Doktoranden dagegen sofort nach der Promotion als Dozenten einsteigen, ohne „außerhalb“ gearbeitet zu haben. Die „Praktikerdichte“ ist bei den Dozenten an der FH also meistens höher als an der Universität.

Fachhochschulen haben zudem oft enge Kontakte zu Unternehmen, von denen du als Studierender profitieren kannst. Dafür hast du an der Universität meist leichteren Zugang zu Forschung und Entwicklung – denn hier sind die Unis im Schnitt immer noch wesentlich aktiver als die Fachhochschulen.

3. Wie gut kannst du dich organisieren – und wie viel möchtest du „organisieren lassen“?

An der Uni liegt es fast komplett an dir, dich richtig zu organisieren. Ob Fächerwahl, Semesterplan oder Prüfungstermine: Die Verantwortung liegt allein bei dir. Das Studium an der Fachhochschule ist dagegen oft „verschulter“; Stundenpläne, Prüfungen und auch Praxis- und Auslandssemester sind zu großen Teilen vorgegeben bzw. durchgeplant. Die angebotenen Schwerpunkte und Wahlmöglichkeiten sind an der FH meist überschaubarer als an der Uni – dafür ist das Studium dort geradliniger und straffer.

4. Wie viel Kontakt brauchst du – und wie viel verträgst du?

Wenn du beim Gedanken an vollgestopfte Hörsäle mit hunderten von Kommilitonen Platzangst bekommst, spricht das eher für die FH. Dort sind die Gruppen kleiner und die Betreuung durch die Profs oft engmaschiger und persönlicher. An Fachhochschulen kommen statistisch deutlich weniger Studierende auf einen Dozenten – weshalb der sich oftmals intensiver kümmern kann.

5. Wohin soll es gehen – auf welchen Abschluss zielst du ab?

Als es noch Magister- und Diplom-Abschlüsse gab, war der Unterschied zwischen FH und Uni schon im Titel zu erkennen – der „Diplom-Ingenieur (FH)“ etwa musste diesen Zusatz im Titel führen. Uni-Absolventen haben damals in der Regel auch mehr verdient als ihre FH-Kollegen. Heute erwerben alle Studenten einen Bachelor bzw. Master, egal, ob an der Uni oder der FH.

Wenn du aber jetzt schon weißt, dass du mal promovieren möchtest, in das Unistudium der zuverlässigere Weg. In fast allen Bundesländern liegt das Promotionsrecht nämlich nach wie vor ausschließlich bei den Unis. Sicherlich kannst du theoretisch auch zum Promovieren an die Uni wechseln oder entsprechende Kooperationen der FHs mit Universitäten nutzen. Auf Nummer sicher gehst du aber, wenn du direkt „mit der Perspektive Promotion“ an die Uni gehst.

Fazit

Uni und FH unterscheiden sich vor allem in der Zielsetzung und der Lernkultur. Ganz knapp zusammengefasst:

Die Uni kann für dich richtig sein, wenn du ...

  • die Allgemeine Hochschulreife hast,
  • keine Angst vor Theorie und wissenschaftlichem Arbeiten hast,
  • dich selbst gut organisieren kannst,
  • mit großen Gruppengrößen umgehen und eigeneverantwortlich lernen kannst,
  • dich für Forschung und Entwicklung interessierst,
  • Wert auf eine große Auswahl an Fächern und Schwerpunkten legst und
  • vielleicht sogar promovieren willst.

Die FH kann für dich passender sein, wenn du ...

  • mehr Orientierung, Unterstützung und Struktur für dein Studium möchtest,
  • in kleineren Gruppen lernen willst,
  • primär Praxisnähe brauchst bzw. schätzt,
  • vor allem Wissen erwerben willst, das du im Job konkret anwenden kannst,
  • eher in die Wirtschaft als in die Forschung und Entwicklung willst und
  • wahrscheinlich keinen Doktor machen möchtest.

Quellen

"Uni contra Fachhochschule  –  Wo studiert man besser? von Britta Mersch und Dorothee Fricke, Spiegel online, http://www.spiegel.de/lebenundlernen/uni/uni-contra-fachhochschule-wo-studiert-man-besser-a-577419.html

"Entscheidung: Uni oder FH

"FH oder Uni: Was ist besser?" Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit e.V., http://www.komm-mach-mint.de/MINT-Studium/FH-oder-Uni-Was-ist-besser

"Uni vs. FH: Wo ist das Studium besser?" von Geraldinge Zimmermann, StudyCHECK.de, OAK - Online Akademie, https://www.studycheck.de/blog/uni-vs-fh